29.05.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Festvortrag von Dr. Georg Schrott zur Ausstellung „Leibspeise – Seelenspeise“ in der ... Wissenswertes über die regionale Klosterküche

(frj) Sieglinde Kurz freute sich, dass eine beachtliche Anzahl von Besuchern zur Eröffnung der Ausstellung "Leibspeise - Seelenspeise" in den Barocksaal der Provinzialbibliothek gekommen war. Darunter auch Dr. Georg Schrott, der den Festvortrag "Gruß aus der Küche. Appetizer zur Ausstellung Leibspeise - Seelenspeise" hielt und zu Beginn darauf hinwies, dass man den Anglizismus "Appetizer" auch gut oberpfälzisch mit "Mongdratzerl" umschreiben könnte. Auch im weiteren Vortrag, in dem er über Überraschungen und Entdeckungen bei seinen Recherchen im Fundus der Provinzialbibliothek berichtete, behielt er stets einen subtil-humorigen Stil bei.

Bei der Vernissage in der Provinzialbibliothek ging es um Leibspeisen, Seelenspeisen und geistige Nahrung aus Oberpfälzer Klosterbibliotheken. Von links: Festredner Georg Schrott, Hausherrin Sieglind Kurz und Bürgermeister Martin Preuß. Bild: Steinbacher
von Johann FrischholzProfil

In den Beständen der Provinzialbibliothek finden sich unter den Hinterlassenschaften, die nach der Säkularisation von etlichen aufgelösten Klöstern in den Besitz der weltlichen Verwaltung übergingen, natürlich genügend Schriften, die sich auch mit dem weltlichen Vergnügen der Nahrungsaufnahme beschäftigen. Zunächst war der Speisezettel für die im Refektorium verabreichten Mahlzeiten eher ein wenig karg, da im Spätmittelalter den Mönchen der Verzehr von Säugetieren untersagt war. Aber die findigen Geistlichen fanden bald Ersatz in Fischzucht und Teichwirtschaft. Der Bezug zur Religion lässt sich leicht herstellen, denn in der Heiligen Schrift finden sich unzählige Stellen, die Glaubensfragen mit Hilfe von kulinarischen Metaphern erklären. Brot, Wein, Fisch, Früchte und Getreide stehen an zahlreichen Stellen der Bibel nicht nur für Nahrungsmittel, sondern symbolisch für die Aufnahme von "Seelenspeise".

Bibliotheksleiterin Kurz hatte bereits in der Begrüßung Ludwig Feuerbach und dessen Urteil "Der Mensch ist, was er isst" zitiert, das ja mittlerweile ins Schatzkästlein der deutschen Weisheiten gehört. Der Philosoph konstatierte allerdings auch, dass die tolle Knolle träge macht, was man gerade hier bei uns in der Erdäpfelpfalz gar nicht gerne hört. Mittlerweile gehört die tolle Knolle aber zu den bayerischen Grundnahrungsmitteln "neben Brot, Bier und Döner", wie Schrott mit dem ihm eigenen Humor erwähnte. Befreit von den strengen Regeln des heiligen Benedikt entwickelte sich gerade in der Klosterküche eine kulinarischen Kultur, die auch das Leben der Menschen im Umland prägte.

Und das Fleischverbot hielt auch nicht lange stand. Die Klöster verfügten über Grundbesitz, in dem es viel Wild zu jagen gab, und es ist überliefert, dass so der eine oder andere der Brüder eine Jagdflinte sein Eigen nannte. Mit seiner Arbeit über die Klosterküche hat Schrott eine interessante Ausstellung von Exponaten aus den Beständen der Provinzialbibliothek und damit ein weiteres Kapitel über die Kulturgeschichte der Oberpfälzer Klöster geschaffen. Von seinem profunden Wissen können auch Leser des Ausstellungskatalogs, den ebenfalls Schrott verfasst hat, profitieren. Die Ausstellung ist bis Freitag, 28. Juli, zu sehen.

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