Ich und mein Prechtl – Mein Prechtl und ich
Humorvoll, keck und unverwechselbar

Dass Michael Mathias Prechtl das berühmte Bach-Porträt des Elias Gottlob Haußmann von 1746 kopierte und ihn in seiner typischen, fast übermütigen Art wiedergab, "fand ich höchst amüsant und erfreute mich ungemein", schreibt Kirchenmusiker Bernhard Müllers. Bild: tk

Ein Kirchenmusiker und Organist kommt unwillkürlich mit einem der größten, vielleicht sogar dem größten Musiker der Geschichte in Berührung: Johann Sebastian Bach. Sein berühmtestes Porträt wurde 1746 von Elias Gottlob Haußmann gemalt und zeigt den "Musikdirektor Johann Sebastian Bach" mit barocker Perücke, noblem schwarzen Leibrock und einem Notenblatt in der Hand, auf dem ein "Canon triplex a 6 Voc", einem sogenannten Rätselkanon zu sehen ist. Als ein großer Bewunderer des faszinierenden Musikers hängt dieses Bild als Kunstdruck in meinem Musikzimmer.

Als ich zur Eröffnung der Michael- Mathias-Prechtl-Dauerausstellung im Stadtmuseum im April dieses Jahres den musikalischen Part zusammen mit Franz Badura übernehmen durfte, sollten wir zwischen den Wortbeiträgen Musik von bestimmten Komponisten zu Gehör bringen. Und als dann während unseres Spiels die entsprechenden Komponistenbilder in der unnachahmlichen Art des Amberger Künstlers als Lichtbilder an die Wand gestrahlt wurden, fiel mir auf, mit wie viel verschiedenen Musikern sich Michael Mathias Prechtl in seinen Bildern, Illustrationen und Plakaten beschäftigt hat, darunter Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Richard Wagner oder aber auch beispielsweise Louis Armstrong.

Dass Prechtl nun das besagte Bach-Porträt des Elias Gottlob Haußmann von 1746 kopierte und ihn in seiner typischen, fast übermütigen Art wiedergab, fand ich höchst amüsant und erfreute mich ungemein: Zunächst sind die Gesichtszüge und auch die Kopfneigung dem Original sehr ähnlich, doch die barocke Perücke ist nun nicht mehr weiß, sondern in einer lustigen grauen Wolle-ähnlichen Art. Anstatt des schwarzen, ehrwürdigen und kostbaren Gehrocks erhält der Komponist einen hellbraunen, fast bayerisch anmutenden Janker, darunter ein leicht hervorscheinendes, rötliches Blasmusikanten-Leibchen. Und anstelle des von Bach mit höchster Kompositionskunst angefertigten Rätselkanons lässt er ihn einen kleineren weißen Zettel - gleichsam eine Visitenkarte mit den Initialen des Malers - in der Hand halten.

Diese sehr humorvolle, kecke und unverwechselbare Art, mit der Michael Mathias Prechtl auch die größten musikalischen Künstler in seinen Bildern und Illustrationen wiedergibt, vermitteln Freude, Heiterkeit und Unbeschwertheit, ohne dass das Geniehafte der jeweiligen Dargestellten darunter leidet. Genial und wunderbar zum Anschauen!

Der AutorBernhard Müllers (Jahrgang 1968) ist Kirchenmusiker des Dekanats Amberg-Ensdorf und seit 1. Oktober 2009 Regionalkantor für Amberg-Schwandorf. Zu seinem Zuständigkeitsbereich gehören die Dekanate Amberg-Ensdorf, Schwandorf und Sulzbach-Hirschau. Müllers ist zudem Kirchenmusiker in St. Martin.
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