Amberger Künstler: Jahresausstellung noch bis Freitag
Die Kraft des Zarten

Die Jahresausstellung der Gruppe Amberger Künstler ist noch bis Freitag, 6. Januar, in der Stadtgalerie Alte Feuerwache zu sehen. Gezeigt werden dort auch Werke von Ulrike Lauter (Bild): Sie komponiert Flächen zu konkreten Landschaften, und findet so mit dem Vokabular des Abstrakten den Weg zurück zur Bedeutung - so wie hier im "Streifzug". Bild: peg

Von Peter Geiger

Amberg. Jetzt ist schon wieder ein Jahr vergangen. Und je weiter wir uns auf unserer Reise übers große Meer der Zeit von den Ufern und Inseln der Vergangenheit entfernen, umso mehr verblassen die Erinnerungen.

Wie stimmig also, wenn Berndt Trepesch bei seinen Porträts von Widerständlern, die gegen die Nazi-Diktatur aufgestanden sind, auf jede Form visueller Lautstärke verzichtet. Und allein dem zarten Strich seines Bleistifts vertraut. Fern jeglicher Effekthascherei ist auch die Präsentation dieser Heldengalerie: Auf schlichten, weißen DIN-A4-Blättern werden 7 x 7 Menschen gezeigt, darunter die Mitglieder der Weißen Rose, der in Flossenbürg ermordete evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer - aber auch weniger geläufige Namen wie Helmut Himpel oder Hermann Abke.

Der Besucher der Trepesch-Box muss lediglich Offenheit und ein bisschen Zeit mitbringen - aber nicht das Heft 330 der "Informationen zur politischen Bildung", das dem Künstler als Vorlage diente. Denn jedes seiner Porträts hat er mit einem Kurzlebenslauf versehen - so dass der ästhetische Genuss ergänzt wird um eine Portion historischer Bildung.

Angela Steinkohl vertraut ebenfalls der Kraft des Zarten - zieht sich dabei aber zurück ins bedeutungsschwächere Reich der Abstraktion. Aber was heißt das schon in der Kunst: Bedeutung? Diese fein strukturierten Knäuel-Kompositionen, die sie zeigt, sie gewinnen gerade deshalb an Ausdrucksstärke, weil sie nichts Gegenständliches nachahmen. Freilich, das könnten Bäusche sein, aus Watte, aus Haar oder feinstem Zwirn. Aber gerade exakte Zuweisbarkeit würde das zerstören, was sich einstellt, als Fantasma im Kopf des Betrachters, angesichts des so souverän inszenierten Wechselspiels von Hell und Dunkel, Kraft und Schwäche, Zärtlichkeit und Härte.

Wie sich aus Versatzstücken des Abstrakten Konkretion und Bedeutung wiederfinden lassen, zeigt Ulrike Lauter mit Meisterschaft. Mit gezügelter Farbigkeit fängt sie nicht nur die Flächigkeit von Feldern und Häusern ein, sondern verleiht - als wollte sie der Schöpfung augenzwinkernd ein Krönchen aufsetzen - ihren Wolkengegenden auch noch flügelhafte Ausbuchtungen. Oder was sind das für kraftvolle Schleier, die sich da am "Junitag"-Himmel tummeln? Auf jeden Fall: Nährstoffe für die Seelen kunsthungriger Amberger, die über die Zukunft hinweghelfen.
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