09.07.2017 - 10:24 Uhr
Oberpfalz

Experten diskutieren über Gefahr der Sozialen Medien Gefangen in der Filterblase

Einer der Lieblingsbegriffe des amerikanischen Präsidenten Donald Trump ist "Fake News", erfundene Nachrichten. Klar, ist doch ohnehin alles gelogen im Internet. Oder existiert doch noch ein Fünkchen Wahrheit im weltweiten Netz? Höchste Zeit, einmal darüber zu reden.

Munter und kompetent diskutierte die Runde im ACC die Frage nach den Alternativen Fakten. Im Bild (von links): André Haller, Christian Jakubetz, Karl Heinz Keil und Professor Markus Kaiser. Bild: Steinbacher
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

"Wahrheit oder Lüge? Digitale Medien im Zeitalter alternativer Fakten", war die muntere Diskussionsrunde überschrieben, zu der die Hanns-Seidel-Stiftung ins ACC eingeladen hatte. Gut 50 Interessierte machten von dem Angebot Gebrauch, sich von Experten einen Einblick in die geheimnisvolle Welt der Algorithmen, Social Bots oder Big Data zu bekommen.

Es ist keine zehn Jahre her, seit Facebook, Instagram oder WhatsApp unser digitales Leben mehr oder weniger stark gestalten - alle drei gehören übrigens zu einem einzigen, riesigen Konzern. Diese sozialen Medien bergen große Chancen aber auch gewaltige Risiken, wie Moderator Karl Heinz Keil in seiner Einleitung postulierte. So bekomme beispielsweise die AFD auf Facebook mehr Zustimmung als CSU oder SPD. Und dann sind im September auch noch Bundestagswahlen. Folgt nun eine Schwemme von Falschmeldungen, die der Wahl die entscheidende Richtung geben?

Möglicherweise, sagt Markus Kaiser, Professor für Medieninnovation und digitalen Journalismus von der TH Nürnberg. Die Nutzer müssten einfach immer prüfen, von wem die Informationen stammen, die sie im Internet abrufen. "Mal das Impressum einer Seite lesen", empfahl er den Zuhörern. So könne man beispielsweise davon ausgehen, dass die Amberger Zeitung seriöse Meldungen in ihre digitalen Kanäle schicke. Vieles andere sehe zwar seriös aus, sei es aber nicht. Das Problem heute: "Am Stammtisch gab es auch schon immer Blödsinn, der dort verbreitet wurde - doch das hatte nicht die Reichweite."

Reichweite das Problem

Diese enorme Reichweite des Internets habe sich beispielsweise Donald Trump in seinem Wahlkampf zunutze gemacht, ergänzte André Haller vom Institut für Kommunikationswissenschaften der Uni Bamberg. Trump habe bewusst die "etablierten" Medien von seinen Auftritten ausgeschlossen, weil er erkannt habe, dass er bestimmte Gesellschaftsschichten ohnehin besser über andere Wege wie Breitbart News erreichen konnte. Leute aus diesem rechten, bis vor kurzem unbedeutenden Portal hätten heute nahezu ungehindert Zugang zum Weißen Haus. Christian Jakubetz, renommierter Fachbuchautor und Blogger, der die neue, mediale Landschaft sehr skeptisch sieht, brachte den Effekt der Sozialen Medien sehr krachend auf den Punkt: "Das ist eine Infrastruktur, über die Joseph Goebbels jubiliert hätte." Denn damit sei man heute schon theoretisch in der Lage, ganze Bevölkerungsgruppen zu destabilisieren. "Im Internet finden Sie immer jemand, der denselben Blödsinn glaubt, wie Sie selbst."

Als Beispiel nannte Jakubetz die sogenannten Chemtrails, die Theorie gewisser Verschwörungstheoretiker, irgendwer wolle uns alle durch die Kondensstreifen der Flugzeuge - die natürlich keine solchen seien - vergiften. "Das ist horrender Blödsinn", so Jakubetz, "aber es gibt reichlich Leute die dem anhängen.

Leben in Filterbubbles

Das Problem an sich sei, dass wir alle in sogenannten Filterbubbles leben, also nur in einem Kreis, der im Prinzip dasselbe denkt, wie wir selbst. "In diesen Filterblasen fangen wir irgendwann an, uns gegenseitig auf die Schultern zu klopfen." Allerdings sei Mediennutzung kein passiver Vorgang, sondern immer ein aktiver Akt, ergänzte André Haller. Jeder wähle die Meldungen aus, die zu seiner Meinung passe. Aber wie sieht das alles nun im Hinblick auf die anstehende Bundestagswahl aus? Werden wir von Falschmeldungen überschwemmt? Entscheidet Russland nach der amerikanischen Präsidentschaftswahl nun auch über unsere politische Zukunft? Schon mal falsch, so Haller. "Die Wahl in Amerika hat nicht Russland sondern Hillary Clinton entschieden." Und deutsche Parteien, da ist er sich sicher, werden keine gezielten Falschmeldungen ins Netz stellen. "Denn wenn das rauskommt, war das das Ende des Wahlkampfs."

Wahlwerbung via Facebook

Allerdings wird es mit Sicherheit sehr zielgerichtete Werbung via Facebook geben, darin sind sich alle Diskutanten einig. "Aber warum müssen überhaupt 40 Millionen Deutsche bei diesem Sozialen Netzwerk sein?", fragte eine Dame aus dem Publikum. "Weil sie sich sonst einem gesellschaftlichen Diskurs verweigern", vermutete Christian Jakubetz, der genau aus diesem Grund ebenfalls ein Konto bei Facebook besitzt. "Auch ich füttere jeden Tag das Monster", so sagte er und hatte für alle Anwesenden einen ganz einfachen Tipp parat, wie sie den Fängen der Sozialen Falschmedien leicht entkommen können. "Verlassen Sie ab und zu einmal Ihre Filterblase - das hilft schon sehr."

Auch ich füttere jeden Tag das Monster.Christian Jakubetz zu seinem Umgang mit Facebook

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