01.03.2018 - 14:36 Uhr

Figurentheater spielt Klassiker Hamlet auf schiefer Ebene

"Sein oder Nichtsein; das ist hier die Frage ..." so beginnt einer der wohl berühmtesten Monologe der Literaturgeschichte. Der HamletAnfang ist zum geflügelten Wort geworden. Shakespeare ist so eine Art literarische Weltmarke! Und viele seiner Sätze sind Spruchweisheiten.

"Hamlet" mit dem Figurentheater Marc Schnittger am Amberger Stadttheater hat Stil und Format. Das ist Spielkunst vom Feinsten. Bild: Steinbacher
von Autor MSCProfil

Das Stadttheater wartet am Donnerstag mit einer ungewöhnlichen Inszenierung auf: Marc Schnittger - Schauspieler, Puppenspieler und Figurenbildner - kommt mit fünf fast lebensgroßen Puppen aus Leder, Rosshaar, Peddigrohr sowie Glas auf die Bühne - und wagt sich an das weltberühmte Drama. Hamlet soll es sein!

Katja Hensel und Christiane Pohle haben das Shakespeare-Drama bearbeitet, inszeniert, den Text zugeschnitten und tolle Lichtspielereien entwickelt. Die Musik- und Geräuschkulisse dachten sich Reiner Süßmilch und Jan-Peter Pflug aus. Die Bühnengestaltung stammt von Schnittger selbst: Nach hinten angehobener Bretterboden, blaues Licht, Saitenspiel mit Gesang im Hintergrund. Holzpfosten, mit Schnur verbunden - daran hängen mit Jute verhüllte Gestalten.

Schauriges Zwiegespräch

Hamlet klettert durch eine Bodenöffnung ins düstere Licht. Es ist ein Dachboden. Hierher zieht er sich zurück, während drunten im Saal prunkvoll die Hochzeit seiner Mutter mit dem verhassten Onkel gefeiert wird. Im schaurigen Zwiegespräch erfährt der Prinz vom Geist seines toten Vaters, dass dieser von seinem Bruder Claudius, jetzt König von Dänemark, kaltblütig im Schlaf ermordet wurde. Der Geist fordert Hamlet zur Rache an dem Verbrecher auf.

Traum und Wirklichkeit

Schnittger übernimmt die Rolle des Hamlet. Er schlüpft aber auch mit Hand und Stimme, mit Mimik und Charakter in die Puppenkörper von seinem Onkel Claudius, seiner Mutter Gertrud, vom Oberkämmerer Polonius, seiner Geliebten Ophelia, deren Bruder Laertes und seinem verstorbenen Vater.

Ab sofort balanciert Schnittger auf der schiefen Ebene zwischen Traum und Wirklichkeit, turnt wendig durch Licht und Schatten, entzündet Kerzen und löscht sie wieder, spricht mit den ihm vertrauten Figuren, haucht ihnen Leben ein, deklariert und demontiert. Gefühle zeigen er und seine Puppenwesen, die schon im Aussehen großartig charakterisiert sind: feist und brutal, dürr und hinterlistig, sanft und zart, geil und skrupellos. Ausgepresst und bloßgestellt hängt er die Gestalten wieder an den Haken, stülpt ein Tuch darüber und wendet sich dem nächsten Kapitel zu. Schade nur, dass die Worte nicht immer das Ohr erreichen, die Bilder allerdings prägen sich tief ins Gedächtnis ein. Wenn der Meister seinen Geschöpfen Stimme und Bewegung schenkt, dann leben sie auf, schmiegen sich an ihn, vertrauen oder verachten ihn, den Prinzen von Dänemark, der danach strebt, seinen Vater zu rächen und dabei alle Beteiligten ins Unglück stürzt.

Ein Glück für alle, die diese ganz besondere Hamlet-Aufführung der TV-Konkurrenz mit dem Nockherberg-Starkbieranstich vorgezogen haben. Im leider nur sehr spärlich besuchten Stadttheater in Amberg bekommt das Publikum faszinierende Theaterkunst vom Feinsten und bedanke sich dafür mit begeistertem Applaus.

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