"Capsule" im Luftmuseum
Die Vergänglichkeit des Gänseblümchens

Die japanischen Künstler Rie Hosokai und Takashi Kawada zeigen unter dem Titel "Capsule" im Luftmuseum Kunstwerke aus Luftballons. Bild: Minakawa

Vergänglichkeit und Unbeständigkeit, das sind Eigenschaften, die unser irdisches Dasein prägen. Gerade aber weil alles endlich ist, wird die Kategorie der Zeit so unendlich wichtig für uns Menschen. Denn lebten wir unbegrenzt, wir bräuchten keine Uhr und jede Mahnung zu Pünktlichkeit liefe angesichts dieser Fülle vollends ins Leere.

Aus dem Bewusstsein der Endlichkeit erst erwächst das Bedürfnis, etwas zu hinterlassen, was unser irdisches Dasein überdauert. Ohne Tod, keine Kunst. An diesem Schnittpunkt, an dem sich Ästhetik und Existenzphilosophie kreuzen, setzen die beiden japanischen Künstler Rie Hosokai und Takashi Kawada an und suchen in ihrer Ausstellung im Luftmuseum nach gegenständlichen Ausdrucksformen. Und was ist der Gegenstand der Kunst eines Duos, das sich "Daisy Balloon" nennt? Es werden wohl Gänseblümchen sein, und auch Luftballons.

Luftballons als Kapseln

Die dienen als Kapseln (deshalb der Ausstellungstitel "Capsule"), als kleine abschließbare Behälter. Rie Hosokai, die weibliche Hälfte des Künstlerduos, ist eigentlich ausgebildete Floristin. Und als solche versteht sie sich darauf, aus Kleinteiligem großflächige Muster zu gestalten. Und so, wie keine Blume ewig blüht, bleibt auch kein Luftballon ein Leben lang prall. Wenn Rie also heute mit ihren Luftkapseln arbeitet, dann ist der Akt des Verwelkens vergleichbar damit, dass irgendwann, wenn die Luft raus ist, die bunte Hülle erschlafft und schrumpelig wird. In Amberg hat sie gemeinsam mit ihrer Assistentin Mina Nakai vier Tage lang an "Capsule " gearbeitet, einer aus einer großen Zahl weißer Ballons bestehenden Skulptur, die sie eigens fürs Luftmuseum entworfen hat.

Die Besucher haben nunmehr Gelegenheit, zuzusehen, wie der Zahn der Zeit daran nagt und wie er der geheimnisvollen Gummipflanze die Lebensgeister entzieht. Warum sie dann solche Mühen investiert, in etwas so Flüchtiges, Vergängliches? Weil sie sich von der Unbeständigkeit anregen lässt! So ergibt sich für sie die perfekte Symbiose aus Ballons und Blumen. Neben den eigentlichen Objekten sind im Luftmuseum auch Fotos und Videos zu sehen, Versuche, auf mediale Weise die Flüchtigkeit zu konservieren.

Filigran und sensibel

Takashi Kawada, der männliche Part, ist Grafikdesigner. Seit 2008 arbeiten die beiden zusammen. Die Rollen sind dabei klar verteilt: Er hat eine Vision, sie verwandelt seine Vorstellungen in Realität. Hohen Stellenwert genießt dabei die atmosphärische Gestaltung jedes neuen Objekts an jedem neuen Standort. Denn Ballons sind filigran und sensibel und verändern sich schon beim kleinsten Temperaturunterschied. So lässt sich auch die fertige Arbeit in der kleinsten Veränderung der Umgebung neu wahrnehmen.

Um es durch die Blume zu sagen: Die Atmosphäre des Raumes beeinflusst ganz direkt, ob ein Ballonkunstwerk aufblüht oder nicht. Das Luftmuseum hat sich bislang als ideales Biotop für diese Gänseblümchenkapseln erwiesen.

Die AusstellungCapsule - Daisy Balloon ist noch bis 22. Januar im Luftmuseum Amberg, Eichenforstgässchen 12, zu sehen.

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Weitere Informationen:

www.luftmuseum.de oder www.daisyballoon.com
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