03.05.2018 - 08:23 Uhr
Oberpfalz

Die Kino-Neustarts im Überblick Ein Kriminalfall und viele Zipfelmützen

Um das Interesse der Kinobesucher zu wecken, gilt es immer ausgefallenere Ideen für Filme zu entwickeln. Davon gibt es diese Woche einige. Etwa wenn "Sherlock Gnomes" seine Ermittlungen bei Gartenzwergen aufnimmt. Oder wenn sich in "HERRliche Zeiten" Arbeitnehmer als Sklaven einstellen lassen. 

Sherlock Gnomes, Watson, Gnomeo und Juliet im neuen Animationsfilm.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Die Filmstarts

„Sherlock Gnomes“: Es ist schon eine Weile her, dass die beiden Gartenzwerge Gnomeo und Julia in einem gelungenen Animationsabenteuer trotz aller Familienfehden zueinander gefunden haben. Nun ist die Liebe etwas verblasst, doch es lockt ein neues Abenteuer, das sie nur gemeinsam bestehen können. „Sherlock Gnomes“ heißt der Nachfolgefilm des Shakespearschen Debüts – und dem Titel entsprechend geht es diesmal um einen Kriminalfall. Erzbösewicht Moriarty, ein Kuchenhersteller-Maskottchen, will alle Gartenzwerge Londons vernichten – und damit auch Gnomeo und Julia samt Familien. Die Hoffnungen der Gartenzwerge ruhen auf Meisterdetektiv Sherlock Gnomes und Assistent Watson, selbst Gartenzwerg-ähnliche Deko-Figuren.
(Regie: John Stevenson – mit en deutschen Stimmen von David Nathan, Johannes Raspe, Maren Rainer – 86 Minuten – ohne Altersbeschränkung) (dpa)

„7 Tage in Entebbe“: Sommer 1976: Palästinensische und deutsche Terroristen entführen einen Air-France-Flug und halten die Welt tagelang in Atem. Entebbe in Uganda wird schließlich Schauplatz der Geiselbefreiung durch israelische Spezialkräfte und brennt sich ins kollektive Gedächtnis ein, noch ehe im Jahr darauf die Entführung der Lufthansa-Maschine Landshut Deutschland und die Welt schockiert. „7 Tage in Entebbe“ mit Daniel Brühl und Rosamund Pike erzählt den dramatischen Verlauf der Entführung, die fieberhafte Suche des Krisenstabs in Israel nach Lösungen und das Ende in Uganda, dessen diktatorischer Herrscher Idi Amin als pro-palästinensisch galt.
(Regie: José Padilha – Mit Daniel Brühl und Rosamund Pike – 107 Minuten – FSK o.A.) (dpa)

„HERRliche Zeiten“: Eine normale Haushaltshilfe? Langweilig findet Claus Müller-Todt. In Rotweinlaune annonciert er stattdessen auf erotik-haushaltshilfen.de: „Sklave/in gesucht“. Der Erfolg ist durchschlagend. Von all den Bewerbern mit Lack, Leder und Hundeleine bleibt am Ende Bartos übrig. Unterwürfig, eifrig und auf den zweiten Blick ein bisschen unheimlich. Auf Probe eingestellt, bereitet er Claus und dessen Frau Evi das Paradies auf Erden mit Gourmet-Essen und Luxus-Verwöhnprogramm. Er sorgt sogar dafür, dass Evi endlich einen Pool im Garten bekommt. Eines Tages tauchen lauter abgerissene Männer auf und graben ein tiefes Loch. Doch das Ehepaar fühlt sich immer unbehaglicher, auch weil Bartos sie unnachgiebig in die Rolle der Herren und Sklaventreiber drängt. Als sich Claus und Evi dagegen wehren wollen, nimmt die Geschichte eine dramatische Wende. Oskar Roehler hat seine bissige Gesellschaftssatire „HERRliche Zeiten“ prominent besetzt mit Katja Riemann als wehleidiger Evi, Oliver Masucci als aufbrausendem Schönheitschirurgen sowie Samuel Finzi in der Rolle des undurchsichtigen Bartos.
(Regie: Oskar Roehler – Mit Katja Riemann, Oliver Masucci und Samuel Finzi 110 Minuten – frei ab 12 Jahren) (dpa)

„No Way Out – Gegen die Flammen“: Eigentlich wollten sie einen Waldbrand löschen, doch 19 Feuerwehrmänner kamen bei dem Einsatz in Arizona ums Leben: Mit „No Way Out – Gegegn die Flammen“ bringt Hollywood das tragische Schicksal der US-Spezieleinheit „Granite Mountain Hotshot Crew“ auf die große Leinwand. Im Mittelpunkt der Verfilmung steht der einzige Überlebende der Feuersbrunst: Brendan McDonough (Miles Teller). Er hatte sich im Sommer 2013 von seinem Team entfernt, um die Flammen von der Ferne zu beobachten. Im Gegensatz dazu holt Regisseur Joseph Kosinski mit eindrucksvollen Bildern und jeder Menge menschlicher Details die Zuschauer nah an das Geschehen.
(Regie: Regisseur Joseph Kosinski – Mit Josh Brolin, Miles Teller, Jennifer Connelly und Andie MacDowell – 134 Minuten – frei ab 12 Jahren) (dpa)

„Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?“: Die kleine Jo (Annalee Ranft), droht nach ihrem Kater auch noch, ihre Familie zu verlieren. Einen Vater gab es in ihrem Leben nie, ihre Mutter Alex (Meret Becker) vernachlässigt sie infolge einer schweren Midlife-Crisis und ihre Großeltern Charlotte (Corinna Harfouch) und Paul (Karl Kranzkowski) drohen, sich völlig zu entfremden und reden kaum noch ein Wort miteinander. Als die angespannte Familiensituation eskaliert, beschließen Jo und Charlotte gemeinsam wegzufahren. Dafür lässt Charlotte einfach ihren Ehemann an
der nächsten Tankstelle stehen und Jo schleicht sich unbemerkt aus dem Zimmer. Gemeinsam geht es an die Nordsee. Ihnen auf den Fersen sind indes Alex und Paul, die sich gemeinsam mit der charismatischen Truckerin Marion (Sabine Timotheo) ebenfalls auf den Weg in Richtung Küste begeben.
(Mit: Corinna Harfouch, Meret Becker, Karl Kranzkowski und Bruno Cathomas – 90 Minuten – FSK o.A.)

„Eleanor & Colette“: Das biografische Drama erzählt auf Basis einer wahren Begebenheit die Geschichte von zwei Frauen, die sich in den 80er Jahren in den USA gegen die Zwangsbehandlung von Patienten mit Medikamenten einsetzen und nebenbei zu Freundinnen werden. Helena Bonham Carter („Sweeney Todd“) als paranoide, schizophrene Eleanor Riese und Oscar-Gewinnerin Hilary Swank („Million Dollar Baby“) als ihre Anwältin Colette Hughes spielen die Hauptrollen in der deutsch-belgischen Produktion, die zum Teil in Köln gedreht wurde. In einer Nebenrolle ist Jeffrey Tambor als Anwalt Mort Cohen zu sehen. Regie führte der dänische Filmemacher Bille August („Les Misérables“).
(Regie: Bille August – Mit Helena Bonham Carter, Hilary Swank und Jeffrey Tambor – 115 Minuten – FSK o.A.) (dpa)

„Gutland“: Im Dorf gibt es Kühe, Dirndl und Blasmusik – das trifft zumindest auf den luxemburgischen Schauplatz von „Gutland“ zu, dem Spielfilmdebüt von Filmemacher Govinda Van Maele (34). Doch in den Güllegruben und Maisfeldern des Ortes verbirgt sich ein finsteres Geheimnis - in das ein flüchtiger Spielcasino-Räuber hineingesogen wird. Frederick Lau („Victoria“) spielt dabei wunderbar stirnrunzelnd den Neuankömmling in der abgeschotteten Dorfwelt. Vicky Krieps («Der seidene Faden») gibt eindrucksvoll das frohsinnige Mädel vom Land. Was als Drama beginnt, entwickelt sich zu einem Thriller, der ins Fantastische und Surrealistische abgleitet.
(Regie: Govinda van Maele – Mit Frederick Lau und Vicky Krieps – 107 Minuten – FSK o.A.) (dpa)

„Familiye“: Rund um die Lynarstraße im Berliner Bezirk Spandau herrscht ein eher rauer Umgangston. Zwischen Spielhallen und Wettbüros leben die drei Brüder Danyal, Miko und Muhammed. Danyal (Kubilay Sarikaya) wurde gerade aus der Haft entlassen und will seinen beiden jüngeren Brüdern von nun an ein Vorbild sein. Miko (Arnel Taci) versucht mit Hilfe seines Sozialarbeiters, nicht komplett in die Spielsucht abzudriften und sich um den dritten Bruder Muhammed (Muhammed Kirtan) zu kümmern, der das Down-Syndrom hat. Familiye ist eine Milieustudie, teils Drama, teils Krimi. Der Film handelt von familiärem Zusammenhalt - mit ziemlich viel Spannung: Plötzlich werden Mikos Spielschulden fällig und Muhammed droht, in ein Heim gesteckt zu werden. Die Brüder müssen handeln. Der Film wurde von Moritz Bleibtreu mitproduziert.
(Regie: Kubilay Sarikaya & Sedat Kirtan – Mit Kubilay Sarikaya, Arnel Taci, Muhammed Kirtan und Violetta Schurawlow – 92 Minuten – frei ab 16 Jahren) (dpa)

„Die Sanfte“: Die britische Zeitung „The Guardian“ nannte diesen Film „packend und faszinierend“. In dem 143-Minüter geht es um eine Frau, die allein lebt am Rande einer russischen Stadt, die sich durchschlägt als Nachtwächterin. Eines Tages kommt eines der Päckchen zu ihr zurück, die sie regelmäßig zu ihrem Mann ins Gefängnis schickt. Da sie nicht herausfinden kann, warum das Paket zu ihr zurückgekehrt ist, macht sich Alyonka, so der Name der Frau, auf den langen Weg nach Sibirien. Dorthin, wo ihr Mann seine Strafe verbüßt. Ihre Weltpremiere feierte die französisch-deutsch-litauisch-niederländische Produktion 2017 im Wettbewerb der 70. Filmfestspiele von Cannes.
(Regie: Sergei Loznitsa – Mit Vasilina Makovtseva, Marina Kleshcheva und Lia
Akhedzhakova – 143 Minuten – frei ab 12 Jahren) (dpa)

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