Armin Mueller-Stahl stellt im Amberger Stadtmuseum aus
Tolle Werke einer Schauspiellegende

Die Talent-Palette des Armin Mueller-Stahl umfasst vier Hauptfarben: Schauspieler, Musiker, Schriftsteller und natürlich Maler. In Amberg sind in der Ausstellung mit dem Titel "Gesichter und Figuren" nun vorwiegend die neuesten bildkünstlerischen Arbeiten von 2015 bis 2017 ausgestellt. Als Laudator fungierte der Kunstfreund und frühere Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Björn Engholm (rechts). Bild: Wolfgang Steinbacher
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
13.09.2017
725
0

Einer stand an diesem bemerkenswerten Kunst-Abend im Mittelpunkt: Armin Mueller-Stahl, das große Multitalent. Mit seinen eindringlichen Porträts, mit seiner vielfältigen künstlerischen Präsenz, seinen aussagekräftigen Charakterbildern. Die Blicke aber zog ein ganz anderer Mann auf sich. Auch er ist bundesweit bekannt.

 Malen, Schreiben, Musizieren und die Schauspielerei gehören bei Mueller-Stahl zusammen. In Amberg sind bis Donnerstag, 30. November, seine herausragenden Werke zu sehen. Über 100 groß- und kleinformatige Malereien, Druckgrafiken und Skizzen des künstlerischen Allroundtalents präsentiert das Stadtmuseum seit dieser Woche unter dem Titel "Gesichter und Figuren".

Der weltberühmte Künstlername lockte am Dienstagabend natürlich auch viel Amberger Prominenz, Künstler und kunstinteressiertes Publikum zur Vernissage. Dichtes Gedränge herrschte im Foyer bei den offiziellen Reden, im Seitenkabinett vor Bier, belegten Brötchen und Prosecco sowie in den bestens gelungenen oberen Ausstellungsräumen - wenn auch der Künstler fehlte. Dafür aber sprang der ehemalige Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Björn Engholm, in die Bresche und fungierte nicht zum ersten Mal als interessanter und informativer Laudator für den Freund Mueller-Stahl.

Vergleiche mit Prechtl

Schon bei einigen Ausstellungseröffnungen hatte er sich mit dessen Werk beschäftigt. Um so bemerkenswerter, dass er sich auch auf die Besonderheit der Amberger Schau einließ, die Gegenüberstellung von AMST (Armin Mueller-Stahl) und MMP (Michael Mathias Prechtl). Beide haben der Porträtmalerei laut Engholm eine Renaissance verschafft, doch jeder auf seine Weise. Als gelungenes Beispiel für Gemeinsamkeit diente der Kopf von Sigmund Freud. Den "Türöffner zur Seele", der die Träume erforschte, charakterisiert Mueller-Stahl mittels Farbaufbau, Prechtl öffnet den Kopf und lässt in diesen hineingreifen. Der Stil des einen ähnele Matisse, der andere dem Dürers, lauteten die Interpretationen Engholms.

Doch zuerst zeichnete er den kreativen Weg des Multitalents vom Schauspiel zur Bildkunst nach. Dann vertiefte er sich in die bildkünstlerischen Qualitäten. Mueller-Stahl beherrsche die zeichnerische Grundlage und setze mit Farbe emotionale Aspekte. Er besitze die Fähigkeit, auf- und wahrzunehmen, was die Welt beinhaltet, und in den Bildern "zu speichern und zu reflektieren". Hierbei handele es sich häufig um Erlebtes und Unverwechselbares, was er über Kopf und Herz zu Papier bringe. Die Werke und Motive von Armin Mueller-Stahl überzeugten durch Charakter und Farbenspiel. "Die Bilder nehmen einen geradezu ein", lobte der prominente Sozialdemokrat. Sie seien mit dem Zauber einer innewohnenden Menschlichkeit und dem ihm eigenen Humanismus entstanden - und zum Betrachten benötige man keinen Katalog. Die Menschenbildnisse inszeniere Mueller-Stahl grandios. Dabei erfasse er den ganzen Menschen. Als Beispiele betrachtete er Johann Wolfgang von Goethe, der leicht und rund, dazu mit unbändiger Geisteswucht als Lithographie gearbeitet ist. Friedrich Schiller dagegen wirke scharf, ins Licht des Geistes drängend, schmal.

Anruf bei Rauchbauer

Gedränge herrschte nach der offiziellen Eröffnung durch Bürgermeister Martin Preuß noch lange in den Museumsräumen. Er bedankte sich mit Präsenten bei Thomas Gaulin vom Kunsthaus Lübeck für die zur Verfügung gestellten Objekte und bei Björn Engholm für die Einführung. Er zeigte Verständnis dafür, dass der Künstler nicht anwesend sei. "In seinem Alter reist man nicht mehr einfach mal kurz durch die Republik". Dass der 86-Jährige aber in Gedanken die Ausstellung begleite, belege sein morgendliches Telefonat mit Museumsleiterin Judith von Rauchbauer, in dem er sich erkundigt habe, "ob auch wirklich alles passt".

Es hätte nicht besser passen können: Das Trio Burst mit Michael Dandorfer, Curtis Fink und Werner Leif Wismeth illustrierte musikalisch mit Van Morrison, Soul, Funk und Jazz. Das Museumsteam profilierte sich als charmanter Gastgeber.

Der Künstler Armin Mueller-StahlMuseen, Galerien, Sammler und Kunstinteressierte schätzen sein Werk. Armin Mueller-Stahl hat einen Namen im internationalen Ausstellungsbereich: in der Casa di Goethe in Rom, der Staatsgalerie Los Angeles, dem Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe oder jetzt im Stadtmuseum Amberg, wo vorwiegend die neuesten Arbeiten von 2015 bis 2017 gezeigt werden. Die Objekte sind Leihgaben des Kunsthauses Lübeck und können käuflich erworben werden. Zur Sonderausstellung werden Führungen angeboten. Das Begleitprogramm lädt ein zur Museumsnacht unter dem Titel "Kunst, Musik und Wein" mit Sonderführungen (Samstag, 21. Oktober) und es liegen Postkarten und Kataloge auf. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 11 bis 16 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr. (msf)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.