13.04.2018 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Ausstellung Raimund Drechsler im Kulturstift "Ich liebe die freie Form"

Raimund Drechsler hat offensichtlich über die Jahre gelernt, mit seiner Kunst auf sich aufmerksam zu machen. Wenn auch auf leisen Sohlen, so hat er als Außenseiter in der manchmal marktschreierischen Kunstszene doch seinen Platz ganz oben gefunden.

"Cyanotypie" heißt das alte Verfahren, das Raimund Drechsler mit Motiven aus der Umgebung zu neuem Leben erweckt.
von Autor MSCProfil

Sein Werdegang liest sich wie eine Blaupause des Erfolgs und die neueste Schau am stimmigen Ort verspricht Spannung und Vergnügen gleichermaßen. Am 1. März 1958 in Amberg geboren, absolviert er ein Studium an der Hochschule der Künste in Berlin bei Professor Rudolph Kügler. Seit 1984 lebt er wieder in seiner Heimatstadt und arbeitet in seinem Atelier in der Kugelbühlstraße, das ihm sehr viel bedeutet.

Jetzt stellt er bis 29. April in der Galerie im Kulturstift Amberg aus. Die Location gilt tatsächlich immer noch als Geheimtipp für außergewöhnliche kulturelle Ereignisse in der Stadt. Auch die Ausstellung "Raimund Drechsler 60 Jahre ohne Titel - Malerei und Cyanotypie" ist besonders. Gefeiert wird der 60. Geburtstag des Malers mit jungen Arbeiten aus 2017.

Geknautschte Kappe, lässige Lederjacke und Bart im Gesicht, so kennt man den Künstler und Individualisten. Er malt große und kleinere Formate auf Papier, Leinwand und Holz, in Acryl, Aquarell, Holzlack, Tusche und Mischtechnik. Er versuchte sich in Blechfaltungen und erweckt seit etwa einem Jahr die "Cyanotypie" zu neuem Leben. "Dieses fotografische Verfahren wurde 1842 vom englischen Astronomen und Naturwissenschaftler Sir John Herschel entwickelt" weiß er zu berichten. "Heute ist diese Technik eine spannende Verknüpfung von Digitalfotografie des 21. Jahrhunderts mit einer fast vergessenen Fototechnik aus der Mitte des 19. Jahrhunderts!" Früher wurden die Bilder mittels Sonneneinstrahlung entwickelt - heute nimmt man dazu UV-Licht, so die Erläuterung. 15 dieser im "Edeldruckverfahren" (Drechsler: Obwohl es kein Druck ist!) hergestellten Arbeiten sind im Seitenraum der Galerie zu sehen; teils im originalen Blau, teils mittels Tannin bräunlich getönt!

Wer den typischen "Drechsler-Klotz" in den Bildern verorten will, der sucht in der Geburtstagsausstellung vergebens danach. Schon seit einiger Zeit ist festzustellen, dass die Formen aufbrechen, die Ausdrucksweise offener wird. Ausgestellt sind diesmal elf große, ausdrucksstarke Acryl-auf-Leinwand-Fantasie-Landschaften (bevorzugtes Format ist 1 Meter auf 1,20 Meter). "Dabei habe ich freiere Hand", erklärt Drechsler. "Ich kann viel extremer arbeiten, mehr herausholen und auch wieder abdecken. Außerdem spielt das Licht und damit die Tiefenwirkung eine besondere Rolle!" So lassen sich in den Bildern Berg- und Flusslandschaften, Burgen oder Ruinen auf schroffem Fels, oder Himmelsgewölbe über tiefen Schluchten finden.

Drechsler erweist sich immer als ein Meister der Farbe und der Form. Sein Thema ist nicht die realistische Abbildung der Natur. Mit Erd- und Blautönen spielt er grenzenlos. "Grün ist allerdings nicht meine Farbe", gesteht er. Trotzdem ist die Palette reich an teils künstlich gewonnenen, teils selbst angerührten Farben und versetzt den Künstler in die Lage, schöpferisch tätig zu werden und Neues zu erfinden. "Mich interessiert einfach, was noch nicht da ist, was gerade entsteht. Ich liebe die freie Form. Das Aneinandersetzen der Flächen, Farbe und Struktur. Das Bild muss im Ganzen funktionieren, aber auch jede Fläche muss für sich alleine stehen können. Was mich reizt ist das Übereinanderschichten und Herausholen von Flächen, die darüber und darunter liegen. Das Zudecken und das Freilegen. Wie bei Häuserfassaden, wo die Farbe abbröckelt! Es ist das Abblättern und Schauen, was da noch alles zum Vorschein kommt. Das können zehn, das können auch nur mal zwei Schichten sein, die übereinander liegen, " erläutert der eher "sprechspröde" Künstler erstaunlich ausführlich sein künstlerisches Konzept.

Auf weißem Untergrund kann er nicht arbeiten. "Eine weiße, monochrome Fläche, das ist für mich eine ästhetisch geschlossene Geschichte. Das ist wie ein fertiges Bild wo es schwer ist, etwas dran zu machen", erklärt er kategorisch. Deshalb legt er erst einmal eine grobe Struktur fest und kleckst dazu ein paar Farbspritzer auf die Leinwand. "Es ist eigentlich immer das Ockergelb, weil dann die Farben ganz anders leuchten. Dabei bildet sich fürs Auge schon automatisch irgendeine Form. So ist es für mich einfacher, mit dem Arbeiten zu beginnen, als auf einer weißen Fläche!" Ein paar Tage, bis zu etlichen Monaten kann so ein Schöpfungsprozess dauern, bis der Künstler zufrieden ist mit seinem Werk.

"60 Jahre und kein bisschen weise", heißt es im Lied. "60 Jahre ohne Titel" dichtet der Künstler um. Denn, obwohl sich im Lauf der Zeit viel geändert hat, Titel gibt Raimund Drechsler seinen Bildern immer noch nicht: "Ich will dem Betrachter durch einen festgelegten Titel nichts wegnehmen und seine Fantasie nicht einengen". Sein Wunsch für die Zukunft: Noch lange mit, durch und von der Kunst leben können.

Service

Ausstellung: Raimund Drechsler "60 Jahre O.T.". Bis 29. April

Ort: Galerie im Kulturstift, Neustift 47, Amberg.

Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag von 14 bis 18 Uhr.

Kontakt: 09621/22664.

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Weitere Informationen:

www.akt-kunstverein-amberg.de www.kulturstuft.de

Er ist der puristische Maler, der sich in der Arbeit ausdrückt und nichts dazu sagt.

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