20.12.2008 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Amberg: Ernährungsberater Dr. Dieter Freitag über Lebensweisheiten und Rohkost "Ich war seit 25 Jahren nicht mehr krank"

Amberg. (roa) Dr. Dieter Freitag ist ein Phänomen. Nicht unbedingt weil er gänzlich auf gekochte Nahrungsmittel verzichtet, sondern weil er einen Lebensweg eingeschlagen hat, mit dem er zu hundert Prozent zufrieden zu sein scheint. Man sieht es ihm an: Seine Augen strahlen, er wirkt ruhig und aufgeräumt, mit sich selbst im Reinen. Nur sein Alter will er nicht verraten ("vielleicht bin ich ein wenig eitel").

von Redaktion OnetzProfil

Das Rezept dafür möchte er gerne weitergeben. Der Amberger Ernährungsberater und Sachbuchautor aktualisierte sein Werk "Einfach leben - Gesund durch Rohkost, Körpertraining und Leben im Tao".

Sie haben im Kunstverein A.K.T zusammen mit Ihrer Frau Marina Bock die überarbeitete Fassung ihres Buches vorgestellt. Was ist das Neue an der Neuauflage? Die dritte Auflage habe ich im Eigenverlag als Taschenbuch herausgegeben. Statt Fotos wurden zur Illustration Comics von Marcus Trepesch verwendet. Die Grundidee ist im Wesentlichen geblieben, allerdings habe ich das Buch auf den allerneuesten Stand meiner Lebensweise gebracht. Beispielsweise durch noch natürlicheres Verhalten, indem ich überwiegend alles einzeln esse.

Was essen Sie genau?
Ich esse meist sechs verschiedene Sorten: Salat, Avocados, Tomaten, Karotten, Nüsse und gekeimten Hafer.

Warum genau diese?
Sie schmecken mir einfach am besten. Ich könnte auch Fenchel, Kohlrabi oder Gurken essen. Aber im allgemeinen weiß der Körper, was er braucht, indem er das Signal gibt, was schmeckt und was nicht.

Was kommt an den Festtagen auf den Teller? Ich werde mir aus München vielleicht eine besondere Frucht holen. Sie heißt Durian und kommt aus Thailand. Das ist mein Weihnachtsbraten. Ich mache mir vielleicht aber auch einen schönen Salat aus Gemüse ohne Dressing. Vielleicht noch ein Stück Apfel dazu.

Also kein Braten, Knödel oder andere Schmankerln, vielleicht ein Weihnachtsplätzchen? Meinen letzten Schweinebraten habe ich Ende der 70er Jahre gegessen.

Schwer vorstellbar für einen Oberpfälzer.
Die gesellschaftliche Seite der Rohkost ist tatsächlich ein Problem. Meine Freunde wissen allerdings Bescheid. Wenn wir essen gehen, bestelle ich eben einen Salat ohne Dressing und verzehre eine mitgebrachte Avocado dazu.

Gibt es denn nichts, was Sie an kulinarischen Genüssen vermissen?
Nein. Das einzige, was mir eventuell fehlt, ist eine Tasse Kaffee im Café zu trinken. Ich habe mir einmal eine bestellt und nur meine Lippen benetzt. Sofort habe ich gemerkt, dass es Gift für meinen Körper ist. Gekochtes, Tee, Kaffee, Alkohol, Tabak - das sind alles Dinge, die uns krank machen. Das Teuflische bei der Ernährung ist, dass man es nicht sofort merkt.

Wie lange leben Sie schon mit Rohkost und warum?
Seit 25 Jahren esse ich nur Rohkost und trinke nur Wasser. Schon vor meinem Unfall habe ich meine Ernährung umgestellt, da ich durch meinen Extremsport, unter anderem Windsurfen in der Nordseebrandung, häufig erkältet war. Ich wurde durch meine neue Ernährungsweise sehr gesund und dazu fit, leicht und trotzdem kräftig, was für das spätere Klettern ideal war. Nach meinem Kletterunfall musste ich meinen Beruf als Technischer Direktor bei Siemens in Amberg aufgeben und habe später eine Heilpraktikerausbildung in München begonnen.

Warum sind Sie wieder nach Amberg zurückgekehrt?
München ist eine sehr schöne Stadt, aber sehr anonym. Meine Familie lebt in Amberg und ich habe mich hier auch damals sehr wohl gefühlt. Man kann in einer kleinen Stadt wie Amberg sehr gut leben, wenn man gelegentlich auch mal herauskommt.

Zurück zur Rohkost: Schweinebraten-Liebhaber würden sagen, dass Menschen schon immer Fleisch gegessen haben.
Der menschliche Körper ist durch Millionen Jahre Evolution an rohe pflanzliche Kost angepasst. Erst nach der Erfindung des Feuers vor 400 000 Jahren konnte Nahrung erhitzt werden. Das eigentliche Kochen, Braten und Backen begann jedoch erst vor 10 000 Jahren nach der Erfindung von Ackerbau, Viehzucht und Töpferei. Gleichzeitig tauchten die ersten Krankheiten in größerem Umfang auf. Ich bin durch meine Lebensweise seit 25 Jahren nicht mehr krank gewesen, nicht mal ein Schnupfen.

Als Ernährungsberater geben Sie Menschen auch Tipps. Was sind die häufigsten Anliegen von Ratsuchenden?
Viele Leute wollen schlank werden. Oder auch bestimmte Beschwerden loswerden. Entweder man kommt von selbst drauf, oder der Leidensweg befiehlt es einem, die Ernährung umzustellen. Allerdings gehört zur Erreichung von körperlicher Gesundheit und Fitness neben Rohkost, frischer Luft, viel Sonne und ausreichend Schlaf unbedingt auch ein regelmäßiges Körpertraining.

Deshalb haben Sie auch Ihr Buch so genannt: "Einfach leben - Gesund durch Rohkost, Körpertraining und Leben im Tao." Was ist Tao?
Der Taoismus ist eine Lehre der Weisheit aus dem alten China, eine Lebensphilosophie, die nicht schwer zu befolgen ist. Eine für uns wichtige Aussage ist, dass man nur durch Entscheidungen aus der Intuition und Handeln durch Nichthandeln alles richtig macht. In meinem Buch habe ich auch acht Regeln für ein besseres Leben aufgestellt.

Besser leben, wie?
Neben der Rohkost-Ernährung sollte auch die Körperpflege natürlich sein, ebenso die Kleidung. Man sollte auch alle Haushaltschemikalien vermeiden. Den Körper mit Krafttraining, Walken oder Joggen trainieren und die Beweglichkeit durch Yoga aufrechterhalten. Man sollte auch seine Lebensenergie sparen. Man braucht kein Auto, keinen Fernseher und man kann seine Aktivitäten vereinfachen. Man darf aber auch nicht aus der Realität entfliehen, man muss im Leben stehen und dankbar für gute Dinge sein, oder gegenüber Menschen, die einem geholfen haben.

Woher nehmen Sie Ihre Erkenntnisse?
Ich habe viel gelesen, aber auch viel selbst erfahren. Das meiste habe ich aus meiner Intuition.

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