15.04.2018 - 15:48 Uhr
Oberpfalz

Dritte interkulturelle Filmnacht im Ringtheater Drama, Fingerfood, Komödie

Zwei Filme, die mit Integration zu tun haben, und in der Pause Häppchen aus aller Herren Länder: Das Konzept der interkulturellen Filmnacht geht am Samstagabend erneut auf. Vor allem aber ist das Ring-Theater auch ein Ort der Begegnung. 

Die Qual der Wahl haben die Zuschauer in der Pause: Wer all das internationale Fingerfood, für das diverse Restaurants gesorgt haben, probieren will, ist hinterher pappsatt. Das Konzept mit zwei Filmen, die sich mit Integration befassen, viel Raum für Gespräche mit Flüchtlingen und Migranten, die beim Bedienen in der Pause kräftig mit anpacken, kommt auch bei der dritten interkulturellen Filmnacht beim Publikum an. Bilder: Wolfgang Steinbacher (2)
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Bereits zum dritten Mal richtete der CJD-Jugendmigrationsdienst (Sulzbach-Rosenberg) mit Ring-Theater-Besitzer Andreas Wörz die interkulturelle Filmnacht aus. Beide Filme kamen beim Publikum sehr gut an. Ein feinfühliges und anrührendes Drama war "Monsieur Lazhar". Es handelt von einer kanadischen Schulklasse, deren beliebte Lehrerin Suizid begangen hat. Sie hängte sich im Klassenzimmer auf, zwei Schüler finden sie frühmorgens. Bachir Lazhar, ein Immigrant aus Algerien, übernimmt die Klasse.

So schwierig die Annäherung an die traumatisierten Kinder auch ist, so sehr schafft es Lazhar schließlich, ihr Vertrauen zu gewinnen. Seine eigene Situation ist alles andere als rosig, in Montreal ist er längst nicht angekommen. Die Behörden zweifeln an seiner Aussage, dass ihm in seiner Heimat, wo die Familie bei einem Anschlag ums Leben gekommen ist, Gefahr droht. Der Algerier muss mit einer Abschiebung rechnen.

Immer wieder bricht Lazhar das Tabu, mit den Schülern über den Tod zu reden, seine Unterrichtsmethoden sind unkonventionell, wenn er Schülern eine Fabel über Ungerechtigkeit schreiben lässt, selbst auch eine zu Papier bringt, die die Kinder dann korrigieren dürfen. Misstrauisch sind auch die Eltern, ein Ehepaar sagt ihm, er möge sich auf den Unterricht beschränken, "unsere Tochter erziehen wir schon allein".

Als die kanadischen Behörden ihm den Flüchtlingsstatus zuerkennen und die Angst der Abschiebung gebannt ist, wähnt man sich in Richtung eines Happy Ends. Lazhar scheint angekommen zu sein - in Kanada, aber auch in der Klasse. Doch schlussendlich kommt heraus, dass Bachir Lazhar in seiner Heimat nie unterrichtet, sondern in einem Restaurant gearbeitet hat. Er hat noch einen Wunsch: Er möchte sich von seinen Schülern verabschieden.

In der Pause boten viele fleißige Helfer des CJD-Jugendmigrationsdienstes, darunter auch etliche Flüchtlinge und Migranten, den Besuchern Häppchen an - das Angebot reichte von Pizza über Quiche bis hin zu Sushi und allerlei orientalischen Spezialitäten wie gefüllten Weinblättern sowie Pannacotta mit Kirschen, Mousse au Chocolat und zuckersüßem Gebäck aus Syrien als Dessert.

Viel zu lachen hatten die Zuschauer beim zweiten Film: "Ostfriesisch für Anfänger". Für Uwe Hinrichs (Dieter Hallervorden) ist seine Heimat nicht "Dütschland", sondern "Ostfreesland". Der Eigenbrötler spricht ausschließlich Plattdeutsch, die Tankstelle führt er, wie er will und sein zwangsversteigertes Haus will er nicht räumen. Doch da das Kaff, in dem er lebt, längst pleite ist, hat der Bürgermeister eine Idee, wie er Fördergelder abgreifen kann: mit einem Integrationskurs für ausländische Fachkräfte. Er verdonnert Hinrichs dazu, ihnen Deutschunterricht zu geben. Das tut er - allerdings lernen die Teilnehmer nix anderes als Platt.

CJD-Jugendmigrationsdienst und Andreas Wörz sind nicht abgeneigt, diese Veranstaltung wieder zu organisieren. Musik, viel Raum für Gespräche und die Einblicke in seine Arbeit, die der in Königstein ansässige Verein "Wir helfen" gab, trugen ebenfalls dazu bei, dass es wieder eine gelungene Filmnacht war.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp