11.10.2017 - 14:29 Uhr
Oberpfalz

Die Kino-Neustarts im Überblick Siebenfache Noomi Rapace

Was Noomi Rapace als Schauspielerin drauf hat, zeigte sie schon als Lisbeth Salander in der "Millennium"-Trilogie. Nun stellt sie unter Beweis, dass sie auch sieben (!) Rollen auf einmal meistern kann. 

von Christopher Dotzler Kontakt Profil

In "What Happened To Monday?" mimt sie jede der Settman-Schwestern, die in einer dystopischen Welt wegen einer Ein-Kind-Politik nicht gemeinsam außer Haus dürfen. Jeden Tag darf nur eine das Versteck verlassen. Herausgekommen ist ein spannender Action-Kracher. Viel leiser und dialogreicher kommt hingegen der neue Film von Michael Haneke daher. In "Happy End" spielt unter anderem Isabelle Huppert mit. 

Die Filmstarts

„What Happened To Monday?“: Mehrfachrollen für einen einzigen Schauspieler haben zu einigen fragwürdigen Filmen geführt – man danke nur an Eddie Murphy („Norbit“). Die schwedische Schauspielerin Noomi Rapace (37, „Millennium“-Trilogie, „Prometheus – Dunkle Zeichen“) spielt im Science-Fiction-Actionfilm „What Happened To Monday?“ nun sieben Rollen, macht ihre Sache aber gut. Die sieben Settman-Schwestern (Rapace) schlagen sich im Jahr 2073 durch eine grimmige Zukunftswelt, die an Überbevölkerung leidet. Es gilt eine rigorose Ein-Kind-Politik, Geschwister werden vom Staat aus den Familien geholt. Siebenlinge wie Settmans sind daher so etwas wie Verbrecher – und werden gejagt. Der Film von Tommy Wirkola („Hänsel und Gretel: Hexenjäger“) kombiniert Spurenelemente eines sozialen Kommentars mit schießwütiger Action. In den Nebenrollen sind Alt-Stars zu sehen: Glenn Close (70, „Gefährliche Liebschaften“) und Willem Dafoe (62, „Mississippi Burning“).
(Regie: Tommy Wirkola – Mit Noomi Rapace, Glenn Close und Willem Dafoe – 124 Minuten – frei ab 16 Jahren)

„Happy End“: Alles deutet in diesem Film darauf hin, dass die Tage der Unternehmerfamilie Laurent gezählt sind: Verzweiflung, Suizidversuche, Unfälle. Nur die großbürgerliche Fassade scheint die französische Familie noch zusammenzuhalten. Michael Haneke, der zu den wichtigsten Autorenfilmern Europas zählt, inszeniert auch diesmal sein eigenes Drehbuch. „Happy End“ ist der zwölfte Kinospielfilm des Österreichers und gebürtigen Münchners. Seinen Film, Haneke zeigte ihn der Öffentlichkeit erstmals in Cannes, hat der 75-Jährige prominent besetzt: Die Französin Isabelle Huppert ist dabei, genauso wie ihr Landsmann Jean-Louis Trintignant. Und auch der Deutsche Franz Rogowski („Victoria“).
(Regie: Michael Haneke – Mit Isabelle Huppert, Toby Jones, Franz Rogowski – 110 Minuten – frei ab 12 Jahren)

„American Assassin“: Der Film ist ein eindrucksvoller Action-Thriller der etwas anderen Art. Mit Dylan O'Brien („Maze Runner“) übernimmt ein eher unbekanntes Nachwuchstalent die Rolle des Action-Helden, der als CIA-Agent gegen den internationalen Terror kämpft. Sein Motiv: Rache. Denn seine Verlobte wurde von Islamisten erschossen. Angeleitet wird der junge Hitzkopf von CIA-Legende Stan Hurley, gespielt von Oscar-Preisträger Michael Keaton. Regisseur Michael Cuesta («Homeland») inszeniert seinen Film auf Basis der gleichnamigen Agentenromane des amerikanischen Schriftstellers Vince Flynn und überzeugt mit einer realistischen Darstellung des Terrors.
(Regie: Michael Cuesta – Mit Dylan O'Brien, Michael Keaton, Sanaa Lathan und Shiva Negar – 112 Minuten – frei ab 18 Jahren)

„Wenn Gott schläft“: Weil er in seiner Musik Islamkritik übt, bekommt Shahin Najafi seit Jahren Todesdrohungen. Iranische Geistliche haben zu seiner Ermordung aufgerufen. Für die Dokumentation „Wenn Gott schläft“ hat der Regisseur Till Schauder den Musiker jahrelang begleitet. Najafi lebt seit 2005 unter falschem Namen und unbekannter Adresse in Deutschland. Meist verlässt er nur für Konzerte oder Bandproben seine Wohnung. Schauders Aufnahmen geben Einblick in das Leben eines Menschen, der täglich mit seinem Tod rechnen muss.
(Regie: Till Schauder – Mit Shahin Najafi, Leili Bazargan und Shariyar Ahadi – 88 Minuten – ab 6 Jahren)

