Bayerische Mythen: Stefan Kröll begeistert in der Kulturscheune Elbart
Vom "Deifi" heimgesucht

Bayerische Mythologie ist Stefan Krölls heimliches Steckenpferd. (Bild: dwi)

Freihung. Wie würde es aussehen, wenn Aberglaube heute noch fester Bestandteil der bayerischen Gesellschaft wäre? Stefan Kröll hat am Samstag in der Kulturscheune Elbart Antworten. Mit seinem neuen Programm "Gruam - Bayern von unten" versucht er dunkle Geheimnisse aufzudecken. Dabei schweift der Kabarettist gerne weit vom Thema ab.

Gute Beschwörungen

Die Drut, die überall zu Hause ist, sucht die Schlafenden heim und raubt ihnen den Atem. Die bekannteste Hexe Bayerns vergleicht Kröll mit einem paarungsbereiten Ehemann. Einen Tipp, um die stinkenden Wesen vor dem Eintreten abzuhalten, hat er auch parat: Einfach einen Drutenfuß, ergo ein Pentagramm, an den Eingang zeichnen. Was für viele ein Symbol des Teufels ist, sei für den Geheimbund der Freimaurer ein Zeichen der guten Beschwörung. Auch nimmt sich Kröll dem bayerischen Hiasl an und inszenierte einen unterbelichteten Polizisten, zitiert Schiller und hinterfragt die tatsächliche Reihenfolge der Hinrichtung des Wilderers und Räuberhauptmannes.

Was der sogenannte Club 27 mit bayerischen Sagen und Mythen zu tun hat, verschweigt der Kabarettist. Dennoch klimpert er die Melodie von "Riders on the Storm" am Klavier und singt beschwingt über die Vorlieben von Männern über 40. Vom siechenden Backstage-Bereich des Zirkus Krone gelangt der 47-Jährige zu den Aufzeichnungen der Landärzte des 19. Jahrhunderts. Früher habe man Bilder der Heiligen gegessen, um dem Tod zu entkommen - heute sei es auch mit der Apotheken-Umschau getan.

Allerdings kommt sein spontaner Gedanke des Wanderpfurzes weitaus besser beim Publikum an, als das einstudierte Programm über Helikoptermütter und deren Medizin. Seine Erzählungen über schwarze Hunde als Todesboten, Prokura-Hochzeiten und warum man heute lieber nicht ins Ofenrohr lachen sollte, um in München eine Wohnung zu ergattern, bringen ihm sämtliche Lacher.

Unterhaltender Lausbub

Aus der Reihe fällt sein zweites musikalische Stück - darauf sollte Kröll lieber verzichten. Das Lied über seine nicht begonnene Fußballkarriere, einem klebenden Duschvorhang und das Wiederholen des Namens "Günther Jauch" ergibt einfach keinen Sinn. Dennoch hat der Oberbayer zweifelsohne den Witz. Kröll wirkt wie ein jung gebliebener Lausbub, der im Deutsch-Referat über bayerische Mythen mit einer gutgemeinten Note vier belohnt werden würde. Der Grund: Thema-Verfehlung. Aber auch unvorhersehbaren Situationen, wie sein Mikrofon-Patzer in der Kulturscheune, überspielt Kröll gekonnt und verliert dabei nie seine Position, das Publikum zu unterhalten.
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