Ich und mein Prechtl – Mein Prechtl und ich
Würdevoll - trotz allem

Aufgequollenes Gesicht, glasige Augen, zerzaustes Haar, hochhackige Schuhe und Spitzenhemd - so stellte Prechtl den Kini dar. Bilder: rpe (2)

Ein glückliches Zusammentreffen führte unsere Dr.-Johanna-Decker-Schulen zu einem groß angelegten Prechtl-Projekt: Zum einen wurde im April 2016 die neue Prechtl-Dauerausstellung im Stadtmuseum eingeweiht, zum anderen machte die Decker-Absolventin Jana Strobl gerade ihr Praktikum im Stadtmuseum - und so schlug sie den Kunsterzieherinnen Veronika Thomann und Gerti Räß vor, die Schülerinnen mit Michael Mathias Prechtl und seinen Werken bekannt zu machen; das Motto: "Schule macht Prechtl".

Fast alle Klassen des DJD-Gymnasiums und der Realschule besuchten die Ausstellung, beschäftigten sich, dem Alter entsprechend, mit bestimmten Aspekten und Bereichen des Prechtl-Schaffens, und wurden vor allem dann selbst kreativ tätig. Wir in der 10. Jahrgangsstufe setzten uns mit den Titel-Illustrationen auseinander, die der Künstler für den "Spiegel" gestaltete, aber auch mit Plakaten, die zu bestimmten Anlässen entstanden. Eines davon stach uns sofort ins Auge - vielleicht deswegen, weil man sofort erkennt, wen es darstellt: Ludwig II. in dem Werk "Himmelfahrt einer Wasserleiche".

In einer melodramatischen, etwas komisch wirkenden Pose schwebt Ludwig nach oben, und sowohl sein Körper als auch seine Kleidung wirken wenig königlich. Das aufgequollene Gesicht, die glasigen Augen und sein zerzaustes Haar deuten ebenso wie der Umhang aus royalem (Wasser-)Blau auf seinen Tod im Starnberger See. Seine Blumenkrone, die hochhackigen Schuhe und das Spitzenhemd sind Ausdruck der femininen Züge des Bayernkönigs. Trotzdem aber strahlt die Figur Anmut und Würde aus, denen die äußeren Umstände seines Todes nichts anhaben können. Auch der sehnsüchtig sich nach ihm streckenden Person am Boden enteilt er so - und lässt alle irdische Lust und Last unter sich.

Diese Erlösung im Tod - schließlich ist es ja eine "Himmelfahrt" - erschien uns ein versöhnlicher Ansatz, das schwierige Leben Ludwigs II. zu kommentieren, auch wenn man nachlesen kann, dass das Plakat bei den Verehrern des Königs für Empörung sorgte, als es 1986 zur Ausstellung "Denkmalerei im Münchener Stadtmuseum" zum Titelplakat gewählt wurde. Das Prechtl-Projekt hat bei uns allen eine nachhaltige Wirkung hinterlassen: Wir haben viele faszinierende und einmalige Kunstwerke näher kennengelernt, und wir können jedem Amberg-Besucher (und jedem Amberger) nur empfehlen, die reichhaltige Dauerausstellung im Stadtmuseum zu besuchen.

Die AutorinnenSumi Müller und Theresa Flierl besuchen beide die Q 11 des Dr.-Johanna-Decker-Gymnasiums.
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