04.02.2018 - 20:00 Uhr

Beliebte Filmnacht im Ringtheater Die Leichtigkeit der Franzosen

Sich mit einer erfrischenden Leichtigkeit ernsthaften Themen zu widmen, zeichnet den französischen Film aus. Der Humor bleibt dabei keinesfalls auf der Strecke, weder bei der späten Mutterschaft noch beim Aufeinanderprallen von Kulturen und Welten in einem französischen Kaff.

Volles Haus im Ringtheater: Die französische Filmnacht kommt gut beim Publikum an - alle Jahre wieder.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Der Gatte ist ohne Job und hält nichts davon, künftig Laub von der Straße zu klauben oder einer anderen geregelten Arbeit nachzugehen, die Mutter benötigt eine gewisse Grundpflege und beginnt dement zu werden, der Sohn ist Koch auf einem U-Boot, die Tochter interessiert sich für Fußball, Freundinnen und Fortgehen, die Erziehung der Enkelin obliegt ihr: Mitten in diesem familiären Chaos stellt Nicole fest, dass sie wieder schwanger ist - immerhin mit 49!

Gegen die späte Mutterschaft hat jeder in der Familie so seine Einwände hat, selbstverständlich aus ureigenen Interessen. Den Film "Das unerwartete Glück der Familie Payan" sahen die Zuschauer in der französischen Originalfassung "Le Petit locataire" mit deutschen Untertiteln. Spritzig und witzig, pointenreich, vom Tragischen zum Komischen wechselnd und umgekehrt: eine sympathische, amüsante und menschliche Komödie, die durchaus den Zuschauer zum Taschentuch greifen und sich verstohlen eine Träne aus den Augen wischen lässt, wenn sich Nicole von ihrer verstorbenen Mutter, von allen liebevoll Mamilette genannt, verabschiedet.

Marly-Gomont darf man getrost als Kaff bezeichnen. So trostlos, dass kein frischgebackener Mediziner dort seinen Dienst als Landarzt antreten muss. Doch Seyolo Zantoko, ein Schwarzafrikaner aus dem Kongo, ist fest entschlossen, es zu wagen. Mit Ehefrau, Sohn und Tochter zieht er nach Nordfrankreich - um in einem Kaff, dessen Bürger noch nie einen Farbigen gesehen haben, zu arbeiten. Die Einwohner von Marly-Gomont stehen den Neuankömmlingen unverhohlen feindselig gegenüber, so sehr sich Seyolo auch müht, dass ihn die Dorfbewohner akzeptieren. Doch die ziehen es vor, lieber zum Arzt in die nächste Stadt zu fahren. Und doch will Seyolo einer von ihnen sein, er spielt mit ihnen Dart, trinkt mit ihnen in der Dorfkneipe, verbietet seiner unter Alltagsrassismus leidenden Familie daheim die Muttersprache zu sprechen - in seine Praxis kommt trotzdem keiner. Als er resigniert aufgeben will, wendet sich das Blatt in dem Film, der auf einer wahren Geschichte basiert.

Zwei engagierte Vereine, zwei gut ausgewählte Filme, die Kinoatmosphäre: All das trug dazu bei, dass die neunte französische Filmnacht ein kurzweiliger Abend mit hohem Wohlfühlfaktor war.

"Gemeinsames Baby"

Anne-Marie Brey, Präsidentin des Freundeskreises Périgueux, und Eugen Burger, stellvertretender Vorsitzender des Kulturvereins Amberg, freuten sich über den ausgezeichneten Besuch der französischen Filmnacht am Freitagabend im Ringtheater. "Unser gemeinsames Baby ist schon ganz schön groß geworden", stellte Anne-Marie Brey angesichts der Tatsache fest, dass beide Vereine nunmehr zum neunten Mal diese Veranstaltung gemeinsam ausrichteten.

Brey und Burger dankten auch den zahlreichen Helfern, die sich im Hintergrund teilweise schon seit der ersten französischen Filmnacht für die Veranstaltung engagieren. Sie waren es auch, die die Zuschauer in der Pause mit kleinen französischen Köstlichkeiten versorgten, Quiche Lorraine oder Salade niçoise sowie Mousse au chocolat als süßer Abschluss machten Appetit auf mehr Frankreich - auf den zweiten Film. Im nächsten Jahr wird es zum zehnten Mal die französische Filmnacht geben. "Da werden wir uns was Besonderes einfallen lassen", kündigte Brey am Freitagabend an. (san)

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