Cyprus-Trio bekennt sich in Amberg zu Europa und spielt Beethoven, Mendelssohn und Babadjanian
Die jungen Drei von der Insel

Mit dem Cyprus-Trio (von links: Wolfgang Schröder/Violine, Naoko Kariya/Piano und Peter Gospodinov/Violoncello) gastierte ein junges Ensemble am Stadttheater Amberg, das unter anderem mit dem "Echo Klassik"-Preis ausgezeichnet wurde. Bild: Petra Hartl
Die Länder Armenien, Bulgarien, Deutschland, Großbritannien, Österreich, Zypern und Japan hatten eine leicht zu erratende Beziehung zum Konzert des Cyprus-Trios, das am Samstagabend im Stadttheater über die Bühne ging. Das Klaviertrio musiziert seit 2010 zusammen.

Für ein Kammermusikensemble ist dies eine relativ kurze Halbwertszeit, wie man mit einfacher Arithmetik vergleichend nachrechnen und mit wachen Ohren hören konnte. Wolfgang Schröder (Violine), Peter Gospodinov (Violoncello) und Naoko Kariya (Klavier) hatten natürlich Wiener Klassik im Gepäck: Beethovens Trio Es-Dur op. 1/1 von 1793, mit dem er seine Opus-Zählung begann. Der 23-Jährige kleidete es ins Klanggewand eines Joseph Haydn, doch lauerte darin schon der neue revolutionäre Zeitgeist.

Gefällige Interpretation

Die drei Musiker wollten diesen Aspekt offenbar wenig beleuchten: Harmlos und immerhin gefällig geriet ihre Interpretation, ohne viel Aufhebens von den einkomponierten "Störfällen" zu machen. Dem im Klangschatten des Steinway-Flügels agierenden Violoncello fehlte es - anders als der Violine - an klarer und differenzierter Artikulation. Das Klavier wirkte manchmal zu autonom-solistisch, einige "Störfälle" (falsche Töne) blieben nicht aus. Die Melodiephrasen hatten nicht immer nachvollziehbare Ziele und Höhepunkte. Da besteht noch Bedarf an Feinschliff und Erfahrung.
Arno Babadjanians Musik sucht man vergebens im Kanon des geläufigen Musikrepertoires. Der im legendären armenischen Eriwan geborene Komponist (1921 - 1983) erhielt seine Ausbildung in der politischen und kulturellen "Sandbox" Sowjetunion. Das 1952 komponierte Klaviertrio verrät dies: In den beiden ersten Sätzen herrscht spätromantische Tonalität des 19. Jahrhunderts wie bei Rachmaninow. Man möchte meinen, es hätte seither keine Oktoberrevolution, keine Weltkriege, keinen Schönberg, Strawinsky oder Schostakowitsch gegeben. Der dritte Satz im 5/8-Takt ist der spannendste, dort überzeugten die folkloristischen Anklänge am meisten.

Ungeübte Umblätterin

Ein "Klassiker" ist Mendelssohns c-Moll-Trio op. 66 von 1845. Sein furioser, schwärmerischer Impetus schien den Musikern näher zu liegen. Leider klingt ein Steinway statt eines Hammerklaviers schnell etwas massig-lärmend statt sprudelig-perlend. Doch verfügt Naoko Kariya jedenfalls über flinke Finger und ließ sich auch nicht durch die ungeübte Umblätterin aus dem Fahrwasser bringen.

Die spukhafte Atmosphäre des Scherzo im Stile des "Sommernachtstraums" würde allerdings erst mit einer knackig-knisternden Sautillé-Bogentechnik so richtig wirken. Zur geruhsamen Nacht aus der Welt der Salonmusik von Edward Elgar der Liebesgruß op. 12, etwas eilig und mit zuckersüßem Violinton kredenzt.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.