06.09.2017 - 17:30 Uhr
Oberpfalz

Interessante Neuigkeiten von schauhuette.com Schellen und ein Miniaturbüchlein

Über- und durcheinander liegen die Toten. Da ist es nicht immer leicht, den Überblick zu bewahren. Bild: Hartl
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Interessante Neuigkeiten von schauhuette.com

Schellen und ein Miniaturbüchlein

Amberg. (ass) Die gute Nachricht zuerst: Die Schauhütte ist wieder online. Nachdem die alte Internetseite vor einiger Zeit gekapert worden war, stellt Archäologe Mathias Hensch seine Erkenntnisse nun unter www.schauhuette.com einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung. Aktuell zum Beispiel den Fund eines Skeletts aus dem 15. Jahrhunderts. Damit wird schon klar, dass das Archäologenteam das keltische Hügelgrab auf der anderen Seite des Bürgerspitalgeländes verlassen und die Arbeiten am ehemaligen Spitalfriedhof wieder aufgenommen hat.

Interessant an dem dort gefundenen Skelett ist die Tatsache, dass der Person - wahrscheinlich einer Frau - unter anderem ein sogenanntes Miniaturbüchlein in den Sarg gelegt worden war. Die waren sehr wertvoll, weil ihre Herstellung sich sehr aufwendig gestaltete. "Eventuell war das eine Schwester oder gar Oberin des Spitals", interpretiert Hensch den Fund. Die Frau wurde übrigens in einem Sarg bestattet, der sich relativ gut erhalten hat. Im Gegensatz zum Skelett. Sargbestattungen waren im 15. Jahrhundert ziemlich häufig. Die Jahrhunderte zuvor hingegen wurden die Toten oft nur im Leichentuch begraben. Oft ganz nackt, um die ganze Demut dem Tod gegenüber zu zeigen.

"Damit ergibt sich übrigens eine große Parallele zu den Totenbräuchen des Islam", sagt Hensch. Ein paar Meter weiter findet sich schon wieder das erste Massengrab. Hier liegen verschiedene Individuen kunterbunt auf engem Raum begraben. Teilweise sind die Beine angewinkelt, die schon öfter beschriebene Hockerstellung. Zwischen den Knochen eines anderen Toten liegen kleine Schellen. Sie dürften an seiner Kleidung befestigt gewesen sein.

War es nur ein Modeaccessoire des 15. Jahrhunderts? Oder liegt hier ein Schelm begraben, ein Spaßmacher? "Das waren keine Narren, das waren sehr politische Menschen", klärt Mathias Hensch auf. Oder trug dieser unbekannte Tote die Schellen, um seine Mitmenschen zu warnen? Weil er eventuell eine ansteckende Krankheit wie die Lepra hatte?

Ein Stück davon entfernt legen die Ausgräber gerade das Skelett einer sehr kleinen, zierlichen Frau frei. Mit einer Größe von etwa 1,25 Meter war sie selbst für spätmittelalterliche Verhältnisse, in denen die durchschnittliche Körpergröße sich bei etwa 1,60 Meter bewegte, winzig. Zwischen ihren Knochen lag eine Vielzahl von Kleiderhäkchen verstreut. "Vielleicht hat die Frau wegen ihres zarten Körperbaus einen Stützmieder getragen", vermutet Mathias Hensch als Ursache.

Vielleicht war sie von ihrer Familie wegen ihres Zwergenwuchses als junges Mädchen dem Spital anvertraut worden und verrichtete dort zeitlebens ihre Dienste. Auf jeden Fall wurde die Frau für damalige Verhältnisse ziemlich alt. Als sie starb, dürfte sie zwischen 50 und 60 gewesen sein. Interessant am Spitalfriedhof ist auch, dass die meisten Toten nicht sauber in Ost-West-Richtung bestattet worden sind, wie es der christliche Ritus an sich verlangt. Das hat seine Ursache aber wohl darin, dass auch das im 15. Jahrhundert errichtete Spitalkirchlein und sein älterer Vorgängerbau nicht richtig "geostet" sind. Warum? Es kann munter spekuliert werden.

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