27.10.2012 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Der Fotokünstler Alois Achatz zeigt im Stadtmuseum Amberg historisch anmutende Naturbilder ... Langsamer, tiefer, näher - mit altem Handwerk

Künstler Alois Achatz vor zwei seiner Bilder, die wie Relikte aus alter fotografischer Zeit wirken. Bild: Peter Geiger
von Peter GeigerProfil

Die Geschichte der Fotografie ist auch eine Geschichte des Versprechens, dass alles einfacher wird: Schon vor über 100 Jahren wurde Hobbyfotografen versichert, es bedürfe lediglich eines Knopfdrucks - den ganzen mühseligen Rest erledige dann Kodak. Agfa schob vor fast 40 Jahren das lautmalerische "Ritsch - Ratsch - Klick!" hinterher - und der Hersteller Canon wirbt heutzutage mit einem schlichten, vielleicht aber auch schon bald wieder vergilbten, "You can".

Handwerk im Vordergrund

Man sieht: Alle streben nach Überwindung der Erdenschwere in der Technik. Wirklich alle? Der 1964 in Kaikenried im Landkreis Regen geborene Alois Achatz verhält sich zu dieser Position des "Schneller, höher, weiter" wie ein Fotonegativ. Der Pragmatismus des technischen Fortschritts birgt für ihn nichts Verlockendes. Ihn, den gelernten Holzbildhauer, interessiert vielmehr das fotografische Handwerk, er sieht seine Herausforderung in der Beherrschung alter Techniken.

Weshalb bei der Einführung durch Dr. Maria Baumann von den Regensburger Diözesanmuseen auch wenig geläufige Begriffe fallen. Wörter wie Kaltnadeltechnik, Heliogravüre, Lichtbildhauerei oder Tiefdrucktechnik. Die Materialien, mit denen Alois Achatz arbeitet, sind allesamt schon vom Markt verschwunden oder nur noch in Restbeständen vorhanden. Sein erstes Fotopapier hat er einst bei den Nachlassverwaltern der Firma Hanfstaengl in München erworben - und das war zu Beginn der 90er Jahre.
Heute, eine digitale Revolution später, hortet er in seinem Atelier in Eitlbrunn bei Regensburg seinen Schatz, Pigmentpapier und Kupferplatten, der es ihm gewährleistet, auch in den kommenden Jahren noch seine aufwendige Kunst zu betreiben. "Die Gelatine", sagt Achatz, "die ist sehr temperaturabhängig. Es darf nicht über 23 Grad warm sein, sonst wird's nichts." Ob er deshalb vor allem winterliche Landschaften fotografiert? "Nein!", sagt der eher introvertierte Mann. Aber an der Vitalität seiner Augen sieht man, dass er das flapsige Journalistengerede gerne ironisch retournieren würde.

Erst die Feststellung, dass die sepiafarbenen Landschaften fast so wirken, als seien sie in der Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs aufgenommen worden, scheint ihn wirklich zu reizen. Er lacht kurz und bestätigt, dass er während seines Aufenthalts im Virginia Center for the Creative Arts in Amherst tatsächlich Gelegenheit hatte, nicht nur das Schlachtfeld der Belagerung von Petersburg zu besuchen, sondern in der Library of Congress in Washington eine große Zahl an Fotos im Original zu sichten. Seine Bäume, seine Scheunen, seine Hochsitze aber, sie alle stehen hier bei uns in Ostbayern. Das "Querfeld" liegt vor seiner und unserer Haustür.

Trend zum Retro-Kult

Alois Achatz' Fotokunst hat etwas vom Reliquien- und Retro-Kult, der seit einigen Jahren auch in der Pop- und Rockmusik zum Trend wurde: Künstler wie Tom Petty, John Cougar Mellencamp oder die Black Crowes besorgen sich eine Gibson ES-335 Sunburst von 1964 oder einen Fender Jazz-Bass von 1965, gehen in eine Scheune bei Woodstock oder ins Sun Studio in Memphis und nehmen dort mit Hilfe eines Ampex-601-Tonbandgeräts von 1955 auf.

Bedienungsfreundlichkeit, das Pragmatische allein, das taugt nicht für Kunst: Alois Achatz freilich bedient mit seiner Rückwärtsgewandtheit weder Zeitgeist, Trends noch Moden. Die Qualität seiner Bilder spricht für sich. Langsamer. Tiefer. Näher.

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"Alois Achatz: Fotografische Arbeiten", bis 25. November in der Stadtgalerie Alte Feuerwache in Amberg. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11 bis 16 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 17 Uhr.

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