Jahresausstellung der Gruppe Amberger Künstler
Hüttners Äpfel fallen nicht weit vom Stamm

Wer an die Gruppe Amberger Künstler denkt, hat fast schon automatisch Achim Hüttner vor Augen. Der mittlerweile pensionierte Kunsterzieher ist seit 43 Jahren und damit von Beginn an das Gesicht der Vereinigung. Bild: peg
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
27.12.2016
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Von Peter Geiger

Amberg. Menschen, die den Herausforderungen des Alltags auf eher unkonventionelle Weise begegnen, werden von jenen Zeitgenossen, deren Dasein in ausgetretenen Bahnen verläuft, oft als Lebenskünstler bezeichnet. Das hat nicht nur etwas Neidvolles, darin schwingen oft auch etwas Gönnerhaftes und distanzierende Herablassung mit. Und trifft den Kern der Sache ganz und gar nicht, wenn beispielsweise von Achim Hüttner, dem Sprecher der Gruppe Amberger Künstler, die Rede ist.

Klar, der 66-Jährige ist unkonventionell und ganz bestimmt auch im wahrsten Wortsinne ein Lebenskünstler, hat er doch als Maler, Bildhauer und (mittlerweile pensionierter) Kunsterzieher sein gesamtes Leben eben jenem Kreativ-Genre gewidmet. Sein größtes Kunststück aber ist es wohl, dass er mittlerweile seit 43 Jahren die Gruppe Amberger Künstler leitet. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Seit 1973 - also seit Willy Brandt im vierten Jahr Bundeskanzler war - hält er den Laden zusammen und sorgt dafür, dass die Stadt sich ganz offiziell auf das Wagnis Kunst einlässt.

Denn schließlich war es seiner Initiative zu verdanken, dass die rund zehnköpfige Mitgliederschar inklusive geladener Gäste zum jeweiligen Jahresende das an Arbeiten ausstellen kann, was über ein Jahr hinweg entstanden ist. Zur Vernissage ist immer der Oberbürgermeister dabei, und die Stadt ließ sich auch noch nie lumpen, was das Büfett anbelangt und die Publikation von insgesamt fünf Katalogen anbelangt. Wer sich also wie Achim Hüttner auf ein solches Unterfangen einlässt, muss Liebe und Leidenschaft empfinden.

Prince und Bob Dylan

Wie sehr dieses Feuer in ihm brennt, das offenbart auch der Maler Hüttner: Entweder porträtiert er aufs Expressivste seine Favoriten wie den im Frühjahr völlig überraschend verstorbenen Prince oder Bob Dylan, der soeben den Literaturnobelpreis erhalten hat. Aber auch bei jenen Arbeiten, die er seiner Geburtsstadt gewidmet hat, da explodieren die Farben und es dominiert ein schreiend-vitales Rot. Wer freilich genau hinschaut, der sieht auch, dass die dicken schwarzen Vertikalen und Horizontalen, die der Altstadt-Architektur Struktur verleihen, unvermittelt aus dem Ruder laufen. Und eine Umdeutung erfahren, in Richtung weibliche Körperhaftigkeit. So verleiht Achim Hüttner, der sich als Mahner immer wieder ins Kommunalpolitische einmischt und sich dabei als Antipode eines seiner Meinung nach rücksichtslosen Aus- und Umbaus der Altstadt versteht, seiner Vorstellung einer menschengerechten Stadt eine augenzwinkernd erotische Kontur.

Preisgekrönter Sohn

Nur ein paar Meter davon entfernt flimmert eine Videoarbeit seines Sohns Moritz über den Bildschirm. Der vor fünf Jahren mit dem Kulturförderpreis der Stadt Ausgezeichnete ersetzt den Pinsel durch die Kamera und erschuf damit ein Porträt einer hypermodernen Londoner Hafengegend. Auch für einen Lebenskünstler wie Achim Hüttner gilt: Seine Äpfel fallen nicht weit vom Stamm.

ÖffnungszeitenBis Freitag, 6. Januar, dienstags bis freitags von 11 bis 16 sowie samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr in der Stadtgalerie Alte Feuerwache (Zeughausstraße).
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