23.04.2018 - 16:20 Uhr
Oberpfalz

"Bach-Strich" und Spiccato: Das Bach-Orchester Leipzig unter Christian Funke spielt Barockmusik ... Zurück in die Vergangenheit

Am Sonntag machte das Ensemble aus der "reichsten Fürstenstadt" Leipzig (Michael Schwaiger 1564) Station in der "festesten", nämlich Amberg. Man hat erprobte Repertoire-Stücke im Notenkoffer, darunter sattsam bekannte "Kassenschlager" von Pachelbel und Bach, dazu Musik aus Italien von Vivaldi und Marcello.

Routiniert und sicher interpretiert das Bachorchester Leipzig unter Leitung von Christian Funke Werke von Pachelbel bis Bach im Amberger Stadttheater. Bild: Petra Hartl
von Peter K. DonhauserProfil

Seit 1987 ist Christian Funke (69) Leiter des 1962 gegründeten Ensembles. Durchaus mit Stolz beschwört man die Inspiration schon allein durch den Ort Leipzig und die weltweite Konzerttätigkeit mit namhaften Solisten. Ein hoher selbst gesetzter Anspruch!

Los geht es mit dem genialen Canon von Johann Pachelbel, leider ohne die zugehörige Gigue. Gleich wird klar: Wir erleben eine Stilart barocken Musizierens, wie sie in den 70er-Jahren Praxis war: Flächig, satt und melodiös-singend. Heute gilt sie als romantisierend, und das zum Nachteil der musikalischen Botschaft. Hingegen spielen differenziertes Sprechen, Artikulieren, eine ausgefeilte Rhetorik, das Herausarbeiten harmonischer und klanglicher Farben, ergreifende oder erschütternde Affekte eine untergeordnete Rolle.

Schwerlastiger Bach

Bedächtig, nicht schleppend schreiten die Bässe voran, die erste Violine beginnt den Kanon, auf ihrer Wanderung durch die Stimmen verlieren die Motive leider an transparenter Klarheit, die Cembalistin ist zwar gut sicht-, aber wenig hörbar.

Alle drei Violinkonzerte Bachs stehen auf dem Programm: Das E-Dur BWV 1042 spielt Maestro Christian Funke, mit handfestem Strich intoniert er das steigende Dreiklangsmotiv, vierschrötig-kratzig viele der Doppelgriffe. Er liebt Legatolinie und Vibrato im langsamen Satz (als wär's ein Stück von Grieg), energisch boxt er sich durch die 32stel-Noten im Schluss-Rondo.

Beim beherzt abgespulten Doppelkonzert d-Moll BWV 1043, (auch bei Vivaldis a-Moll-Konzert RV 522) tritt der geschliffener und zentrierter spielende Julius Bekesch zu Funke. Die Bassgruppe begleitet routiniert, die Mittelstimmen liefern einen milchigen, wenig durchgehörten Klang ab. Bei sparsam variierter Grund-Lautstärke differenziert man kaum zwischen führenden und begleitenden Stimmen.

Hohe Oboenkunst

Beim a-Moll-Konzert BWV 1041 kommen dann der souverän und sensibel agierende Ramón Ortega Quero (Solo-Oboist beim Sinfonieorchester des BR) und seine wunderbar schwerelos und innig gespielte Oboe zum Zuge. Auswendig musizierend setzt er dezidiert die Highlights des Abends, sein Spiel bewegt und berührt, auch im d-Moll-Oboenkonzert von Marcello, das (ohne Ansage) das D-Dur-Konzert von Sammartini ersetzt.

"Historisch informiertes Spiel" hat Maßstäbe gesetzt, auch beim Musizieren auf modernen Instrumenten, dazu Tiefgang bei der Werk-Erarbeitung, man vermisst es an diesem Abend. Als Zugabe Bachs Air in D-Dur BWV 1068.

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