Buchvorstellung Verlag Friedrich Pustet
Vielfältige Facetten des Klosterlebens

Das Buch "Oberpfälzer Klosterlandschaft - Die Klöster, Stifte und Kollegien der Oberen Pfalz" wurde am Freitag in Anwesenheit der Autoren und Ehrengäste im Stadttheater Amberg vorgestellt. Bild: Hartl
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
12.12.2016
146
0

Der Verlag Friedrich Pustet stellt in Amberg einen prächtigen Band über das Wirken der Orden in sieben Jahrhunderten vor. Der Ort ist klug gewählt.

Einen besseren Platz als das Stadttheater konnten der Bezirk Oberpfalz und der Verlag Friedrich Pustet nicht finden, um ein neues Buch vorzustellen, das wie kaum ein anderes das Leben und die kulturelle Leistung von 30 Klöstern in der Oberpfalz in einem prächtigen Band zusammenfasst. Denn das schöne Haus am Schrannenplatz in der ehemaligen Hauptstadt des Bezirks war selbst einmal ein Kloster, erbaut und bewohnt von den Franziskanern, die auch an anderen Plätzen in der Region ihre segensreiche Tätigkeit als Reform-Orden entfalteten.

Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl hat mit Manfred Knedlik die umfangreichen Recherchen geleitet. Er ist mit Knedlik Herausgeber des Bandes, der in einer neuen Reihe "Beiträge zur Geschichte und Kultur der Oberpfalz" die Nummer 2 trägt. Band 1 befasst sich mit den Trachten der Region. Eine ganze Reihe von Ehrengästen, unter ihnen die Autoren des neuen Buches, schmückte den feierlichen Rahmen unter dem Kreuzgewölbe des Stadttheaters. Bezirkstagspräsident Franz Löffler gab den Klöstern den ihnen gebührenden Platz in der historischen Oberpfalz: "Bis heute", so betonte er, "bilden Klöster den spirituell-religiösen, baulichen, kulturellen, wirtschaftlichen und touristischen Mittelpunkt einzelner Gegenden in der Region." Dem entsprechend, ist der Bezirk mit dabei, wenn es gilt, Klostergebäude zu erhalten und neu mit Leben zu erfüllen. Dies gelte auch für Anlagen, die inzwischen staatlich, kommunal oder privat genutzt würden. Das neue Buch will dem Leser vor Augen führen, was die Oberpfalz im Bereich seiner klösterlichen Geschichte und Kultur zu bieten hat.

Geschichte der Klöster

Dr, Tobias Appl fasste zusammen, was der druckfrische Band zu bieten hat. Zahlen, Zusammenhänge, Entwicklungen in einem häufig komplizierten politischen Umfeld zum Beispiel. Erst an der Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert ließen sich die Benediktiner in Weißenohe, Kastl, Reichenbach, Ensdorf und Michelfeld nieder. Nur wenige Jahre später gründeten Zisterzienser in Waldassen und Walderbach Zisterzen, Prämonstratenser ließen sich in Speinshart nieder. Klostergründungen waren, so betont Appl, immer mit infrastrukturellen Aufgaben verbunden wie Rodung und Erschließung, Bildung, Wirtschaftsförderung oder Grenz- und Herrschaftssicherung.

Im 13. Jahrhundert erfassten die Bettelorden die Oberpfalz, nicht die Städte, sondern das flache Land, so in Schönthal, Engelthal und Schwarzhofen. Hundert Jahre später gründete der aus Schweden stammende Birgittenorden eine Niederlassung in Gnadenberg.

Zum anderen Glauben

Klosterleben war immer auch mit Unwägbarkeiten verbunden, auch mit politischen. So blieb den Orden in dieser Region die Auflösung zwei Mal nicht erspart: Im 16. Jahrhundert, als die Pfälzer Kurfürsten, die bis in den 30jährigen Krieg hinein die Oberpfalz von Heidelberg aus regierten, sich der Lehre Luthers zuwandten, dann auch noch einen weiteren Schritt zum Calvinismus machten. Die Klöster wurden aufgelöst, die Bewohner mussten einen anderen Glauben annehmen. So war das damals eben.

Der neue bayerische katholische Landesherr siedelte zur Rekatholisierung der Bevölkerung im 17. und 18. Jahrhundert solche Orden an, die auf dem Gebiet der Rückführung in den katholischen Glauben Erfahrung hatten: Jesuiten, Franziskaner, auch Paulaner und Salesianerinnen, die sich der Erziehung der weiblichen Jugend annahmen. Diese Orden wählten Amberg als Standort und haben bis heute dort deutliche Spuren hinterlassen.

Das alles zusammengefasst in 29 Beiträgen, die da und dort spezielle Aspekte wie das Bibliothekswesen betonen.

Gegliedert ist das Buch in drei Kapitel: das erste befasst sich mit der Gründung der alten Prälatenorden (Benediktiner, Zisterzienser und Prämonstratenser). Im zweiten wird das Wirken der Bettelorden beschrieben, zum Beispiel die Dominikanerinnen in Schwarzhofen und Engelthal, die Augustiner-Eremiten in Schönthal und die Franziskaner in Amberg sowie auf dem Möninger Berg.

Das dritte Kapitel beschreibt das Leben und Wirken der Reform-Orden. Für sie hatte die damaligen Hauptstadt Amberg eine besondere Bedeutung: Die Jesuiten mit ihrem Kolleg in der Stadt, die Franziskaner in der Stadt und auf dem Mariahilfberg, ferner die Paulaner und die Salesianerinnen. Die Franziskaner waren über Amberg hinaus tätig auch in Kemnath, Neunburg vorm Wald und in Pfreimd, der früheren Hauptstadt der Landgrafschaft Leuchtenberg.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.