14.12.2016 - 02:00 Uhr
Oberpfalz

Ich und mein Prechtl – Mein Prechtl und ich Pech für Nürnberg, Glück für Amberg!

Ich bin Michael Mathias Prechtl erstmalig in seiner Eigenschaft als "Nürnberger Künstler" begegnet. Damals, Ende der 1980er Jahre, hatte er den Auftrag, den Nürnberger Rathaussaal mit neuen Fresken auszustatten, da die Originale von Albrecht Dürer im Zweiten Weltkrieg zerstört worden waren. Nach intensiver Diskussion wurde sein zeitgenössischer Wandmalereizyklus jedoch abgelehnt, gleichzeitig zog Prechtl die Entwürfe wieder zurück. Pech für Nürnberg, Glück für Amberg! Nun wandte sich der Künstler wieder seiner Heimatstadt zu.

"Der Winterkönig" Friedrich V. als Kind auf einem Schaukelpferd: Jeden Morgen, wenn OB Michael Cern ins Rathaus kommt, fällt sein Blick auf dieses Plakat, das Michael Mathias Prechtl für die Landesausstellung entworfen hat. Diese Auftragsarbeit Prechtls aus dem Jahr 2003 war gleichbedeutend mit der geistigen Rückkehr in seine Heimatstadt Amberg. Bild: Steinbacher
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Hier nahm er auch seinen allerletzten offiziellen Auftrag an: ein Plakat für die Landesausstellung 2003 "Der Winterkönig". Friedrich V. war wie Prechtl in Amberg geboren und gelangte - auch dies eine Gemeinsamkeit - außerhalb der Stadtmauern zu internationalem Renommee. Die Tatsache, dass seine Königsherrschaft nur ein Jahr dauern sollte, brachte Friedrich den Namen "Winterkönig" ein. Der Spott, der sich über seine Person ergoss, spiegelt sich auch in Prechtls Darstellung mit dem Schaukelpferd wider.

Jeden Morgen, wenn ich ins Rathaus komme, fällt mein Blick darauf, denn eines dieser Plakate haben wir direkt im Gang vor meinem Büro platziert. Bei genauerem Hinsehen stechen mir dann immer wieder neue Details ins Auge. Mit diesem Bild hat Michael Mathias Prechtl nicht nur sein eigenes, typisches Verhältnis zur Geschichte der Stadt Amberg zu Papier gebracht. Auch die feinen Nuancen, die große Genauigkeit und die Detailfreude des Porträtzeichners in der Darstellung machen das Plakat zu einem charakteristischen Werk von MMP.

Eindeutig als König erkennbar

Friedrich V. ist dort eindeutig als König erkennbar, doch der rote Königsmantel ähnelt eher dem Wintermantel eines spielenden Kindes, das mit wehendem Schal, roter Nase und einer Hermelin-umsäumten Zipfelmütze auf seinem Schaukelpferdchen sitzt. Deutlich bringt Michael Mathias Prechtl damit die Jugend und politische Unerfahrenheit des nur scheinbaren Herrschers zum Ausdruck, der meint, die Zügel in der Hand zu halten, während die Schaukel und damit das Tun des Königs ganz klar von Christian von Anhalt-Bernburg, damals Statthalter in Amberg, gesteuert wird.

In genialer Weise hat Prechtl auch den Verlust der Königswürde wiedergegeben. Während Friedrich die mit Hafer gefüllte Königskrone zum Futternapf umfunktioniert, wird der Reichs- als "Pferdeapfel" ausgeschieden und fällt zu Boden. Damit wird das Schicksal des "Winterkönigs" auf nur einem Bild voll umfassend dargestellt - und machte gleichzeitig neugierig auf die Ausstellung, mit der das Haus der Bayerischen Geschichte die Geschehnisse in den Mittelpunkt rückte.

Der Autor

Oberbürgermeister Michael Cerny (Jahrgang 1964) besuchte als Kind die Albert-Schweitzer-Schule, bevor er auf das GMG ging, in dem er 1983 sein Abitur mit dem Notenschnitt 1,6 bestand. Die Leistungskurse: Mathe und Sport. Er studierte in Erlangen, erhielt dort sein Informatik-Diplom und ging zu Siemens. 1990 half der damals 26-Jährige beim erfolgreichen Wahlkampf von Wolfgang Dandorfer, der ihn 1996 fragte, ob er für die CSU für den Stadtrat kandidieren möchte. Cerny wollte.

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