Für Suzanne von Borsody und Guntbert Warns fällt im Amberger Stadttheater "Der letzte Vorhang"
Die vielschichtige Lasagne des Lebens

Ein Ledersofa - mehr brauchen Suzanne von Borsody und Guntbert Warns nicht als Bühnenbild. Die beiden ließen in ihren Rollen als Lies und Richard Erinnerungen an das Skandalpaar Taylor und Burton wachwerden. Bild: Hartl
Es geht um erfüllte und unerfüllte Liebe, um Sehnsucht und Realität, um Wunsch und Wirklichkeit - und um "Lasagne im Topf oder Lasagne in der Form?". Genau diese Frage wird im rasanten Zweipersonenstück "Der letzte Vorhang" aus der Feder der niederländischen Autorin Maria Goos aufgeworfen. Und irgendwie ist die Lasagne, diese geschichtete Köstlichkeit, wohl auch eine Art Leitfaden im vielschichtigen Wirrwarr von Lebensentwürfen und -entwicklungen der beiden Protagonisten Lies und Richard - exzellent gespielt von den beiden Bühnen-, Film- und Fernsehstars Suzanne von Borsody und Guntbert Warns. Gern ließ sich das Publikum am Samstag auf den nahrhaften Theaterabend ein, der mit scharf überzeichneten Konturen, poetisch-sahnigen Sprüchen und weich schmelzenden Schichtungen auf der Zunge zerging.

Spartanische Ausstattung

Eine Dreisitzer-Ledercouch prangt in der Mitte der Bühne, daneben ein Beistelltisch mit Alkoholika, im Raum verteilt ein paar Scheinwerfer. Von der Seite kommt Flackerlicht, aber da ist wohl eine Birne kaputt. Von Borsody baut spontan einen Hinweis auf den defekten Leuchtkörper in ihren Text ein, und das Malheur ist schnell beseitigt. Mehr Ausstattung benötigt das Stück nicht.

Dafür sind die Ansprüche an die Schauspieler um so größer. Die dürfen sich austoben und einigeln, mit hochgerutschtem Kleid in Pünktchenstrumpfhosen über das Sofa turnen, Nikotin inhalieren und Whisky mit Eis schlürfen, sich Nettigkeiten an den Kopf schleudern und seufzend in der Vergangenheit wühlen. Er, der alkoholkranke Schauspieler, der mit großen Gesten und Sprüchen auftritt. Sie, die bürgerlich gewordene, in Südfrankreich lebende Lies, die nun dem Exkollegen aus der Patsche hilft. Beide Schauspieler verkörpern in Rückblenden zudem ihre Figuren in verschiedenen Stadien ihres Lebens - Warns spielt zwischendurch sogar genüsslich und boshaft die Rolle von Lies' unbedarftem Ehemann. Das berührt, das begeistert.

"Ich errege dich", sagt er. Schnippische Antwort: "Du regst mich auf. Das ist etwas anderes." So geht es weiter mit den temperamentvollen Protagonisten im privaten Inferno: beide um die 50, früher mal ein Paar. Nun proben sie miteinander ein Stück, und heftig mischen sich Ebenen und Zeiten, Rollen und Gefühle.

Aufmerksamkeit gefordert

Solche Sprünge zwischen Kunstwelt und Theater, Albernheit, Spaß und brillantem Schauspiel fordern die volle Aufmerksamkeit. Zeit und Raum variieren, Abstürze verwirren, Assoziationen folgen. Die Thematik bleibt zeitlos. Lies und Richard erinnern nicht nur mit ihren Namen an das Hollywood-Traumpaar Liz Taylor und Richard Burton, an dessen Affären und dessen großartiges Leinwand-Schlachtfest "Wer hat Angst vor Virginia Woolf".

Es war schon eine Herausforderung für das Publikum, den vielen raffinierten Wendungen des Stücks zu folgen, das Antoine Uitdehaag für die deutschsprachige Erstaufführung im Renaissancetheater Berlin mit Übersicht und Einfühlungsvermögen inszeniert hat. Doch bei so viel Spielfreude und -kunst machte dieser besondere Theatergenuss im gut besuchten Amberger Stadttheater großen Spaß - satten Wohlfühl-Applaus gabs zum Schluss.
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