11.04.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Dr. Klaus Pünder sprach über Lebenskunst und Glück im Musikomm Amberg Goldene Regeln zum Glück

Geld oder Liebe? Das Glücksempfinden ist individuell und sogar genetisch relativ festgelegt. Dr. Klaus Pünder beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema und hat sein Wissen nun auch im Musikomm preisgegeben.

Kein Kind von Traurigkeit: Dr. Klaus Pünder referierte im Musikomm über das Glücklichsein. Bild: dwi
von Dagmar WilliamsonProfil

Man möchte meinen, er hat das Glück gepachtet. Aber ohne finanzielle Mittel - Geld macht bekanntlich nicht glücklich. Es gibt 2000 Bücher zum Thema. Zehn Prozent davon habe er gelesen. Irgendwo zwischen "das ist wissenschaftliche Glücksforschung" und "blanker ernst", grinste er neckisch. Ja, Klaus Pünder hat Humor. Erfrischend hielt der gebürtige Düsseldorfer seinen Vortrag über Lebenskunst und Glück im Musikomm. Aber: Hat er eine Ahnung, wovon er da spricht?

Immerhin wünscht sich jeder, glücklich zu sein, aber niemand hat bisher eine geeignete Blaupause gezeichnet. Das liege wohl daran, dass es mehr Untersuchungen über Depressionen gibt als über Glück. Zudem sei Glück individuell. Deutschland sei beim Glücklichsein ein Entwicklungsland. Auf der Skala hätten die Deutschen nur 6,6 Punkte und landeten auf Platz 16 des fünften "World Happiness Report". Man munkelt, Deutsche würden zu viel jammern. Norwegen ist auf Platz eins, dicht gefolgt von Dänemark.

"Versuchen Sie nie, persönlich auf zehn Punkte zu kommen. Das ist nicht machbar. Das wäre ein Dauer-Orgasmus und das wäre tödlich", warnte Pünder und fügte hinzu: "Glücksjäger werden unglücklich." Seit seiner Jugend sammelt der Referent Weisheiten aus aller Welt. Geplant hatte er es nicht, ein Buch zu schreiben. Seine Brüder rieten ihm sogar davon ab und behaupteten, dass niemand seine 112 Seiten "Glück - Annäherung an eine vielschichtige Sehnsucht" lesen würde. Er tat es dann doch. Oder vielleicht trotzdem. Zu seinem Glück.

Seit 1991 ist Pünder Leiter der Augenambulanz des Fachsanitäts-Zentrums der Bundeswehr in Amberg. Seine zweite Ehefrau, eine gebürtige Nürnbergerin, lernte er durch - wie er sagt - einer Ansammlung von glücklichen Zufällen in Münster kennen. Aber wo soll man Glück suchen? Der erste Schritt sei, herauszufinden, was man will. Das unerwartete Glück empfinde man viel intensiver als das gewünschte. Wer freue sich nicht über zehn Euro, die auf der Straße liegen? Glück könne aber auch geplant werden. Bei einem vollen Terminkalender neige der Mensch zu Stress - und gestresste Menschen seien selten glücklich.

Zur Wachsamkeit riet Pünder, damit man Fortuna am Schopf packen kann: "Gute Chancen winken einem nicht zu. Wir müssen sie erkennen." Auch das Unglück machte der 60-Jährige zum Thema. Schließlich werde das Gewohnte nicht mehr als Glück empfunden. Er differenzierte zwischen alltäglichem Ärger und Schicksalsschlägen. Bei letzteren riet er zur Trauer: "Tränen sind das Fruchtwasser der Seele." Großes Unglück müsse angenommen werden. Trauer sei gut, sonst verbittere der Mensch und bleibe so bis zum Tod. Wenn man als Freund agieren möchte, helfen Kalendersprüche aber nicht weiter: "Aber Sie können den Mantel der Geborgenheit umlegen und mitfühlen - nicht mitleiden."

Die wohl wichtigste Botschaft des Abends: Man muss sich selbst mögen, sonst kann man nicht glücklich sein. Er spreche da aus Erfahrung.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.