19.03.2018 - 17:00 Uhr

Carmen meets Gloria im Musikomm Bis auf Hüftschwung perfekt

Muy caliente! Warm, heiß, sehr heiß! Das ist "Carmen meets Gloria". Das Quartett feiert seine Premiere im Musikomm mit einem temperamentvollem Rezept: Kubanische Takte verpackt in amerikanischen Pop mit einer Prise Soul für das Herz - mal feurig, mal mild.

"Carmen meets Gloria" auf der Musikomm-Bühne: Wolfram Glaser am Schlagzeug, Bassist Stephan Nachreiner, Sängerin Carmen Strobel und Pianist Toby Mayerl bilden ein stimmiges Quartett. Bild: Dagmar Williamson
von Dagmar WilliamsonProfil

Es ist eine Hommage an die amerikanische Sängerin Gloria Estefan und ein Rückblick auf die 80er-Jahre mit allzu vertrauten Klängen. Carmen Strobel überrascht genauso am Saxofon wie gesanglich mit einer weichen und simultan ausdrucksstarken Stimme. Dabei strahlt die Regensburger Künstlerin die gleiche Lebensfreude auf der Bühne aus wie die Sängerin der legendären Miami Sound Machine.

In Strobels Repertoire befinden sich nicht nur einstige Radio-Dauerschleifen wie "Dr. Beat", "Bad Boy" oder "Get on your feet". Strobel investierte ebenso viel Zeit in das Erlernen der spanischen Texte, um ihrem Idol gerecht werden zu können. Etwas zu zurückhaltend war allerdings der Hüftschwung - es darf ruhig etwas mehr Pfeffer in ihr Salsa. Zwischendurch ergänzte Carmen Strobel das musikalische Programm mit Anekdoten von der Kindheit, dem glorreichen Aufstieg und der ruhigen Gegenwart der Estefan.

Die Umsetzung des Miami-Sounds ist ausnahmslos gelungen. Obwohl einige Werke umgeschrieben werden mussten, verliert die musikalische Darbietung durch die Reduktion der Instrumente weder an Klang noch Hingabe. Der Beweis ist das Liebeslied aus dem Jahr 1996 "I'm not giving you up", den Strobel nur in Begleitung des Bassisten vorträgt. Dabei wirkt Stephan Nachreiner zugleich cool und hingebungsvoll in die Musik versunken, während er das Griffbrett und die vier Stahlsaiten virtuos beherrscht. Nicht weniger beeindruckend ist das Piano-Solo von Toby Mayerl. Er hat als Geschäftsführer von TNT-Productions das Projekt unter seine Fittiche genommen und mit seinen Ideen "Carmen meets Gloria" nicht unerheblich geprägt.

Ohne Wolfram Glaser am Schlagzeug gibt es laut Mayerl auch keinen Rhythmus in diesem Projekt. Mit seiner Drums- und Percussions-Besetzung hat Mayerl direkt in das Latino-Herz getroffen. Gutes Timing, ein konstanter Fluss und songdienliches Spielen sind Wolfram Glaser als Attribute zuzuschreiben. Taktlosigkeit braucht sich das Quartett nicht nachsagen lassen; zumindest blieben nur wenige Gäste im Musikomm im bestuhlten Saal sitzen. Der Rest ließ sich von der Leidenschaft der vier Musiker mitreißen. Die Besucher nutzte den freien Raum, um nach Herzenslust Salsa zu tanzen. Wie es bei Gloria Estefan auch der Fall wäre.

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