Ausstellung „Gruppe Amberger Künstler“
Hut ab für die Kunst einer Stadt

Der Andrang war so groß, in der mittlerweile 43. Jahresausstellung der "Gruppe Amberger Künstler", dass man unbedingt noch einmal kommen muss, um tatsächlich Zugang zu erlangen, zu den einzelnen Arealen, in denen die 18 Künstler ihre Arbeiten präsentieren. Bild: Geiger
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
09.12.2016
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Für eine Ausstellungsreihe ist das ein biblisches Alter: Seit 43 Jahren mittlerweile bittet die "Gruppe Amberger Künstler" in der Adventszeit regelmäßig zum großen Treffen, um Rückschau zu halten. Und so die Augen des Publikum dorthin zu lenken, was die neun festen Mitglieder und ihre jeweiligen Gäste im Laufe einer Saison erdacht und erarbeitet haben.

Man kann also sagen: Diese Ausstellung, sie ist eine Institution. Was Achim Hüttner da über die Jahrzehnte hinweg aufgebaut und etabliert hat, das stößt auch heute noch auf "ungebrochene Akzeptanz". Er sagt das mit unverkennbarem Stolz in der Stimme. Denn: Mit welchem Pfund ließe sich schon mehr wuchern, in der Öffentlichkeit, als dem einer so überwältigenden Zustimmung? Der hauptberuflich als Kunsterzieher Tätige hat sein Künstlertum nie so begriffen, dass er sich zurückgezogen hätte in die Isolation eines etwaigen Elfenbeinturms. Nein, er ist vielmehr das, was man einen engagierten Künstler nennt. Einer, der organisiert. Der auf Menschen zugeht, diese um sich schart und Anliegen verfolgt.

Pinsel als Waffe

Am Donnerstagabend wendet er sich mit seinen Eröffnungsworten immer wieder an den Amberger Oberbürgermeister Michael Cerny. Denn Hüttner, der Ästhet, ist empört. Die Pläne der Stadtspitze, zusätzliche Tiefgaragen in der Amberger Altstadt zu errichten, sie gehen ihm gegen den Strich. Der Bahnhofstraße würde das ein "großes Loch" in Blickrichtung St. Martinsbasilika bescheren.

Weshalb Hüttner zu seiner schärfsten Waffe gegriffen hat. Zum Pinsel! Und ein ganz kleines, in einen barocken Rahmen gefasstes Bild gemalt hat. Das diese Szenerie in expressiven Farben als Anti-Idyll einfängt. Als Schreckensprojektion, in der die Konturen aus dem Ruder laufen. Und der Fluchtpunkt geradewegs ins Loch der Tiefgaragenabfahrt führt. Pointiert und komisch zugleich macht er das. Indem er mit den Mitteln seiner Ästhetik zu überzeugen versucht. Und allen Gästen vor Augen führt, wohin das führt, wenn der Hässlichkeit Raum zugestanden wird. Auch Hanna Regina Uber thematisiert "Schnittstellen" - aber auf andere, ernsthaftere Weise. Einen aus Lindenholz herausgeschnitzten Kopf hat sie mit Blei ausgekleidet und mit Augen aus Glas versehen. Dieser Schädel, er steht dafür, dass keiner weiß, was sich im Kopf des anderen abspielt. Die Gedanken, sie sind frei. Auch im Zeitalter des Digitalen. Weshalb die Arbeit auch "Interface" heißt. Dieser Begriff ist neu und uralt zugleich, steht für Computeranschlüsse. Oder für die Verbindung, die jeder von uns zu seiner Umwelt herstellt.

"Das große Vergessen"

Helmut Rösel beschäftigt sich in seinem Bild "Das große Vergessen" damit, wie die Alzheimer-Krankheit wirkt. Er zeigt, wie sich Bedeutungsfelder auflösen. Wie Zusammenhänge verloren gehen. Wie Bilder an Farbe verlieren. Und Gedanken ihre Struktur. "Jeder stellt sich das wahrscheinlich anders vor!", sagt er: "Denn: Keiner weiß, wie's denen geht, die daran erkrankt sind." Das ist, ähnlich wie bei Hüttners oben geschilderter Paradoxie; nur existenzieller. Helmut Rösel verleiht dem Verlust Ausdruck. Indem er das zeigt, was nicht mehr da ist.

Aber natürlich lohnt die gesamte Ausstellung, die eindrucksvollen Bleistiftporträts etwa, die Berndt Trepesch von 49 Widerstandskämpfern angefertigt hat, die ihr Leben lassen mussten im Kampf gegen Hitler. Oder die sehr feinsinnigen Fotoarbeiten von Anne Dreiß, die oft erst beim zweiten oder dritten Hinsehen ihren Kern offenbaren. Dass sie den Blick von der St. Martinsbasilika einfängt. Oder Bögen der Amberger Altstadt.

In Grübeln geraten

Ebenfalls vom regionalen her kommt der Grafiker Manfred Wilhelm: Mit seinen Lautmalereien in oberpfälzischer Mundart verblüfft er immer wieder aufs Neue. Man kann schon mal für ein paar Sekunden oder auch Minuten ins Grübeln geraten, was denn die obendrein kunstvoll gesetzte Buchstabenkombination "Houd owa dou" wirklich bedeutet. Aber am Ende taugt dieser Satz auch als Motto, für diese Jahresschau: Hut ab!

Die Ausstellung in der Stadtgalerie Alte Feuerwache im Stadtmuseum (Zeughausstraße 18) ist bis 6. Januar zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11 - 16 Uhr, Samstag/Sonntag 11 - 17 Uhr.
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