09.03.2007 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Hörbuch und Film würdigen den Oberpfälzer Sagensammler Franz Xaver von Schönwerth Von Zwergen, Druden und Wasserfrauen

von Susanne WolkeProfil

Irrlichter, die auf feuchten Wiesengründen flackern. Zwerge, die in den Bergen nach Edelsteinen suchen. Wasserfrauen, die in erotischen Posen locken. Und immer wieder der Teufel - mal als schwarzer Mann, dann wieder im grünen Jägerkostüm, aber stets mit seinem Bocksfuß hinkend. Noch vor 150 Jahren kannte jeder in der Oberpfalz die Erzählungen von solch unheimlichen Gestalten.

Gerade rechtzeitig

Franz Xaver von Schönwerth (1810 - 1886) hat diese Sagen und Märchen gesammelt. "Gerade rechtzeitig, um sie vor dem Vergessen zu bewahren", so Heidemarie Sander. Die Filmproduzentin aus Amberg setzt sich nun ihrerseits dafür ein, den Oberpfälzer Volkskundler und Sagenforscher selbst vor der Vergessenheit zu retten. "Sagengelichter der Oberpfalz - Schönwerths Oberpfalz" lautet der Titel einer CD und einer DVD, die Heidemarie Sander und ihr Mann Wolfgang Sander herausgegeben haben.

Mit einer Auswahl der von Schönwerth gesammelten Erzählungen würdigen das Hörbuch und der Film den gebürtigen Amberger, der zwischen 1857 und 1859 sein dreibändiges Werk "Aus der Oberpfalz - Sitten und Sagen" veröffentlichte. Der Film wurde ausschließlich an Plätzen in der Oberpfalz gedreht - unter anderem im Hirschwald, in Amberg und im Freilandmuseum Goglhof in Eberhardsbühl. Die Texte spricht der Schauspieler Jörg Hube, die Musik stammt von Stefan Huber und Michael Reisinger. "Weiber und Weber" waren es laut Sander vor allem, die Schönwerth ihre Sagen und Märchen erzählten. Dieser schrieb die Texte dann unverändert auf. Von armen Seelen ist da die Rede, die im November umherirren, vom Bilmesschneider, der den Bauern das Korn verdirbt und von Hoimännern, die die Menschen durch ihre Rufe ins Verderben locken.

"Es ist die Überwindung von Ängsten, die in den Sagen eine große Rolle spielt", erklärt Heidemarie Sander. "Wenn die Menschen damals etwa unter Atemnot litten, dann machten sie eine Drud dafür verantwortlich." Diese Weiblein waren im Volksglauben noch böser als Hexen und quälten die Menschen durch "drucken" auf die Brust. Etliche Sagen erzählen davon, dass es den Opfern von Druden gelang, diese zu töten - wobei sich dann nicht selten herausstellte, dass die Drud die eigene Frau des Gepeinigten war.

Versteckte Erotik

Auch die Erotik kommt in den Sagen nicht zu kurz. "Wenn sich die schöne Freid über eine Quelle bückt und ihre Haare dabei erglänzen, dann ist klar, dass es sich dabei nicht um das Haupthaar der jungen Frau handelt", meint Heidemarie Sander. "Das ist eine versteckte Erotik, die damals jeder verstanden hat." Schließlich seien es in erster Linie Erwachsene gewesen, die sich die Sagen erzählt hätten - "zum Beispiel Mädchen, die in der Spinnstube auf die Burschen gewartet haben". Die Leistung Schönwerths wurde schon zu dessen Lebzeiten gewürdigt. Der bayerische König Maximilian II., unter dem Schönwerth Generalsekretär und Ministerialrat am bayerischen Staatsministerium der Finanzen war, verlieh dem Sagenforscher 1859 den persönlichen Adel.

Lob von Jakob Grimm

Auch von einer weiteren prominenten Adresse kam Lob: Jakob Grimm, seinerseits ein Sammler von Märchen und Sagen, äußerte sich zu Schönwerth: "Nirgendwo in ganz Deutschland ist umsichtiger, voller und mit so leisem Gespür gesammelt worden."

Nicht zuletzt begrüßt es auch Dr. Wolfgang Kunert, dass Schönwerth nun einem breiten Publikum bekannt gemacht werden soll. Der Regierungspräsident, der Film und Hörbuch unlängst in München vorgestellt hat, sieht in Schönwerth eine Möglichkeit, für die Oberpfalz als Kulturregion zu werben: "Schönwerth kam es vor allem darauf an, Bestandteile der Oberpfalz herauszustellen. Und auch uns geht es ja heute darum, unsere Identität mitzuteilen."

CD und DVD "Sagengelichter der Oberpfalz" kosten zusammen 26,50 Euro und sind im Buchhandel erhältlich. Kontakt: SanderFilm Amberg, Telefon 09621/84188.

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