14.12.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

"Altbayerischer Advent" mit den Raith-Schwestern und n'Blaimer Virtuosinnen der leisen Töne

Das Geschenk wird 90 Minuten lang ausgepackt und auf den Gabentisch gelegt. Weihnachtliche Weisen, jede einzelne wie ein edler Stein. Unter den Christbaum gelegt von den Raith-Schwestern. Zwei Frauen, die der Oberpfalz zur Ehre gereichen.

Nicht kabarettistisch und laut, wie sonst in ihren Programmen: Bei der "Altbayrische Weihnacht" von "d'Raith Schwestern und da Blaimer" am Mittwoch im ACC schlagen die Schwestern stille Töne an. Dem Publikum gefällt's. Bild: Hartl
von Autor HOUProfil

Beginnen wir mit dem Schluss dieses Konzerts im Amberger-Congress-Centrum: Man geht hinaus, sieht die Flocken taumeln und hat Hoffnung geschöpft, dass es den Schlager-Fuzzies und der Jingle-Bell gröhlenden Horde samt Fest der 100 000 Lichter letztlich nicht gelingen wird, ihren musikalischen Angriff auf den Stall von Bethlehem erfolgreich zu beenden. Denn es gibt Menschen, die gegen solch schrille Attacken stabile Bollwerke aufgebaut haben.

Stiller Advent

Da sitzen sie also vor nahezu ausverkauftem Haus. Susi und Tanja, die Raith-Schwestern, aus der Gegend von Roding. Der "Altbayerische Advent" ist angekündigt und sie zelebrieren ihn. Zwei Frauen, die aus einer Volksmusik-Familie kommen und zur stillen Stunde einladen. Sie sagen: "Unsere Zentrale ist die Mama". Mit der zogen sie einst samt Gitarre, Hackbrett und Ziehharmonika von Auftritt zu Auftritt.

Man hört, dass jeder Weg verschneit ist, vernimmt atemlos einen fast schon auf geniale Weise zweistimmig erklingenden Andachtsjodler und die Ballade vom tückischen Nussknacker. Dazwischen feine Stubenmusik, die diese Halle auch ohne Gesang erfüllt wie ein orchestrales Ereignis. Das zeigt, wie vielfältig die Raith-Schwestern sind. In anderen Programmen kabarettistisch und laut in ihrer Botschaft. Jetzt aber Virtuosinnen der leisen Töne. Zur Krippe gewandt aus religiöser Überzeugung, dass da vor über 2000 Jahren einer gekommen ist, dessen Verkündung nichts aus den Angeln heben kann.

Packende Erzählstimme

Neben den Geschwistern sitzt Andreas Blaimer auf der Bühne. Ein Altrocker mit exzellenten Gitarrenkünsten. Doch der Ehemann von Tanja kann, wie sich zeigt, noch weitaus mehr. Er wird zum Erzähler und drückt sich selber seinen eigenen Stempel auf. Blaimer sorgt für verbale Zwischenstationen, die in gereimter Form zum Schmunzeln animieren. Wie der Inhalt einer Dose "Hengstenberg Mildessa" quasi als Lametta-Ersatz an der Tanne benutzt wurde und der brennende Adventskranz endlich für das ersehnte Ende einer grenzenlosen adventlichen Langweile geriet. Köstlich.

Doch dieser Mann mit dem wallenden weißen Haupthaar, der bis heute als Gitarrist jeder "Stairway to Heaven"-Rockband durchginge, kann rhetorisch noch weitaus mehr. Er schildert, wie der Großvater seiner Frau anno 1943 von der Front auf weihnachtlichen Heimaturlaub zurückkehren sollte und dann doch nicht am Bahnhof Neubäu bei Roding ankam. Packend, beklemmend und mit der letztlich erfüllten Hoffnung, dass er nicht irgendwo in Russland sinnlos fiel. Ein Weihnachtsfest des Bangens, der Trostlosigkeit und auch des Zweifelns an dem Kreuz, das die am Bahnhof wartende Ehefrau passieren musste. Grandioser Abend. Mit einem Lob auch für den aus Oberbayern angereisten Bassisten Robert Bischof. "Still, still, still" zum Finale. Da wurde die Kerze endgültig zum Freudenlicht.

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