12.01.2018 - 13:54 Uhr
Oberpfalz

Ausstellung Kevin Coyne in der Alten Feuerwache Welt der Verrückten und der Narren

Wo andere Leute den Blick abwenden, da schaute er ganz genau hin: Der Musiker und Maler Kevin Coyne hatte eine Vorliebe für die Außenseiter der Gesellschaft - "für die Underdogs, die Ausgestoßenen, die hässlichen, die fetten Menschen, die, mit denen keiner was zu tun haben wollte".

Helmi Coyne, die Witwe des aufrührerischen Künstlers Kevin Coyne, war bei der Ausstellungseröffnung in Amberg anwesend und freute sich über die gelungene Präsentation. Bild: Wolke
von Redaktion OnetzProfil

"The Return of Crazy Frank" lautet der Titel der Ausstellung, die am Donnerstag in der Städtischen Galerie "Alte Feuerwache" eröffnet wurde. Und hier stellt sich die Frage: Wer ist hier nun verrückt - die Bildobjekte oder Kevin Coyne selbst? Der Künstler hätte diese Überlegung wohl nicht als Beleidigung eingestuft. "I was born crazy", so seine Selbsteinschätzung. Aber er war sich auch sicher: "The world ist full of fools - but ist doesn't make them bad people." Zwei Dinge jedenfalls stehen fest: "Kevin Coyne war ein kritischer, schwieriger, auf keinen Fall leiser Mensch und ein genialer Geist", hält Ambergs Bürgermeister Martin J. Preuß bei der Eröffnung fest. Und er malte faszinierende Bilder.

Bei den Darstellungen, die exklusiv für Amberg zusammengestellt wurden, handelt es sich durchwegs um Zeichnungen. Mit kräftigem Kolorit schafft Coyne auch mit dem Holzfarbstift eine schräge Welt. "Die Typen, die Sie hier auf den Bildern sehen, die haben Sie schon alle mal getroffen", wendet sich Kurator Stefan Voit bei der Vernissage ans Publikum. "Im Bus, im Zug, in der Fußgängerzone, in der Schule."

Überspitzt aufs Blatt

Coyne bringt sie überspitzt aufs Blatt. Fast immer beunruhigend, oftmals aber auch lustig. Weibsbilder und hechelnde Herren versuchen sich in dem immer wiederkehrenden Thema Liebe - die Interpretation des Dargestellten erleichtert Kevin Coyne mit an den Bildrand geschriebenen Kommentaren. "The king is in love", heißt es hier etwa oder "He's afraid fo women". Auch Mischwesen kommen vor - ein "Selbstportrait" zeigt den Kopf eines Kakadus. Schräge Vögel also im wahrsten Sinne des Wortes. Dass die Bilder "mehr Hintergründiges in sich bergen als zunächst vermutet", betont Preuß, liegt auf der Hand.

Wieder einmal stehen also die Narren und Verrückten im Vordergrund einer Ausstellung über Kevin Coyne. Für den 2004 in Nürnberg verstorbenen Künstler war das Programm. Das Multitalent, das als Musiker, Maler, Dichter und Schauspieler wirkte, jedoch zeitlebens und auch nach seinem Tod als Geheimtipp galt, schöpft hier sozusagen aus seinem Brotberuf: Coyne arbeitete nach einem künstlerischen Studium zunächst als Sozialpädagoge mit psychisch Kranken und Alkoholikern im Londoner Stadtteil Soho. In seinen Bildern hat er diese abenteuerlichen Gestalten verewigt. Rund 60 Arbeiten aus den 80er Jahren bis in 2004 sind nun in der Alten Feuerwache zu sehen.

Bislang nie gezeigte Bilder

"Künstlerische Glaubwürdigkeit war ihm immer wichtiger als der kommerzielle Erfolg", sagt Voit über seinen Schützling. Es ist sein Verdienst, dass der 1944 im englischen Derby geborene und später nach Nürnberg übergesiedelte Kevin Coyne in der Region immer wieder zu sehen ist. Der Kulturredakteur und Nachlassverwalter hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Künstler nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Bei der Ausstellung in Amberg sind bislang nie gezeigte Bilder zu sehen- und eine musikalische Kostprobe: Wolfgang Bernreuther gibt ein Stück des Rhythm'n'Blues-Musikers Coyne zum besten. Anwesend war auch erneut Helmi Coyne, die Witwe des Künstlers. Die Arbeiten können gekauft werden. Das Nicht-Wegschauen erreicht hier also eine ganz neue Dimension. "Verschönern Sie Ihre Wände", appelliert Voit an die Anwesenden. Welch ein Aufstieg für die Ausgestoßenen.

Service

Die Ausstellung "The Return of Crazy Frank. Kevin Coyne" läuft bis zum 4. Februar in der Stadtgalerie Alte Feuerwache im Stadtmuseum Amberg, Zeughausstraße 18 in Amberg. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag von 11 bis 16 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr.

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