„Schumanns Bargespräche“: Von München um die Welt: In „Schumanns Bargespräche“ von Marieke Schroeder besucht der berühmte Barbesitzer Charles Schumann Kollegen rund um den Erdball. In Paris, New York, Havana oder Tokio, überall trifft der 75-jährige seine Kollegen. Die mixen ihre Lieblingscocktails, verraten kleine Berufsgeheimnisse und plaudern über das richtige Mischungsverhältnis oder das Leben am Tresen. Dabei wird klar, dass Einfühlungsvermögen und Gefühl für die Stimmung der Gäste oft wichtiger sind, als das korrekte Abmessen der Zutaten. Und dass wirklich gute Barkeeper mit den Besuchern der Bar zwar ins Gespräch kommen, aber dennoch immer eine gewisse Distanz wahren, so wie Schumann, der sich in dem anderthalbstündigen Film als zurückhaltender, aber angenehmer Gesprächspartner erweist.
(Regie: Marieke Schroeder, mit Charles Schumann, Maxim Biller und Eckart Witzigmann – 103 Minuten – frei ab 6 Jahren)

„Die Einsiedler“: Das Drama erzählt von dem erwachsenen Albert (Andreas Lust, „Die Räuber“). Seine Eltern leben ein entbehrungsreiches Leben auf einem ärmlichen Bauernhof in den Bergen. Er selber arbeitet mittlerweile im Tal, fühlt sich dort aber oft einsam. Dann muss sich Andreas entscheiden, wo und wie er leben möchte: auf dem elterlichen Hof mit vielen Unsicherheiten oder mit einem vermeintlich geregelteren Arbeitsalltag im Tal? Das Drama ist das Spielfilmdebüt von Regisseur Ronny Trocker, der selbst auch in Südtirol aufwuchs. Beim Filmfestival Venedig feierte „Die Einsiedler“ im vorigen Jahr in der Nebenreihe Orizzonti seine Premiere.
(Regie: Ronny Trocker – Mit Ingrid Burkhard, Andreas Lust, Orsolya Tóth – 115 Minuten – frei ab 12 Jahren)

„Vorwärts immer!“: Es ist der 9. Oktober 1989 in Ost-Berlin: Der Schauspieler Otto Wolf steckt in den Proben für ein Theaterstück, bei dem er Erich Honecker verkörpert. Dann erfährt er durch Zufall, dass die für den Abend geplante Leipziger Demonstration niedergeschossen werden soll. Da seine schwangere Tochter Anne aber genau dorthin fährt, muss sich Otto etwas einfallen lassen. Was wäre, wenn er sich als falscher Honecker ausgibt und die Lage in Leipzig entspannt? In den Hauptrollen sind Jörg Schüttauf, Josefine Preuß und Devid Striesow zu sehen.
(Regie: Franziska Meletzky – Mit Jörg Schüttauf, Josefine Preuß und Devid Striesow – 98 Minuten – frei ab 12 Jahren)

„Captain Underpants“: „Ein neuer Superheld in Unterhose“ – mit diesen Worten wird hierzulande ein Film beworben, der in seinem Ursprungsland, den Vereinigten Staaten, nicht nur auf Platz zwei der Kinocharts startete, sondern auch recht schnell seine Produktionskosten einspielte. Zwei freche Jungs stehen im Mittelpunkt eines bunten Animationswerks, das in 3D in die Kinos kommt: George und Harold. Die beiden Spaßköpfe verfallen auf eine wundersame Idee: Wie wäre es, wenn man den ungeliebten Schuldirektor einfach per Hypnose in einen so naiven wie völlig überdrehten Superhelden namens „Captain Underpants“ verwandeln würde? Angetan ist dieser neue Held mit nicht mehr als übergroßen Unterhosen und einem roten Umhang.
(Regie: David Soren – 88 Minuten – ohne Altersbeschränkung)

„The Wailing“: Ein kleines Dorf in Südkorea wird in diesem Thriller zum Schauplatz grausamer Morde. Was die Gewaltausbrüche zwischen Nachbarn des Dorfes motiviert, ist jedoch zunächst völlig unklar. Ein Dorfpolizist indes macht sich an die Aufklärung der Vorkommnisse, zunächst ohne Erfolg. Hat der japanische, im Wald lebende Einsiedler etwas mit den Morden zu tun? Regisseur Hong-jin Na hat vor fünf Jahren „The Yellow Sea“ in die Kinos gebracht; sein Spielfilm-Debüt „The Chaser“ wurde bereits 2008 realisiert. „The Wailing“ nun ist erst der dritte abendfüllende Film des Südkoreaners. Der Zweieinhalbstünder wurde im vergangenen Jahr außer Konkurrenz bei den Filmfestspielen im französischen Cannes präsentiert.
(Regie: Hong-jin Na – Mit Kwak Do-won, Hwang Jung-min und Chun Woo-hee – 156 Minuten – frei ab 16 Jahren) 

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