Ich und mein Prechtl - Mein Prechtl und ich
Viel mehr als nur perfekte Porträts

"Verbrennt mich!", forderte Oskar Maria Graf, nachdem die Nationalsozialisten seine Werke nicht verboten, sondern sogar noch empfohlen hatten. Bild: hfz
 
Oskar Maria Graf so, wie Michael Mathias Prechtl ihn sah: bayrisch, urtypisch und schlitzohrig.

Zum Thema Michael Mathias Prechtl fallen mir spontan seine beiden Porträt-Bilder ein. Zum einen Oskar Maria Graf in Lederhose: urbayrisch und urgewaltig, so wie er sich auch in seinen Büchern ausdrückt. Wer Oskar Maria Graf aus seinen Werken kennt, spitzbübisch, manchmal auch schlitzohrig grob, findet dies in diesen Bildern von Michael Mathias Prechtl absolut getroffen dargestellt wieder. Prechtl - vor allem auch ein bayerischer Maler.

Wer sich für die bayerische Geschichte begeistert, der sollte "Das Leben meiner Mutter" von Oskar Maria Graf lesen. In diesem Buch beschreibt er seine Kindheit in der Nähe von Berg am Starnberger See. Eine harte Zeit, in der sich auch die Familie mit ihrer Bäckerei anstrengen muss, um über die Runden zu kommen. Das Verhältnis zu seinen Geschwistern ist teils problematisch. Besonders am Beispiel seines älteren Bruders zeichnet er sehr spitzfindig auf, wie einer durch seine Art ein willfähriges Instrument für die künftige Nazi-Bewegung werden kann.

Der Vater stirbt und die Mutter versucht auf ihre besondere stille Weise, die Familie zusammenzuhalten. Sie wird als Frau aus dem Volk gezeichnet, die sich mit Worten schwertut - oft muss nur ein Seufzer oder ein Streicheln über den Kopf genügen. Aber sie hat einen wachen Verstand. Auch als der Sohn Oskar das Haus verlässt und sich allmählich in der Halbwelt der Münchener Künstlerkreise niederlässt, kann sie sein Handeln zwar nicht nachvollziehen, aber sie versteht es. Eine Mutter halt. Graf gelingt es, das typisch Bayerische darzustellen. So kann nur einer schreiben, der seine Heimat über alles liebt und den Leuten sehr genau zuhört. Eine wahre Fundgrube für Leser, die nicht nur einen gut erzählten langen Roman schätzen, sondern sich auch für das Leben der Menschen dieser Zeit, kurz nach dem Tod des legendären Königs Ludwig II. interessieren.

Zum andern das Porträt von Michael Mathias Prechtl, Oskar Maria Graf, ein brennendes Buch haltend. Es bezieht sich auf die Bücherverbrennungen von 1933 während der Naziherrschaft. Das wunderbar interpretierte und dargestellte Veranstaltungsplakat wurde von Prechtl für die Graf-Ausstellung 1994 im Münchener Stadtmuseum geschaffen. Die Bücher von Graf standen zunächst nicht auf der Schwarzen Liste der zu verbrennenden Bücher vom April 1933. Zu Grafs Entsetzen wurde sein Werk (mit Ausnahme seines erfolgreichsten Romans "Wir sind Gefangene", das Thomas Mann als ein "menschlich-historisches Zeugnis von unvergänglichem Werte" beurteilte) nicht verboten, sondern von den Nationalsozialisten auf den "weißen Listen" empfohlen.

Seinen Aufruf "Verbrennt mich!" veröffentlichte Graf 1933 in der "Wiener Arbeiterzeitung". - Auszüge daraus: "Die Vertreter dieses barbarischen Nationalismus, der mit Deutschsein nichts, aber auch rein gar nichts zu tun hat, unterstehen sich, mich als einen ihrer Geistigen zu beanspruchen, mich auf ihre sogenannte weiße Liste zu setzen, die vor dem Weltgewissen nur eine Schwarze Liste sein kann! Diese Unehre habe ich nicht verdient! Nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbande gelangen. Verbrennt die Werke des deutschen Geistes! Er selber wird unauslöschlich sein wie eure Schmach! Alle anständigen Zeitungen werden um Abdruck dieses Protestes ersucht. " Für mich ergänzen, zeigen und treffen die Bilder von Michael Mathias Prechtl hervorragend die Situation um die Person Oskar Maria Graf und dessen bayrisch-ursprünglichen Schreibstil.

Der AutorMichael Flierl, Jahrgang 1955, führt seit 26 Jahren gemeinsam mit Herbert Harth das Amberger Architekturbüro H+F Architekten mit gegenwärtig 20 Mitarbeitern. Die E-Mail-Fabrik in der Marienstraße ist eines der Projekte. Zurzeit bauen Harth und Flierl unter anderem das neue Firmengebäude der Jura-Werkstätten sowie ein Büro- und Geschäftshaus in der Emailfabrikstraße.
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