Anspruchvolle Werke erklangen bei der Stunde der Musik
Wie ein großes Symphonieorchester

Aus der "Stunde der Musik" wurden zweieinhalb Stunden - so viel hat die Knappschaftskapelle zu bieten. Bild: Stephan Huber
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
08.05.2018
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Die zünftige Blasmusi gibt es draußen auf den Bleichwiesen vor dem ACC. Drinnen steht zwar auch Blasmusik auf dem Programm, aber ganz andere. Die Knappschaftskapelle hat zur "Stunde der Musik" eingeladen und Werke einstudiert, mit denen sogar ein Symphonieorchester hätte glänzen können.

Von Johann Frischholz

Amberg. Sogar eine komplette viersätzige Symphonie war im Angebot der Knappen. Der Name des Komponisten dieses anspruchsvollen Werks, Boris Koschnevnikov, dürfte allerdings den wenigsten bekannt sein, aber in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion erfreuen sich seine Werke nach wie vor großer Beliebtheit.

Ebenso ist es um Aram Khatschaturian bestellt, dessen Adagio aus dem Ballett Spartakus sorgte vor allem bei TV-Nostalgikern für ein kleines Aha-Erlebnis. War diese Komposition doch Titelmelodie der 70er-Jahre Kultserie "Onedin Line". Ein weiterer Russe stand auf der Favoritenliste der Kapelle. Modest Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung" sind unsterblich und verhalfen dem Tonsetzer zu späten Nachruhm.

Zwei Stücke dieser Suite erklangen im ACC. Rhythmisch akzentuiert und mitreißend war "Die Hütte der Baba Yaga" und "Das große Tor von Kiew" erklang in der gebotenen Opulenz.

Dirigent Valery Lapko verstand es aufs Beste, seine Bläser für die Werke einzunehmen und ihren Ehrgeiz zu wecken und mit einer - trotz eines hohen Maßes an Konzentration - Spielfreude zu infizieren, die ihresgleichen sucht. Nach einer kurzen und von den Musikern durch ihre Leistung im ersten Teil auch höchst verdienten Pause - aus der "Stunde der Musik" wurden schließlich zweieinhalb - zeigte das Nachwuchsorchester dann, was es im Unterricht bei ihren älteren Kollegen gelernt hat. "Break out" ist ein technisch und musikalisch höchst anspruchsvolles Konzertstück, dass nicht explizit für ein Jugendorchester komponiert wurde. Aber die Jungknappen und ihr Leiter Moritz Rothmeier wagten sich trotzdem an das Werk und bewiesen damit ihren Mut und ihre persönlichen Begabungen für ihre Instrumente. Um Nachwuchs muss sich die Knappschaftskapelle also keine Sorgen machen.

Ebenso anspruchsvoll war die Suite aus der Filmmusik "Fluch der Karibik" von Hans Zimmer. Hier brachten die Jugendlichen einen Hauch von Hollywood ins ACC.

Der zweite Teil mit den erwachsenen Musikern startete mit einem höchst außergewöhnlichen Werk auf einem hohen Niveau, und damit ist nicht die Höhe über Normal-Null gemeint, in der die sterblichen Überreste des Helden der sinfonischen Dichtung aufgefunden wurden. Es handelt sich dabei um Ötzi, den Mann im Eis, dem der Komponist Otto Schwarz ein musikalisches Denkmal gesetzt hat. Mit imitierten Naturlauten und tonmalerischen Nuancen ließ er die Gletscherleich quasi auferstehen und erzählte in farbigen Bildern ihr mutmaßliches Ende nach. Um den Eindruck, den dieses Werk schon musikalisch beim Publikum hervorrief, auch noch optisch zu unterstreichen, setzte Valery Lapko auch einige optische Effekte ein. Die besonderen Lichteffekte und die Schwaden von Trockeneisnebel versetzten die Zuschauer gefühlmäßigs auf den Similaun-Gletscher, die vorletzte Ruhestätte von Ötzi.

Aber auch die Popkultur kam nicht zu kurz. Die Musik aus dem Videospiel "Super Mario Bros" war im Arrangement des Japaners Takashi Hoshida zu hören, der die elektronischen Klänge für ein Blasorchester instrumentiert hat. Das Finale war den Schlagerfans gewidmet. Mit einem Medley von Udo-Jürgens-Melodien und dem obligatorischen Steigermarsch beendete die Amberger Knappschaftskapelle ihr eindrucksvolles und mitreißendes Konzert.
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