Jahresausstellung der Gruppe Amberger Künstler
Odel-Fassl und andere Klassiker

Für Manfred Wilhelm ist die Verbindung von Sprache und Bild reizvoll. Gleichzeitig lenkt er den Blick auf die Schönheiten des Alltags. Bild: peg
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
30.12.2016
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Noch bis Freitag, 6. Januar, zeigt die Gruppe Amberger Künstler ihre neuen Werke bei der Jahresausstellung. Nähert man sich den Arbeiten thematisch, so wird schnell klar: Hauptgegenstand der künstlerischen Inspiration ist die Stadt Amberg und ihre Umgebung.

Von Peter Geiger

Amberg. Manfred Wilhelm etwa hat in seinen "Risographien" (so heißt dieses zeitgemäße, dem Siebdruck verwandte Reproduktionsverfahren) eine für ihn so typische Sommer-Szenerie eingefangen: Blickt man nämlich in der Zeit während der Lengenloher Kirwa, also aus südwestlicher Richtung, auf den Berg, ist ihm aufgefallen, dass Jahr für Jahr ein Gülle-Behälter (im Dialekt: ein Odel-Fassl) steht. Und den hat er in Andy-Warhol-Manier eingefangen, in der farblich reduzierten Sprache der Pop-Art.

Man sieht schon: Das Beiläufige, das, was von anderen entweder unbeachtet bleibt (oder vielleicht sogar als das, was das Idyll stört, wahrgenommen wird), das interessiert ihn. Die größte Herausforderung aber sieht Manfred Wilhelm, der studierte Grafiker, der in Kemnath am Buchberg geboren wurde und deshalb den Dialekt mit der Muttermilch aufgesogen hat, in der Verbindung von Sprache und Typographie. Weshalb er in seinen "Lautmalereien" im Alltag Dahingesagtes wie zum Beispiel "ko scho sa" oder "dou di niad oo" in den Fokus seiner Betrachtung rückt. Und die Betrachter mit der Nase darauf stößt, auf die Schönheit des Unbeachteten. Dem verleiht Wilhelm mit unterschiedlichen Schrifttypen höchst vielgestaltigen Ausdruck: "Sprache und Bild in Verbindung zu bringen, das macht für mich den Reiz aus!", sagt der Künstler.

Achim Krieg, Kunsterzieher am musischen Max-Reger-Gymnasium, zeichnet mit dem Bleistift Stühle und stellt sie einander gegenüber. Das sind allesamt Designklassiker - und auf einem, da konfrontiert er den Amtssitz des Oberbürgermeisters (das Rathaus also) mit einem Bertoia-Stuhl. Ein Sitzmöbel aus Draht, das ebenfalls im Range eines Design-Klassikers steht. So verrätselt diese Gegenüberstellung daherkommt, so poetisch ist sie.

Nicht minder wolkig: Die Arbeiten seiner Ehefrau Anne Dreiss. Sie fotografiert, am liebsten und vor allem von ungewöhnlichen Standpunkten aus. Aus der Vogelperspektive hat sie Menschen eingefangen, einzeln oder in Gruppen, die über den Amberger Marktplatz schreiten und Schatten werfen. Diese scharf konturierten schwarzen Flächen entwickeln hypertrophe Ausmaße, verzerren und überragen ihre Verursacher aus Fleisch und Blut um ein Vielfaches. Grandios, dieses Spiel über die Bande der Natur und der Technik - realistisch und expressiv zugleich.
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