Günther Rambach erzählt, wie es war, in den 50er Jahren aufzuwachsen - Erstmals Polizeiberichte ...
Was sagen denn die Leute dazu?

Das Kaufhaus Storg (rechts) zur Neueröffnung 1953. Die Ansichtskarte zeigt im Hintergrund den alten Amberger Bahnhof. Bild: hfz
Wer weiß denn heute noch, dass Amberg in den 50er Jahren der größte Standort des Bundesgrenzschutzes in der Bundesrepublik war? Oder dass erst 1953 die kriegsbedingte Geschwindigkeitsbeschränkung von 80 Stundenkilometern auf freier Strecke und 40 innerorts aufgehoben wurde? Wahrscheinlich kaum noch jemand.

Wer es miterlebt hat, bräuchte ja ein über 60 Jahre unfehlbares Gedächtnis. Wer in diesen Fragen auf die Historiker setzt, wird feststellen, dass sie sich den Zeiten von Wirtschaftswunder, Nierentisch und Kaltem Krieg in unserer Region erst allmählich annähern. Insofern kann Günther Rambachs Buch "Die 50er Jahre in Amberg und Umgebung" durchaus als Pioniertat gelten.

Der frühere Geschichtslehrer am Max-Reger-Gymnasium hat zum Beispiel erstmals Polizeiberichte ausgewertet, um zu erfahren, was die Landbevölkerung über die große Politik dachte. Das unterscheidet sich gar nicht so sehr von heutigen Parolen, etwa wenn es heißt, dass "die Politiker das Volk immer nur dann aufsuchen und brauchen, wenn eine Wahl bevorsteht, und danach sich nicht mehr um das Volk kümmern". Und selbst die meisten Probleme im Verhältnis mit der US-Armee oder ihren Soldaten klingen vertraut, wenn auch natürlich damals die weiblichen deutschen Anhängsel der Amerikaner viel mehr Erregungspotenzial boten: "Wir müssen diese gottverdammten Fräuleins hinauswerfen."

Was aber den besonderen Wert von Rambachs Werk ausmacht, ist seine Zeitzeugenschaft. Er ist Jahrgang 1943 und hatte die prägenden Jahre seiner Kindheit und Jugend in den 50ern. Weil er dabei auch das Unangenehme nicht verschweigt - er wurde etwa wegen seiner roten Haare gehänselt oder hatte einen regelrechten Horror vor dem Sportunterricht -, gewinnt man einen guten Eindruck von der Atmosphäre dieser Jahre. "Das kann man nicht machen. Was sagen denn die Leute dazu?", bekam der kleine Günther ständig zu hören. Und als er in der Pubertät auf sexuelle Aufklärung hoffte, gab es stattdessen nur das Geschwurbel kirchlich-katholischer Provenienz: "Wir beherrschen unsere Augen und verdrängen das Schmutzheft durch die saubere Zeitschrift und das gute Buch." Das war's dann auch schon, resümiert Rambach: "Nichts Konkretes, das Thema Sexualität existierte einfach nicht."

Da diese Einstellungen dem Großteil der Menschen eingeimpft worden sein dürften, die heute als "ältere Generation" bezeichnet werden, ist diese Mentalitätsgeschichte sogar interessanter als die Sache mit dem Bundesgrenzschutz oder der Geschwindigkeitsbeschränkung.

Rambach, der vor seinem Studium eine Lehre als Elektriker in der Luitpoldhütte absolvierte und dort sieben Jahre lang arbeitete, beschreibt zudem ausführlich das damalige Innenleben dieses Amberger Betriebs und beleuchtet komprimiert die Entwicklung der anderen Oberpfälzer Eisenhütten (Maxhütte, Bodenwöhr, Weiherhammer). Da wird dann erneut klar, wie sehr die 50er Jahre den Boden bereitet haben, auf dem wir heute leben.

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Günther Rambach, Die 50er Jahre in Amberg und der Oberpfalz. Politik - Militär - Alltagsleben - Eisenhütten, Kümmersbruck, 296 Seiten, 24,80 Euro, ISBN 978-3-00-042884-5.
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