Ich und mein Prechtl - Mein Prechtl und ich
Wenn der Karl den Lenin anquatscht

Michael Mathias Prechtl und sein Oktoberfest. In dieser Serie hatten sich bereits Professor Dr. Anton Scharl und Peter Geiger mit dem Werk beschäftigt. Nun nähert sich Hans Graf den Personen und lässt zwei von ihnen in einen Dialog eintreten - Museumsgeflüster nennt er deswegen seinen Beitrag. Bild: wsb
 
Hans Graf. Bild: tk
Wenn der Karl den Lenin anquatscht

He, du da draußen, ja dich mein' ich, Lenin.

Was wollen Sie denn von mir?

Na plaudern ein wenig, ist ja gar zu langweilig hier.

Na dann: Guten Tag, Herr Valentin!

Was? Du kennst mich ja! Woher denn? Ich kann mich nicht dran erinnern, dass wir uns schon mal getroffen hätten, außer hier natürlich.

Das muss vor dem großen Krieg gewesen sein. Während meiner Zeit in der Schweiz besuchte ich Ihre schöne Stadt München einige Male politischer Gründe wegen, aber ein wenig amüsiert haben wir uns auch dort. Und einmal sahen wir Sie in einem ziemlich heruntergekommenen Etablissement in einem Stadtteil auf der Bühne zusammen mit der Dame neben Ihnen.

Die Liesl meinst?

An den Namen kann ich mich nicht erinnern, aber an Ihre aberwitzige Gestalt. Sie waren mir großes Vergnügen und der Krupskaja auch.

Wem?

Na meiner Gattin. Als ich allerdings die offensichtlichen Vorzüge einer der Bedienerinnen dieses Etablissements aufmerksam betrachtete - und ich glaube, sogar meine Hand sich auf ihr Hinterteil verirrte -, da war das auch schon mein letzter Besuch bei Ihnen. Die Krupskaja mochte das gar nicht! Sagen Sie, mein Lieber, wie haben Sie ihn denn erlebt, den Meister?

Na, ich glaub', der war nicht sehr spaßig. Einmal hab' ich ihm zugezwinkert, bei dem anderen Bild von mir, das mit dem Blumenkranz und meinem Zamperl. Meinst, der hätt' reagiert? Nix! Dann hab ich ihm sogar die Zunge rausgestreckt. Nein, der hat stur weiter gepinselt, radiert und seinen Stift gespitzt. Und wie war's bei dir?

Ich habe bei ihm nur eine kleine Rolle gespielt. Andere, wie euren König, diesen Verrückten, den hat er ja viel lieber gemalt. Aber das sage ich Ihnen, Herr Valentin, dieser Spitzenunterhosen-König, der hatte nur Glück, so früh gelebt zu haben, der hätte mich nicht überlebt, den hätte ich ...

Na, etz geh' Lenin, da haben wir aber Schlimmere hier droben. Als ich über diesen Burschen mit dem Lippenbärtchen mal einen Witz gemacht hab', na da wär's mir beinah' schlecht ergangen!

Über diesen Burschen rede ich nicht, schon wegen dem hätte ich gerne länger gewirkt, der hätte was erleben können!

Jammer nicht, Lenin! Du mit deiner Revolution und der ganzen Politik! Was anderes: Wie gefällt's dir denn hier in der Provinz, wo wir jetzt ja wohl dauernd hängen sollen?

Ich bin ja selbst in der Provinz aufgewachsen. Jetzt haben die ja den Ort nach mir benannt. Wenn die wüssten, ein ganz kleines Nest war das vor mir. Habe mir sagen lassen, hier sei es nicht recht anders. Aber für Sie muss das doch fürchterlich sein. Sie stammen schließlich aus dieser schönen Großstadt!

Was heißt da schöne Großstadt? München eben. Aber ein paar mehr Leut' könnten schon kommen, meinst net?

Ich würde die Einwohner dieser Stadt dazu verpflichten, einmal im Jahr - mindestens - in dieses Museum zu kommen.

Ich weiß nicht, Lenin, noch mehr Schulkinder, die unsere Ruhe stören?

Na dann, bis zu nächsten Mal, Herr Valentin, da sollten wir uns über den lustigen Zeitgenossen da oben unterhalten, den mit der Dame im Arm, der sagt mir gar nichts.

Der Graf, über den kannst von mir einige Stückln erfahren! Wenn mir aber weiter plaudern, dann sagst Du zu mir Karl, gell!?

Mit dem höchsten Vergnügen, Herr Valentin!


Der AutorHans Graf (Jahrgang 1951) ist Gründungsvorsitzender des seit 2008 bestehenden A.K.T.-Kunstvereins und betreibt seit 2005 zusammen mit seiner Schwester Eva das Casino-Wirtshaus neben dem Stadttheater.
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