Ein großer Wurf: Amberger Chorgemeinschaft begeistert mit Haydns "Vier Jahreszeiten" im ACC
Strahlener Klang bleibt bis zuletzt präsent

Mit der Aufführung von Haydns "Vier Jahreszeiten" ist der Amberger Chorgemeinschaft am Sonntagabend ein großer Wurf gelungen. Das Publikum feierte die außergewöhnliche Leistung im ACC mit minutenlangem Schlussapplaus und begeisterten Jubelrufen. Damit lieferte Maestro Dieter Müller wieder einmal ein einmaliges Meisterstück in seiner Dirigentenkarriere ab. Mit den beiden Chören, Amberger Chorgemeinschaft und Chor der Berufsfachschule für Musik des Bezirks Oberpfalz, mit dem Symphonieorchester Bohemia Prag und den Solisten Barbara Baier, André Khamasmie und Daniel Blumenschein gestaltete er einen unvergesslichen Konzertabend.

Wie immer, wenn er sich einem Konzert widmet, geht er auf Entdeckungsreise. Bei dieser Komposition, die oft als ein weniger bedeutendes Werk angesehen wird als die "Schöpfung", lotete er mit großem Geschick und Engagement, mit Präzision und Dramatik Stimmungen und Gefühle aus, dass der Saal bebte und die Wände wackelten.

Sensibel und sanft


Der Aufwand hat sich gelohnt. Das Konzert gelang glänzend. Alle Beteiligten lieferten Höchstleistungen: Voran die Chöre. Die jugendlichen Stimmen des Chores der Berufsfachschule und das Können der erfahrenen Sänger der Amberger Chorgemeinschaft führte Müller so homogen zusammen, dass der strahlende und runde Chorklang bis zuletzt präsent blieb. Ausdrucksstark, forsch und frech, dazu auch pathetisch, sensibel und sanft, so zeichneten die Sänger die unterschiedlichen Jahres- und Lebensabschnitte von Natur und Mensch.

Vom Werden bis zum Vergehen, vom Blühen bis zum Ernten gestaltete auch das Orchester die musikalischen Bilder höchst eindrucksvoll. Sensibel und technisch grandios ließen sie diese an instrumentalen Tonmalereien reiche Partitur erblühen, nicht kalt distanziert, sondern hoch engagiert und bunt.

Ganz entscheidend auch die hohe Kunst der Solisten. Bei Joseph Haydn verkörpern die drei Gesangssolisten einen Pächter Simon (Bass), dessen Tochter Hanne (Sopran) und einen jungen Bauern Lukas (Tenor). Barbara Baier gefiel ausgezeichnet mit ihrer hohen, strahlenden Leichtigkeit in der Stimme. Ein Plus für die Ausdrucks- und Erlebniswelt einer jungen Frau auf dem Land, wie man sie sich zur Haydn-Zeit vorstellt: naive Heiterkeit der Seele, Einfluss der Natur und gefühlvolle Interpretation!
Die Männerstimmen mit André Khamasmie (Tenor) und Daniel Blumenschein (Bass) lieferten mit hohem Können und feinem Kunstverständnis das feste Fundament für dieses ideenreiche Mammutwerk. Sie füllten ihre Rollen perfekt aus, sangen sehr verständlich und setzten immer wieder feine Glanzpunkte.

Spannende Illustration

So gekonnt wie Dieter Müller als Chorleiter mit seinen Leuten gearbeitet hat, und als Dirigent der Musik Haydns mit Tempo und Stil die passende Gestalt gab, so spannend war die optische Illustration. Auf großem Monitor zeigten Fotografien im Wechsel Sonnenaufgang und Winteridylle, Naturschönheit und Naturgewalt - alles meisterliche Aufnahmen, die der Siemens-Fotoclub aus Arbeiten seiner Mitglieder ausgewählt hat. So formte sich aus Ton und Bild ein stimmungsvolles, farbiges Gesamtkunstwerk.

Besonders bunt treibt es ja der Herbst. Hier trumpften Chor und Orchester richtig auf: mit der grandiosen Jagdszene bei "der gellenden Hörner Schall, der gierigen Hunde Gebell". Ebenso mitreißend der Jubel über die gelungene Weinlese "Juhhe, der Wein ist da, die Tonnen sind gefüllt". Ungebremst ließ Müller seine Sänger aus vollem Halse das "Juhhe, juhhe, juh" jubeln. Das war mutig, das war echt und ausgezeichnet.

Sie gaben alles, die Solisten, die Chorsänger und die Orchestermusiker! Und sie gewannen alles: den hohen Respekt, die grenzenlose Bewunderung und die tiefe Zuneigung eines hingerissenen Publikums.
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