21.12.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Das Trio Lirico und Detlev Eisinger präsentieren Reger Oberpfälzer Komponist im Wechselbad der Gefühle

Von Peter K. Donhauser

Trio Lirico: Sie spielen mit nur drei Instrumenten einen klangfarbenreichen, emotionalen Reger
von Peter K. DonhauserProfil

Weiden. Das Reger-Jahr 2016 ist zwar verflossen, doch gibt es noch immer einige delikate "Spätlesen" einzufahren wie das Debut-Album des Trio Lirico "Max Reger, Streichtrios, Klavierquartett op. 133." (Audite) mit den beiden Streichtrios und dem Klavierquartett. Das Ensemble hat erst 2014 das Licht der Welt erblickt, Franziska Pietsch (Violine), Sophia Reuter (Viola) und Johannes Krebs (Violoncello) atmen Berliner Luft. Für das Opus 133 steht ihnen Detlev Eisinger (Klavier) zur Seite.

Opulente Präsenz

Vier Tage hat man sich mit Chef und Tonmeister Ludger Böckenhoff vom Label "Audite" in die Jesus-Christus-Kirche in Berlin/Dahlem einquartiert, ein Raum mit beträchtlichem Nachhall, der besonders dem Klavierquartett eine opulente, geradezu orchestrale Wirkung verleiht. Um Hall-Nebel zu vermeiden, sind die Mikrofone nahe an die Streicher gerückt, der Klang ist ausgesprochen direkt, als säße man geradezu in Griffweite der Musiker. Jeder Bogenansatz, jede der reichhaltigen Klangfarben ist glasklar zu hören. Der wunderbar weich singende Bösendorfer-Flügel tritt auf Abstand hinter die Streicher, er erschlägt sie nie.

Wechselbad der Gefühle

Das Streichtrio op. 77b aus dem Jahr 1904 hat Reger in Bewunderung der Klarheit von Mozarts Musik geschrieben, er spielt kunstvoll mit allen Registern der drei Stimmen, nur selten verlangt er Doppelgriffe. Die Musiker spielen die schnellen Sätze mit musikantisch-packendem Zugriff, mit blitzschnellen Wechseln zwischen furioser Leidenschaft und resignativer Melancholie. Blitzsauber ausintonierte Akkorde sind wie selbstverständlich, ebenso ein beachtlich reifes, feinsinnig-sensibles Zusammenspiel. Highlights sind das volksliedhafte, mit delikatem Witz musizierte Scherzo und der raffinierte, zunächst fast naiv auftretende Schlusssatz.

Auch dem 2. Trio op. 141b von 1915, geschrieben im "freien jenaischen Stil" kommt das technisch überlegene und doch immer emotionale Spiel der Drei sehr zugute. Bezaubernd ausschattiert der Variationensatz, feurig und mit individuell solistischem Ansatz die großartige Fuge.Bei Opus 133 (entstanden 1914 beim Kuraufenthalt in Meran) hören wir einen zwischen Streichern und Klavier fein austarierten Klang, das Largo wirklich mit "gran espressione". Eine Delikatesse ist das duftige Scherzo mit dem 55-taktigen rhythmisierten Es-Orgelpunkt der Viola im Mittelteil, dazu der Kanon von Violine und Cello. Die Tracks sind auch im Download, sogar in Surround verfügbar. Ein reger Reger-Genuss!

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.