04.03.2013 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Christiane Karg und Gerold Huber faszinieren im Amberger Stadttheater mit ihrem Abend zu ... Loblied auf die Kunst des Kunstlieds

Christiane Karg (Sopran) und Gerold Huber (Klavier) bestritten in Amberg einen beeindruckenden Liederabend zum Thema Frauenfiguren. Bild: Hartl
von Stefan Zaruba Kontakt Profil

Das reizvolle, herausfordernde, wenngleich sperrig formulierte Motto des Liederabends lautete: "Femmes - Frauenfiguren". Frauengestalten im Spannungsfeld zum Mann und zur Welt. Die Sopranistin Christiane Karg und der Pianist Gerold Huber hatten es für ihren Auftritt im Amberger Stadttheater klug und kompetent vorbereitet: Frauenbilder aus der Antike, aus Mythen und Sagen, gespiegelt von Komponisten mit romantischem Ansatz.

Treffliche Beschreibung

Wir hörten von Liebesfreud' und Liebesleid der Spröden und Schönen, der Sittsamen und Koketten, der Angebeteten und Verzweifelten, der glücklich und unglücklich Liebenden, der Verführenden und Verführten - trefflich beschrieben in der Konzerteinführung von Silke Schäfer. Man hätte statt der Exkursion in die französische Musik die Komponierenden (Fanny Mendelssohn-Hensel) und Konzertierenden (Clara Schumann), die Verhexenden (Loreley), die Herrschenden oder die Kämpfenden (Walküren) anfügen können, um das Frauenbild des 19. Jahrhunderts abzurunden.
Schubert wie Wolf, Brahms wie Strauss, Saint-Saëns wie Reynaldo Hahn und Henri Duparc fühlten sich musikalisch herausgefordert, ihre Sicht auf die Literatur zum Beispiel von Goethe oder Shakespeare darzustellen. Besonders interessant war die Gegenüberstellung gleicher Texte in der Vertonung zweier Komponisten: die Ophelia-Lieder WoO 22 von Brahms (1873) mit op. 67 von Richard Strauss (1918). Erstere nüchtern, klassizistisch mit überraschend sparsamem Klaviersatz. Letztere psychologisierend, emotional aufgeladen, dramatisch, der Klaviersatz wie destillierte Orchestersubstanz. Brahms fehlte eben doch die Opernerfahrung seines Münchener Kollegen ("Rosenkavalier", "Salome").

Auch die Realisation dieses hörenswerten Liederabends war bei Karg und Huber in besten Händen. Gerold Huber bediente die Klaviertasten wieder einmal mit seismographischer Sensibilität. Er lieferte nicht nur die harmonische Basis für die Lieder, sondern dechiffrierte die Noten als Psychogramme des gesungenen Geschehens. Hubers Himmelfahrt in den Olymp der Liedbegleiter scheint unaufhaltsam.

Wandlungsfähige Stimme

Die erst 32-jährige Christiane Karg stammt aus Feuchtwangen, die Köstlichkeiten aus der Konditorei ihrer Eltern sind eine Reise wert. Karg hat unter anderem bei Heiner Hopfner studiert, der 1962 am Max-Reger-Gymnasium das Abitur erwarb. Man hörte der überaus wandlungsfähigen Stimme an, dass Karg sich intensiv mit vielen Musikstilen und -sparten, natürlich auch mit dem Operngesang, beschäftigt hat.

Im intimen Stadttheater stellte sie die Pianoschattierungen in den Vordergrund, faszinierte mit intellektueller Analyse der Lieder und beschwörender Suggestionskraft, mit Natürlichkeit und lockerer Eloquenz. Manchmal gewann die geschliffene Klangkultur die Oberhand über die Wortverständlichkeit. Man darf gespannt sein auf die weitere Entwicklung dieser talentierten Sängerin.

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