18.01.2018 - 17:26 Uhr
Oberpfalz

Klassik meets Breakdance im Stadttheater Mozart klassisch auf den Kopf gestellt

Als "Breakin' Mozart - Klassik meets Breakdance" ist die Show angekündigt, und das Stadttheater proppenvoll. Erstaunlich viele junge und ganz junge Besucher wollen sich dieses absolut ungewöhnliche Event nicht entgehen lassen.

"Klassik meets Breakdance" heißt es im Amberger Stadttheater. Die Show von DDC Breakdance und Christoph Hagel begeistert das Publikum. Bild: Hartl
von Helmut FischerProfil

Das ist phänomenal! "Breakin' Mozart" bringt im Stadttheater Amberg Standing Ovations zum Schluss und bei fast allen Szenen begeisterten Zwischenapplaus. Die Zuschauer erleben 90 Minuten musikalische Aktion, die zu keiner Sekunde Leerlauf zeigt, die durchgehende Spannung hält und eine nahezu unwahrscheinliche Synchronisation zwischen der Musik und den tänzerischen Darbietungen zeigt.

Dabei sind "tänzerische Darbietungen" hoffnungslos untertrieben. Es sind Artistik, turnerische Höchstleistung, Körperbeherrschung in einer fantastischen Choreographie, die die Bayerische Breakdance-Gruppe DDC (Dancefloor Destruction Crew) auf die Bühne zaubern. Zweifache Weltmeister sind sie, ausgezeichnet 2013 mit dem Titel "European's Best Show" und Publikumspreisträger beim Internationalen Zirkusfestival in Basel und (natürlich) zählen sie zu den besten Breakdance-Gruppen in Deutschland.

Tessa Achtermann, Felice Aguila, Marcel Geißler, Alexander Pollner, Gregory Strischewsky, Raphael Götz, Michael Lamprecht, Krzysztof Malicki sind die Akteure, die alle Formen der modernen Tanz-Figuren beherrschen, die in einarmigen Handständen, auf dem Kopf getanzten Pirouetten, waghalsigen, beinahe unglaublichen Sprung-Kombinationen und (fast) nie vorher gesehenen Gruppen-Arrangements die Besucher zum Staunen und zu euphorischen Beifallskundgebungen hinreißen.

Große Sensibilität

Dabei sind Geißler, Pollner und Strischewsky nicht nur Tänzer, sondern auch für die atemberaubende Choreographie zuständig und Malicki schlüpft in den Habitus des genialen Mozarts. Mozarts Musik ist es ja auch, die dem Ganzen die Grundlage bietet. Es ist toll, wie das arrangiert ist. Da wechseln Original-Interpretationen, vom Künstlerischen Leiter und "Spiritus rector" Christoph Hagel brillant am Flügel gespielt, mit Orchester- Einspielungen ab, da wird Mozart "verfremdet" dargeboten, verjazzt, in Pop-Varianten, und mit anderen seinen Themen vermischt, effektvoll, auch mit großer Sensibilität gespielt, und stets gibt es dazu die synchrone tänzerische Show.

Souverän präsentiert

Mozarts "Zauberflöte" nimmt einen großen Raum ein, und hier präsentiert sich Darlene Ann Dobisch als einfach großartige "Königin der Nacht", die die großen Arien "O zittre nicht, mein lieber Sohn" und die berühmte "Rache-Arie" mit bravourösen Koloraturen bis hoch in die dritte Oktave umwerfend souverän präsentiert und sich darüber hinaus auch kongenial in den tänzerischen Ablauf einfügt. Ihr Spiel mit dem ob ihrer Dominanz scheinbar verängstigten "Pamino" - einfach großartig.

Und fast unglaublich berührend, wie zu ihrer Arie aus Idomeneo die Tänzerin auf einer rotierenden Scheibe eine eigenwillige Equilibristik zeigt. Diese Frau scheint keine Knochen im Leib zu haben, so beweglich, so geschmeidig, so verschmelzend ihre Körperlichkeit. Hier kommt man um Superlative nicht herum. Variationen aus "Morgen kommt der Weihnachtsmann" werden von Christoph Hagel in all ihrer Virtuosität gespielt und die Tänzer in Weihnachtsmützen untermalen dies mit ihrer tollen Choreographie und "befreien" aus ihrem Geschenkesack die Tänzerin, die ebenfalls mit Weihnachtsmütze sich dem turbulenten tänzerischen Geschehen anschließt.

"Wer liegt oben" zur G-Moll Symphonie mit einem intimen Paartanz, bei dem die so sensible, ästhetische Erotik zusätzlich fesselt, eine zauberhafte Darstellung des "Papa-pa-papapapa"-Duetts der Zauberflöte, jede der getanzten 17 Stationen ist von einer atemberaubenden Intensität, und "Mozart", in Perücke und entsprechendes Outfit gekleidet, ist immer "körperlich" mit intelligenten Einfällen dabei, zeigt sich in der grandiosen Schlussszene zur "Jupiter-Symphonie", bei der alle tanzenden Akteure noch einem zu Höchstformen in turnerischer, akrobatischer und choreografischer Hinsicht auflaufenen, als "Amor " mit Pfeil und Bogen. "Klang und Bewegung verschmelzen zu einer beglückenden Einheit" , so beschreibt die "Main Post Würzburg" die Präsentation. In Amberg scheint dies noch untertrieben. Es ist einfach eine phantastische, phänomenale Show.

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