24.01.2018 - 15:12 Uhr

Die Kino-Neustarts im Überblick „Wunder“ und Kampf um Gerechtigkeit

Julia Roberts und Frances McDormand spielen jeweils eine liebende Mutter. Allerdings auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Roberts kümmert sich in „Wunder“ um ihren Sohn, der von einem Gendefekt und zahlreichen Operationen im Gesicht gezeichnet ist. McDormand hingegen kämpft in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ für Gerechtigkeit, nachdem sie ihre Tochter nach einem grausamen Verbrechen verloren hat. 

von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Die Filmstarts

„Wunder“: August Pullmann hat einen Gendefekt und ist entstellt: Sein Gesicht wirkt wie eine Fratze, nach vielen Operationen haben ihn seine Eltern auch aus Angst vor Hänseleien nie auf eine Schule geschickt, sondern zuhause unterrichtet. Als er in die fünfte Klasse kommt, ändert sich das und der witzige und kluge Junge kommt auf die Beecher Prep School. Dort muss er es schaffen, dass die anderen Kinder den Menschen hinter der Fratze sehen. Die Verfilmung eines Bestseller-Jugendromans mit Julia Roberts, Owen Wilson und Jacob Tremblay („Raum“) in der Hauptrolle ist warmherzig und an der Grenze zum Kitsch, wurde aber in den USA dank guter Kritiken und Mundpropaganda zum Überraschungshit.
(Regie: Stephen Chbosky – Mit Jacob Tremblay, Julia Roberts, Owen Wilson, Mandy Patinkin – 114 Minuten – ohne Altersbeschränkung) (dpa)

„Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“: Wie geht man als Mutter zum einen damit um, die eigene Tochter durch ein äußerst grausames Verbrechen verloren zu haben? Und zum anderen mit der Tatsache, dass die ermittelnde Polizei bisher mit keinerlei Ergebnissen den Mord betreffend hat aufwarten können? Die von Frances McDormand in diesem Film verkörperte Hauptdarstellerin Mildred Hayes jedenfalls kommt auf eine recht plakative Idee: Auf drei alten Werbetafeln klagt sie den örtlichen Polizeiboss mit ziemlich deutlichen Worten an. Das unter der Regie von Martin McDonagh entstandene, fast 120 Minuten zählende Drama wartet auch mit Schauspielern wie Sam Rockwell oder Woody Harrelson auf. Vier Golden Globes gab es für die Tragikomödie schon, Anfang März könnte es auch bei den Oscars Preise geben.
(Regie: Martin McDonagh – Mit Frances McDormand, Woody Harrelson, Sam Rockwell – 116 Minuten – frei ab 12 Jahren) (dpa)

„Nur Gott kann mich richten“: Moritz Bleibtreu hat schon viele Rollen als fieser oder tumber Typ aus dem Kiez gespielt. Nun verkörpert er einen Gangster im kriminellen Migrantenmilieu Frankfurts, der zwar das Richtige im Leben anstrebt, aber die falschen Mittel dafür wählt. Frisch aus dem Knast will er mit seinem Bruder (Edin Hasanovic) ein letztes großes Ding drehen, um genügend Geld für den Aufbau einer bürgerlichen Existenz zu bekommen. Der Plan geht schief und alle Beteiligten geraten in einen Strudel aus Brutalität, Betrug und Erbarmungslosigkeit. Regisseur und Drehbuchautor Özgür Yildirim erzählt in „Nur Gott kann mich richten“ vom harten Alltag des Untergrunds, in der Sprache und mit der Musik der Szene.
(Regie: Özgür Yildirim - Mit Moritz Bleibtreu, Birgit Minichmayr, Kida Khodr
Ramadan, Edin Hasanovic, Peter Simonischek – 100 Minuten – frei ab 16 Jahren) (dpa)

„Beach Rats“: Tagsüber hängt der 19-jährige Frankie (Harris Dickinson) am Strand von Coney Island am Rande New Yorks ab und tut ähnlich machohaft wie seine Kumpels. Nachts sucht er im Internet den Kontakt zu schwulen Männern. „Beach Rats“ ist dennoch kein klassischer Coming-out-Film, bei dem die Zuschauer den Protagonisten bei seinem homosexuellen Erwachen begleiten. Es ist ein zarter Film
übers Erwachsenwerden unter schwierigen Bedingungen. Arbeitslosigkeit und Jugendkriminalität spielen dabei ebenso eine Rolle wie der Krebstod von Frankies Vater. «Beach Rats» beeindruckt mit düsteren und zugleich sinnlich-verträumten Bildern. Beim Filmfest Hamburg gab es dafür den NDR-Nachwuchspreis.
(Regie: Eliza Hittman – Mit Harris Dickinson und Madeline Weinstein – 95 Minuten – frei ab 16 Jahren) (dpa)

„On the Beach at Night Alone“: Bei der Berlinale des Jahres 2017 wurde die Südkoreanerin Kim Min-hee für ihre darstellerische Leistung in diesem Drama mit einem Silbernen Bären bedacht. Die von Kim Min-hee hier verkörperte Schauspielerin Young-hee hat gerade eine Affäre mit einem verheirateten Mann hinter sich. Nun befindet sie sich in Hamburg, wo sie über ihre Lebensumstände nachdenken kann. In der Hansestadt an der Elbe unternimmt die junge Frau Spaziergänge mit einer Freundin. Und sie fragt sich, ob der Geliebte wohl noch etwas für sie empfindet. Verantwortlich für die südkoreanische Produktion zeichnet Regisseur Hong Sang-soo (Regiedebüt: „Der Tag, an dem ein Schwein in den Brunnen fiel“).
(Regie: Hong Sang-soo – Mit Kim Min-hee, Jung Jae-young und Kwon Haehyo – 101 Minuten – ohne Altersbeschränkung) (dpa)

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