Ich und mein Prechtl - Mein Prechtl und ich
Erinnerungen an den Termin beim Hautarzt

Die Lehren des Sigmund Freud haben den Blick auf das menschliche Dasein verändert. Doch seine Theorien waren stets umstritten. Auch 1984, als "Der Spiegel" ihm eine Titelstory widmete - mit künstlerischer Unterstützung des damals 58-Jährigen Michael Mathias Prechtl. Bild: wsb
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
07.12.2016
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Wenn man von einem Redakteur der Amberger Zeitung gefragt wird, ob einem "etwas zu Mathias Prechtl einfällt" und ob man etwas in eben dieser Publikation "schreiben möchte", dann ist man natürlich dabei. Zumal mir wirklich sofort etwas einfiel.

Aber als ich im Zuge eines Sich-vergewisserns für diesen Beitrag (man will ja keinen Schmarrn schreiben) noch mal nach dem Herrn Prechtl googlete, erschien das Spiegel-Titelbild mit Sigmund Freud von 1984. Und dann wollte ich über etwas Anderes, das Folgende schreiben: Als ich das Bild also wieder bei Google sah, hatte ich ein Madeleine-Erlebnis! Proust, Sie wissen schon. Und wenn nicht, googlen oder googeln Sie - Sie haben offensichtlich Zeit, wenn Sie diesen Text bis jetzt durchgelesen haben.

Ich muss neun Jahre alt gewesen sein: Im Wartezimmer eines Hautarztes (Ja, werden jetzt mir nahe stehende Personen lachen - "er hatte schon damals Hautprobleme!"), musste ich wohl ein Magazin aus Hamburg in Amberg in die Hand genommen haben. Darauf war ein älterer Herr zu sehen, dem von zwei nackten Gestalten das Gehirn oder besser der das Gehirn ummantelnde Schädel aufgemacht wurde.

Als ich also, wie geschrieben, diese Zeichnung wieder sah, kamen mir wieder die gleichen Zustände, Gerüche, Denkweisen und was weiß ich noch wieder hoch, wie ich sie damals als Kind empfand. Und das ist ja wohl etwas verdammt Tolles, das man über einen Maler, Zeichner und Illustrator schreiben kann: Er hat mir ein Proust'sches Madeleine-Erlebnis verschafft! Aber es brauchte jetzt ja wohl auch nicht diesen Beitrag, um zu erkennen, dass Herr Prechtl sehr viel drauf hatte.

Hintergrund: Schriftsteller Marcel Proust widmet dem Madeleine-Gebäck in seinem Werk "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" mehrere Seiten. Der Geschmack einer in Tee getunkten Madeleine erinnert den Ich-Erzähler an seine Kindheit und wird damit zum Katalysator des gesamten Werks.

Der Autor Marcus Trepesch (42) ist seit zwölf Jahren Künstler und Illustrator. Ihn einer Stilrichtungen zuzuordnen, ist schwierig. Er selbst sagt: "Nennen wir es Malerei und auch Cartoons." Zuletzt hat er das Buch "Das verräterische Herz" von Stadtarchivar Jörg Fischer illustriert (wir berichteten).

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