"Einer musste es tun"
Ein-Personen-Stück "Judas" erzählt die Heilsgeschichte auf einfühlsame Weise aus Sicht des biblischen Anti-Helden

Schauspieler Christoph Auer als Judas: Langer Monolog der Neudeutung auf Einladung des Evangelischen Bildungswerks. Bild: Dobler

"Ich erzähle eine unbekannte Geschichte", hebt die Figur Judas aus dem gleichnamigen Ein-Personen-Stück der Dramatikerin Lot Vekemans an. Judas will nicht mehr der weltgeschichtliche Verräter sein, sondern ein normaler Mensch, den seine Zweifel zu einer Tat getrieben haben, deren Folgen er nicht mehr kontrollieren kann. Und er will seinen guten Namen zurück, der in vielen Ländern gesetzlich verboten ist.

Wahnidee Jesu

Verkörpert wird Judas im Paulaner-Gemeindehaus von dem unterfränkischen Schauspieler Christoph Auer. Der biblische Anti-Held will seine Sicht der Heilsgeschichte auf eine verletzliche, Verständnis heischende Weise, auf keinen Fall aggressiv oder besserwisserisch, anbringen. Judas ist überzeugt, dass der Mensch öfter aus Zweifel handelt als aus Glauben: "Glauben braucht keine Aktion, aber der Zweifel ist Ansporn zu Taten."

Denn Judas zweifelt, ja verzweifelt an seinem Freund und Meister Jesus. "Jeder Schritt in Richtung Jerusalem war für ihn ein Schritt in Richtung Tod", erinnert er sich und spricht von der "Wahnidee Jesu", die biblische Prophezeiung durch seinen Tod erfüllen zu müssen. "Das hat mich wütend gemacht; aber ich wollte nicht, dass er stirbt."

Judas' eigene Geschichte

Doch anstatt dass Jesus "die Römer mit seinem Wort niederschmettert", wird er getötet. Judas ist der verratene Verräter, der nichts ungeschehen machen kann, darüber zerbricht und sich umbringt. "Jesus ist nicht für eure Sünden gestorben, aber ich bin es", versichert er mit Blick auf die "Schuld all jener, die ihn nicht retten wollten oder retten konnten". Er habe es "zugelassen, dass alle Schuld von allen an mir kleben blieb".

So sei sein Name zum Fluch geworden, sagt Judas bitter. "Ich hätte diesen Namen gern wieder. Denn ich bin ein Mann mit einer eigenen Geschichte, der an etwas glaubte - und der zweifelte." Judas entlässt seine Zuhörer mit einer Denkanregung: "Wenn ich die Geschichte zurück drehen könnte und ich hätte meine Zweifel überwunden und wäre bei Jesus geblieben, dann hätte es kein letztes Abendmahl gegeben, keinen Kuss und kein Kreuz. Würden Sie das wollen? Oder würden Sie sagen, einer musste es tun?"
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