"Die Schöpfung" von Joseph Haydn: Berührendes Patroziniumskonzert in der Amberger Basilika St. ...
Am Anfang die Stille, am Ende ein Triumph

Chöre und Instrumentalisten beeindruckten mit der "Schöpfung" in St. Martin. Bild:Steinbacher
Mit einem wuchtigen Orchesterschlag beginnt Joseph Haydns großes Oratorium "Die Schöpfung". Einfühlsam vertonte der Komponist die Schilderung von Naturphänomenen, vom Werden und Entstehen. Am Sonntag brachten 160 Sängerinnen und Sänger das Werk in der voll besetzten Basilika zur glanzvollen Aufführung. Mit dabei: die Chöre der Basilika St. Martin, der Chor der DJD-Schulen Amberg (Einstudierung: Franz Hanauska), der Sängerbund Hlahol Prag (Einstudierung: Roman Z. Novák), der Chor Petershausen und das Orchester "Art-n" Prag unter der Leitung von Regionalkantor Bernhard Müllers.

Die drei Erzengel Gabriel (Iris Marie Kotzian, Sopran), Uriel (Juan Carlos Falcón, Tenor) und Raphael (Philipp Gaiser, Bass) erzählen die biblische Schöpfungsgeschichte, die auch Leo Ringer, ein elfjähriger Schüler vom Erasmus-Gymnasium in Amberg, als Sprecher eindringlich formuliert. Der große Chor greift die Stimmung auf, kommentiert und illustriert das Geschehen.

Die Sonne geht auf

Fast herrscht Stille am Beginn der Schöpfung, langsam und getragen deutet sich der erste Schritt an. Atemberaubend gerät gleich die "Vorstellung des Chaos" durch das Orchester, das mit professioneller Energie die anspruchsvolle Partitur meistert. Am vierten Schöpfungstag lässt Haydn die Sonne aufgehen. Leise kündigt sich mit Bläsern und Streichern der neue Tag an.

Stimmungsreich skizziert das Orchester Sonne und Mond, lautmalerisch-sensibel wird die Vielfalt der Schöpfungsgeschichte interpretiert, was auch und besonders dem einfühlsamen Dirigenten zu zuschreiben ist. Elastisch und elegant folgen die Musiker den Anweisungen des Maestro. Der hält sich mit großen theatralischen Gesten zurück, erteilt jedoch sehr präzise die Einsätze für Instrument und Stimme.

Atemberaubend, wie der große, "zusammengewürfelte" Chor sich durch Präzision und kontrastreiche Dynamik auszeichnet. Erstaunlich eindrucksvoll gelingt der Forte-Einsatz "Es ward Licht", packend das Crescendo in "Der Herr ist groß". Meist am Ende der jeweiligen Schöpfungstage steigt der hochmotivierte Chor mit mitreißenden Sätzen ein - etwa "Die Himmel erzählen die Ehre Gottes", "Stimmt an die Saiten, ergreift die Leier, lasst euren Lobgesang erschallen!" oder am Schluss "Singt dem Herren alle Stimmen!".

Alles gegeben, mit Erfolg

Bestechend die Solisten als Erzengel und später als Adam (Bass) und Eva (Sopran). Mühelos und sicher nimmt Sopranistin Iris Marie Kotzian hohe Koloraturen und technisch anspruchsvolle Stellen ("Nun beut die Flur"). Absolut Souverän tritt auch Tenor Juan Carlos Falcón auf. In den zarten Passagen ("Aus Rosenwolken bricht") stellt er sein Können besonders unter Beweis. Durch stimmlich-spielerische Gestaltung und Ausgewogenheit überzeugt Philipp Gaiser mit weich strömender Bassstimme.

Sie geben alles, die Solisten, die Chorsänger, die Orchestermusiker und der großartige musikalische Leiter Bernhard Müllers. Und sie gewinnen alles: den hohen Respekt, die grenzenlose Bewunderung und die tiefe Zuneigung eines hingerissenen Publikums, das sich mit stehenden Ovationen bedankt.
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