Die Orchestermesse in der Martinskirche
Familientreffen am Altar

Kirchenmusiker Bernhard Müllers vor dem Hochaltar in der Basilika St. Martin. Hier leitet er am ersten Weihnachtsfeiertag ein 120-köpfiges Ensemble. Bild: upl
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
23.12.2016
342
0
 
So sieht es aus, wenn die Orchestermesse erklingt. Die Aufnahme ist an Weihnachten 2015 entstanden. Bild: Steinbacher

Ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk gibt es für die Amberger am Sonntagvormittag. Das Ensemble, das die Orchestermesse in der Martinskirche gestaltet, besteht aus 120 Sängern und Instrumentalisten. Sie treffen sich in dieser Zusammensetzung nur einmal im Jahr und proben erst zwei Stunden vor dem Gottesdienst.

Vielleicht dudelt "Driving home for Christmas" im Radio, wenn sich Iris Kotzian und Stephan Beierl am ersten Weihnachtsfeiertag frühmorgens auf den Weg nach Amberg machen. Die beiden Gesangssolisten aus Augsburg haben enge familiäre Verbindungen in die Stadt, sind mittlerweile verheiratet und bringen Josef, ihren eineinhalbjährigen Sohn, mit. Um 8 Uhr müssen sie in der Basilika St. Martin sein - zum Einsingen und -spielen für die Orchestermesse. Es ist die einzige Probe für die 120 Sänger und Instrumentalisten. Der Gottesdienst beginnt um 9.30 Uhr.

Kein Konzert

Um die Weihnachtsmesse besonders feierlich zu gestalten, mobilisiert Kirchenmusiker Bernhard Müllers seit Jahren alle, die in der klassischen Musik-Szene Ambergs Rang und Namen haben. "Es ist tatsächlich jedes Jahr wie ein Familientreffen", sagt er. Aus 45 Instrumentalisten - durchwegs Berufsmusiker oder Musikstudenten - formt Müllers kurz vor Beginn des Gottesdienstes ein komplettes Symphonieorchester. Stadtrat Franz Badura (Trompete) wird dabei sein, Kulturreferent Wolfgang Dersch (Posaune), die mehrfache Bundespreisträgerin bei "Jugend musiziert" Anna Godelmann (Violine) und auch der Leiter der Städtischen Sing- und Musikschule Sulzbach-Rosenberg, Steffen Weber (Flöte), - um nur einige zu nennen.

Heuer steht nach 16 Jahren wieder die Cäcilien-Messe des französischen Komponisten Charles Gounod auf dem Programm. "Sie gehört zu den schönsten romantischen Mess-Kompositionen der Musikgeschichte", schwärmt Müllers. "Normalerweise wird sie konzertant aufgeführt", sagt er und weist damit auf einen entscheidenden Unterschied zu der Darbietung in St. Martin hin. "Wir führen hier kein Konzert auf", betont er. "Wir sind Nebensache. Im Mittelpunkt steht die liturgische Feier."

Eine Mess-Komposition besteht immer aus einem fünfteiligen Ordinarium (lateinisch für "das regelmäßig Wiederkehrende"): Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei. Dazu kommen je nach Festlichkeit wechselnde Musikstücke, etwa zu Beginn des Gottesdienstes oder am Ende. Klar, dass der Chor an Weihnachten nach dem Schlusssegen "Stille Nacht" anstimmt. Damit auch diese variablen Teile der Messe wie aus einem Guss klingen, hat Müllers extra Eigenkompositionen angefertigt. So trägt die Instrumentalbegleitung für "Nun freut euch, ihr Christen", "Oh, du fröhliche" und "Stille Nacht" die Handschrift des Kirchenmusikers.

Und Josef hört zu

Seit nunmehr 26 Jahren ist Müllers für die Kirchenmusik der Stadtpfarrei St. Martin zuständig. "Eine ganz schön lange Zeit", blickt er zurück und erinnert sich an seinen ersten Einsatz. Es war die Frühmesse an Neujahr 1990. "Ganz schön hart nach der Silvesternacht", schmunzelt der Kapellmeister. Er ist zuversichtlich, dass am Sonntag wieder alles klappt. "Wir haben zwar nur eine kurze Anspielprobe, aber die Musiker haben so viel Erfahrung, dass das kein Problem sein wird." Auch Iris Kotzian (Sopran) und ihr Mann Stephan Beierl (Tenor) werden dann mit vor dem Altar stehen. Und irgendwo in der Kirche wird Josef, ihr kleiner Sohn, im Kinderwagen zuhören - oder vielleicht auch mitsingen, wer weiß?

Chor und SymphonieorchesterDas Ensemble, das am Sonntag um 9.30 Uhr den Gottesdienst in St. Martin gestaltet, besteht aus rund 120 Sängern und Instrumentalisten. Zu den 45 Musikern des Symphonieorchesters gesellen sich etwa 75 Sänger aus den Reihen des Kirchenchores und der "Martinsgänse". Die Chorproben für die Orchestermesse haben schon im Oktober begonnen. "Wir haben das immer wieder eingeflochten", erklärt Kirchenmusiker Bernhard Müllers. Vergangene Woche war eine Sonderprobe angesetzt. Auch dazu sind Leute gekommen, die Amberg ins Herz geschlossen haben. Zum Beispiel der ehemalige Korrespondent des Bayerischen Rundfunks, Martin Gruber. Er reist am Sonntag aus Passau an. (upl)


Wir führen hier kein Konzert auf. Wir sind Nebensache. Im Mittelpunkt steht die liturgische Feier.Kirchenmusiker Bernhard Müllers
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.