29.05.2017 - 18:30 Uhr
Oberpfalz

Ausstellungseröffnung aus 10 Jahren Kunsthandwerk: Skulpturen-Fauxpas im Rathaus

Dreidimensionale und körperhafte Objekte befinden sich derzeit im Rathaus. Gerd Kaiser eröffnete seine Ausstellung unter großem Andrang seiner Gäste. Und dann passiert das Undenkbare.

Des Kaisers neue Margarete: Bürgermeisterin Brigitte Netta präsentiert die kopflose Braut. Bild: dwi
von Dagmar WilliamsonProfil

Amberg. (dwi) Es sollten "Bei(n)spiele" sein - so der Name der Werke. Daraus wurde aber ein Bei(n)bruch. Ein Raunen erfüllte den Raum. Der dynamische Künstler Marcus Trepesch leistete sich bei der Eröffnung der Kunstausstellung von Gerd Kaiser im Foyer des Großen Rathaussaals einen Fauxpas: Im Kunsteifer stieß er gegen den Tisch der beweglichen Bronzefiguren - ein "Bei(n)spiel" zerbrach.

Gerd Kaiser nahm es gelassen. "Es macht mir einfach Spaß, Kunst zu schaffen. Da steckt keine monetäre Agenda dahinter." Auch ein Grund, warum diese Werke nicht käuflich sind. Man könne sie aber gegen eine Spende ausleihen, um sie dann auszustellen. Der Erlös würde einem guten Zweck zugute kommen.

Ohne Kopf und Arme

Diese Präsentation mit Werken aus den vergangenen zehn Jahren zeigt reduzierte Kleinfiguren, teils ohne Kopf und ohne Arme. Die Skulpturen sind beweglich oder nicht fest mit dem Sockel verbunden. "Ich mag das Dynamische. Ich will die Möglichkeit haben, Skulpturen umzustellen. Wenn sie befestigt werden, neigt man dazu, sie tot zu sehen", sagt Kaiser. Der gebürtige Amberger experimentiert gerne mit verschiedenen Materialien. Zur Verfärbung einiger Bronzefiguren benutzte er Nitrat.

Geschenk an Stadt

Marcus Trepesch bewundert vor allem Kaisers Herangehensweise: "Hinter dieser Kunst steht zuerst die Absicht, dann wird geschaffen." Gerd Kaiser sei unheimlich großzügig und zu bescheiden. Seine Großzügigkeit bekam auch die Stadt zu spüren. Er überreichte Bürgermeisterin Brigitte Netta eine Interpretation seiner Margarete von Bayern-Landshut, die Braut des Amberger Hochzeitsbrunnen, als Geschenk. Ganz in Kaisers Stil: ohne Kopf und ohne Arme.

"Die Wirkung stehender Figuren erreicht man erst dann, wenn nur der Körper betrachtet wird. Und ein Körper ist durchaus etwas Wunderschönes. Ein Kopf lenkt hier nur ab." Die Läufer hingegen sind dynamisch. Als frei stehende Figuren würden sie mit dem Wind gehen. Eine dynamische Skulptur brauche alle Gliedmaßen und das Haupt für die Balance. Bei den beweglichen Kunstwerken soll die Dynamik im Vordergrund stehen, nicht nur der Körper. Nur am Eröffnungsabend zu sehen waren die "3 Philosophen". "Oder sind es vielleicht doch die drei Räte? Und wer ist wohl der Dickkopf", wollte Bürgermeisterin Brigitte Netta wissen, die die Anspielung auf Ambergs drei Bürgermeister humorvoll hinnahm.

Seit 35 Jahren ist Kunst Teil seines Lebens. Gerd Kaiser begann mit Bleistiftskizzen und absolvierte zahlreiche Seminare und Workshops in Deutschland und Österreich. Vor 15 Jahren konnte er das erste Mal seine Werke im Bürgertreff ausstellen. Kaiser ist Mitbegründer der Gruppe KunstRaum in Ursensollen und Mitglied im A.K.T.-Kunstverein. Seine dynamischen und statischen Figuren sowie die dazugehörigen Zeichnungen und Skizzen können noch bis Oktober im Foyer des Großen Rathaussaales begutachtet werden.

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