09.02.2018 - 09:52 Uhr

"Bahö"-Album von Folkshilfe erschienen Revolution mit der Quetsch'n

Der Titel des zweiten Folkshilfe-Albums - "BAHÖ" - lässt den Außenstehenden zunächst ratlos zurück. Doch wenn man ihn erklärt bekommt, sagt er so ziemlich alles aus über das Linzer Trio und seine Musik.

von Autor MFGProfil

Das ist ein österreichisches Dialektwort, das für "Krawall" und "Aufruhr" steht", definiert Folkshilfe-Quetsch'n-Spieler Florian Ritt. "Außerdem halten wir es für eine Super-Lautmalerei. Der Begriff hört sich lässig an, er nimmt wenig Raum ein. Den darf unser Publikum dann gerne selbst mit eigenen Assoziationen füllen." Die "Quetsch'n" - auch wieder so ein Schnurre-Begriff, mit der ein Mensch jenseits des Weißwurst-Äquators nichts anfangen kann. Deshalb an dieser Stelle zur Wissenserweiterung: Dahinter verbirgt sich ein Akkordeon oder eine Ziehharmonika. Jedenfalls ein Instrument, das in der bayerischen und österreichischen Volksmusik unverzichtbar ist.

Aus dem Punk

"Dabei spielen wir nur bedingt folkloristisches", sagt Ritt, wie seine beiden Mitstreiter Ende 20. "Stattdessen kommen wir aus dem Punk, aus der Polka, wir fühlen uns den Balkan Beats stark verbunden. Zudem machen wir seit Jahren überzeugt Straßenmusik in vielen Teilen Europas, sind demnach von den Reaktionen des Publikums, von der Magie des Augenblicks abhängig. Diesen spontanen Moment versuchen wir in unsere Lieder einfließen zu lassen."

Folkshilfe sehen sich in der Tradition etwa von Attwenger oder Hubert von Goisern, jenen fruchtbaren und äußerst erfolgreichen Kamikaze-Erneuerern von etwas verstaubt anmutender Austria-Folkloristik. "Um es auf den Punkt zu bringen: Uns geht es um Genre-übergreifenden Sound", ist Ritt überzeugt. "Das erkennt man schon daran, dass in mein Instrument ein Synthesizer eingebaut ist, was für ein volleres Klangbild sorgt. Ich sende beim Spielen Signale an einen analogen Synthi, dadurch werde ich zum Bassisten, Keyboarder und Akkordeonisten in Personalunion. Ohne diesen speziellen Trick hätten wir als Trio nicht eine so satte akustische Erscheinung."

Das hört sich alles sehr professionell an. Ist es auch, denn sowohl Florian Ritt als auch Gitarrist Paul Slaviczek und Schlagzeuger Gabriel Haider - das Trio teilt sich den Gesang brüderlich - sind studierte Musiker. Doch sie verstehen sich zur selben Zeit als Anarchos, denen es laut Ritt "wahnsinnigen Spaß bereitet, mit unseren Instrumenten "on the road" zu sein. Wir fanden 2011 zusammen, um die Leute aus ihrem oft banalen Alltag raus- und mit unseren Stücken mitzureißen. Die Menschen sollen Spaß haben, wenn sie uns hören. Sie sollen tanzen und blöd grinsen. Wir stehen für positive, lebensbejahende Energie. "Zwischen dem Debüt-Werk "Mit F" von 2015 und dem Nachfolger "BAHÖ" zwei Jahre später gibt es nach den Worten von Ritt "durchaus erhebliche Unterschiede. Was auch daran liegt, dass wir bei jeder Platte ans existenzielle unserer sehr eigenen Vision von Musik gehen. Die Songs mögen lässig daher kommen. Tatsächlich steckt viel Feinschliff dahinter. Vielleicht sind wir so was wie "Perfektionisten der Leichtigkeit". Im Studio geht viel Energie verloren, wenn wir mitten drin stecken im Produktions-Prozess. Aber das Tüfteln bereitet auch jede Menge Spaß!"

Breites Fan-Publikum

Obwohl die Klänge von Folkshilfe-Liedern bei erstem Hören durchaus sperrig daher kommen, hat sich der Dreier zumindest in seiner Heimat ein breites Fan-Publikum erobert. Beide bisher in den Handel gekommenen Alben stiegen in die Top 5 der hoch-offiziellen Hitparade ein. Dass Folkshilfe im österreichischen Mainstream angekommen sind, ohne sich künstlerisch dem Mainstream je untergeordnet zu haben, beweist alleine der Umstand, dass sie Ende 2014 zur Teilnahme an der vom ORF veranstalteten Vorauswahl des Austria-Beitrags zum "Eurovision Song Contest" eingeladen worden waren.

Der Dreier schaffte es in die Schlussrunde der letzten Sechs. Und belegte schließlich den für Newcomer stattlichen vierten Rang. "Beim ESC-Vorentscheid dabei gewesen zu sein, das war super-spannend", freut sich Florian Ritt bis heute. "Es war ein echtes Experiment für uns. Von einem Sieg hätten wie niemals auch nur zu träumen gewagt.

Dass wir allerdings mit "Nicht-Format-Sound" hoch in die Charts einsteigen, das hat natürlich eine ganz eigene Qualität, ist ungeheuer befriedigend. Dass man, ohne sich kreativ verbiegen zu müssen, offensichtlich eine Menge Menschen anspricht, die bereit sind, Geld für unsere Arbeit auszugeben, macht uns ungeheuer glücklich."

Logische Konsequenz aus dieser Erfolgsgeschichte, sagt Florian Ritt: "Wir können mittlerweile von unserem Schaffen leben. Und solange es geht, machen wir weiter, weil es nichts weniger als super ist, das geilste Gefühl, das ich kenne. Sollte es mal nicht mehr funktionieren, dann arbeiten wir halt wieder als "studierte Musikanten". Hauptsache Musik!"

Folkshilfe spielen am Donnerstag, 15. Februar (20 Uhr), in Regensburg (Heimat) und am Freitag, 23. Februar (20 Uhr), in Amberg (Kulturwerk).

___

Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/87290, www.nt-ticket.de und Abendkasse.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.