13.04.2018 - 15:20 Uhr
Oberpfalz

Christof Weiß und das Iris-Trio flechten Fäden zwischen Mozart und Weiß, Schumann und Kurtág. Freunde im Gespräch

Sie haben es in sich, die 20.30 Uhr-Studiokonzerte im Bühnenraum des Stadttheaters. "Hommage und Inspiration" hatten sich Komponist Christof Weiß und das Iris-Trio auf die Fahnen geschrieben. Inspiriert, verändert, hoffentlich beglückt von neuen Erfahrungen kann das Publikum kurz vor 23 Uhr den Heimweg antreten.

Begeisterten Applaus gibt es für das Iris-Trio & Christof Weiß im Bühnenraum des Amberger Stadttheaters. Bild: Foto: Wolfgang Steinbacher
von Peter K. DonhauserProfil

Kulturpreisträger Weiß (geb. 1986, seines Zeichens Komponist und Physiker) absolvierte seine schulische Ausbildung am Max-Reger-Gymnasium, das Studium in Würzburg. Er präsentiert ein außerordentlich klug und lehrreich zusammengestelltes Programm. Zusammenhänge der vier Kompositionen macht Weiß locker, mit klaren Worten und klärenden Hörbeispielen verständlich. Inspirationsquelle ist übergreifend die seltene Besetzung des Kegelstatt-Trios Es-Dur KV 498 von Mozart: Klarinette, Bratsche und Klavier. Das Trio von Weiß bezieht sich direkt darauf, er hat es 2014 als ehrenvolles Auftragswerk für das Mozartfest Würzburg geschrieben.?

Schumanns Märchen

Die Besetzung hatte schon 1853 Robert Schumann zu seinen viersätzigen "Märchenerzählungen" op. 132 angeregt, diese reflektiert wiederum György Kurtág 2003 in seiner "Hommage á R. Sch." Kenntnisreich erläutert Weiß Schumanns "Alter Egos", den in sich gekehrten Eusebius, den extrovertierten Florestan, den kapriziösen Kapellmeister Kreisler, da erleben wir eine konzertante Musikstunde, ein von musikpädagogischer Sendung inspiriertes Konzert. Das Springen zwischen den vielen kurzen Stücken legt den Anspruch freilich hoch, bevor Kurtágs Opus als Ganzes mit seiner an den Tod gemahnenden Schluss-Passacaglia ein nachdenkliches Zeichen setzt.

Hommage an Amadeus

Einen Glücksfall speziell für dieses Konzert bildet das Iris-Trio. Christine Carter (farbfroher Klarinettenton), Molly Carr (erdig-warme Viola) und Anna Petrova (spielfreudig am Klavier) haben ihre künstlerische Zusammenarbeit in New York während des Studiums an der Juilliard und der Manhattan-School-of-Music begonnen. Ihr Zusammenspiel ist schlichtweg fabelhaft, perfekt ausbalanciert, bewundernswert in seiner rhythmischen Sicherheit und Virtuosität. Bei Mozart beleuchten sie die Rhetorik, die Sprachgesten und schlagen so den Bogen zu dem Trio von Christof Weiß, dem "Gespräch unter Freunden".

Freunde mit durchaus unterschiedlichen Meinungen die immer mehr zu ihrer Individualität finden, die Meinung des Anderen gelten lassen, dabei aber jegliche unversöhnliche Zwietracht außen vor halten. Eine positiv inspirierende Botschaft in unserer Zeit! Beachtlich die kompositorische Textur: Verwobenheit im kleinen Detail, großräumig-klare Architektur, bestechende emotionale Ausdrucksbreite und nicht zu vergessen der feinsinnige Bezug zu Mozarts Trio, der sich nie in billigen Melodiezitaten erschöpft. Ein toller, bestens besuchter Abend im passgenauen Format, begeisterter Applaus.

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