Ich und mein Prechtl - Mein Prechtl und ich
Große Kunst: Musik sichtbar machen

So stellte sich Michael Mathias Prechtl den großen Komponisten Ludwig van Beethoven vor. Gerade dieses Werk hat es dem Musikliebhaber Günter Simmerl besonders angetan. Vor allem schätzt der Erfinder des Landkreislaufs Prechtls Gabe, das zu zeichnen, was Männer wie Beethoven mit ihren Werken zu Gehör bringen wollten. Bild: Hartl
 
Günter Simmerl. Bild: ref

Michael Mathias Prechtl ist für mich ein Kunstmaler im doppelten Sinne. Zum einen natürlich, weil alles, was er mit seinen Händen schuf, Kunst ist. Zum anderen aber auch, weil er seine Themen und Stoffe, seine Ideen und Inspirationen aus der Kunstgeschichte bezog. Ich selbst bin vor allem Musikliebhaber. Weshalb ich jene Arbeiten von ihm am meiste schätze, in denen deutlich wird, wie sehr er die Musik hochschätzte.

Dabei gelang ihm etwas fast Unmögliches: Prechtl konnte in seinen Bildern all das sichtbar machen, was Komponisten ausdrücken wollten. Als Büchermensch war er nicht nur mit den Biografien der Komponisten vertraut, er hatte auch ein untrügliches Gespür für Klänge. Und: Ihm waren vor allem die malerischen Ausdrucksmöglichkeiten gegeben, um all das, Lebensgeschichte(n), Töne und Rhythmen - mit einem Wort: alles, was einen klassischen Komponisten vom Range eines Johann Sebastian Bach, eines Wolfgang Amadeus Mozart, eines Ludwig van Beethoven oder eines Richard Wagner ausmachte und auszeichnete -, in fantastische Bilder umzusetzen.

Schauen Sie sich doch bloß mal in der Sammlung in unserem Stadtmuseum das Bild an, auf dem er den Beethoven porträtiert. Das ist - wie immer bei Michael Mathias Prechtl - zunächst und zuallererst ein außergewöhnlich gutes Abbild. Und das ist so gearbeitet, wie Prechtl immer arbeitete: Er nutzte seine Hände als Druckträger, um so mit Hilfe seines höchstpersönlichen Fingerabdrucks eine ganz feine Struktur zu erschaffen. Und so dem Beethoven'schen Gesicht Form, Farbe und Charakter - ja, und vielleicht sogar: Lebenslinien? - von höchster Individualität zu verleihen. Aber jetzt kommt noch etwas hinzu: Zwei Putten (oder sollen wir sie lieber, bayerisch liebevoll, Engerl nennen?), die sich hinter Beethovens hochtoupierter Frisur zu schaffen machen. Wie die himmlischen Heerscharen blasen sie ihm, dem schon ertaubenden Komponisten, ihre Ideen ein, mittels eines silbernen und eines goldenen Horns. Unverkennbar blitzt hier der berühmte Prechtl'sche Humor hervor, wenn man sich die an Küchenwerkzeuge erinnernden Gerätschaften genauer anschaut. Und die Engelsflügel? Das sind die von Schmetterlingen! Womit Prechtl auf die unvergleichliche Schönheit von Mutter Natur verweist und somit den Kreis schließt hin zu jenen Klängen, die Beethoven während seiner Wiener Zeit in seiner Sinfonie Nr. 6 in F-Dur, op. 68, in der sogenannten "Pastorale" (also einem Schäferidyll) erschaffen hat. Der Komponist selbst hat ja gesagt, er habe die Sinfonie an einem Bach sitzend geschrieben. Und "die Goldammern da oben, die Wachteln, Nachtigallen und Kuckucke ringsum haben mitkomponiert".

Als Amberger aber wissen wir nun: Nicht nur Beethovens Fantasie, nicht nur die Vögerln - auch die Engerln waren beteiligt! In herrlicher Dreieinigkeit haben sie Beethoven wunderbare Melodien eingeflüstert! Danke, Michael Mathias Prechtl!

Der AutorGünter Simmerl (60) wird immer Mr. Landkreislauf bleiben, auch wenn er die Breitensportveranstaltung seit einigen Jahren nicht mehr organisiert. Der gebürtige Niederbayer kickte einst für den 1. FC Amberg in der Fußball-Bayernliga und baute das Sportreferat im Landratsamt neu auf. Ab 1989 war er Referent des Landrats. 1993 wechselte er als Lehrer an die Städtische Wirtschaftsschule, deren stellvertretender Leiter er seit zwei Jahren ist.

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