17.10.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Irischer Folk mit fast allem, was dazugehört Zwischen Dublin und Landshut

Im Kampf um die Unabhängigkeit von Großbritannien jenseits von Religionskonflikten berief sich Irland auf die eigenen kulturellen Eigenheiten. Neben der irischen Sprache und Tanz war und ist die traditionelle Musik wohl das stärkste Kulturgut. 25 Lieder präsentierten Na Ciotogi im Musikomm.

Virtuosen des traditionellen Irish Folk: Na Ciotogi, die Linkshänder. Bild: dwi
von Dagmar WilliamsonProfil

Na Ciotogi (gesprochen "na keh-toe-geh") bedeutet "die Linkshänder". Eine Reihe von glücklichen Zufällen führte die fünf Linksspielenden von der grünen Insel 1989 in Landshut zusammen. Da sie an unterschiedlichen Orten (Dublin, Bretagne, Landshut) wohnen, touren sie in dieser Formation nur einmal im Jahr. Für Timmy aus Cork County, dem älteste Bandmitglied, ist das ein richtiger Höhepunkt. "Ich freue mich so darauf, sie alle wiederzusehen, an einem Fleck und niemand befiehlt uns, mit dem Krach aufzuhören", sagte der 72-Jährige mit einem Lachen. In der Heimat singe und musiziere man zu jeder Tages- und Nachtzeit, bei jeder Gelegenheit, egal an welchem Ort und immer, wenn mehr als zwei Bandmitglieder zusammentreffen.

Man muss kein Irland-Fan sein, um von den fröhlichen Klängen mitgerissen zu werden. Angefangen vom typischen Sean-nós-Gesang und Puirt a beul bis hin zu den Instrumenten, die die Traditionsmusik Irlands ausmachen: Bodhrán, Bouzouki, Mundharmonika, Uilleann Pipes, Akkordeon, Geige und Flöte - das alles findet sich im Repertoire. Das Liedgut besteht aus Balladen, ausgelassenen Trinkliedern, überlieferten Volksweisheiten und höhnenden Werken über die Engländer. Wie zum Beispiel "Monto", ein Lied über das Rotlicht-Milieu in Dublin. "Besonders beliebt war es Mitte des 19. Jahrhunderts bei englischen Soldaten", erzählte der Gitarrist. Möchte man einer Sage und dem Lied Glauben schenken, so soll Prince Edward dort seine Jungfräulichkeit verloren haben. Nachdem sich Queen Victoria beim Bürgermeister beschwert hat, soll er sie mit unflätigen Worten abgewimmelt haben. Alles in gälischer Sprache, teils schwer zu verstehen, aber sehr angenehm anzuhören.

Der 14-jährige Sohn von Fiddler Paddy O'Neil überraschte mit seinem Geigenspiel, genauso die Tanzeinlage von Timmy McCarthy, der trotz seines fortgeschrittenen Alters auch noch Irish-Dance-Workshops in Landshut anbietet. Rundum war dieser Abend so authentisch und irisch, wie es im Musikomm eben möglich ist - nur der fließende Whiskey und Guinness haben gefehlt.

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