19.03.2018 - 16:56 Uhr

„Konstellationen“ spielt mit den Möglichkeiten des „was wäre, wenn...?“ Variantenreiche Lebensbetrachtungen

Der jüngst verstorbene Physiker Stephen Hawking hätte an diesen "Konstellationen" sicher seinen Spaß gehabt. Das Stück spielt mit den Möglichkeiten des "was wäre, wenn ...?"

Mit dem Stück "Konstellationen" sind Suzanne von Borsody und Guntbert Warns im Stadttheater Amberg zu Gast. Die beiden spielen anhand einer Ausgangssituation mehrere Varianten eines weiteren Handlungsverlaufs durch. Bild: Petra Hartl
von Johann FrischholzProfil

"Konstellationen" ist leichter verständlich für jene, die sich schon einmal mit Hawkins String-Theorie oder der Möglichkeit von Paralleluniversen auseinandergesetzt haben. Nicht, dass die Handlung an sich so abstrakt ist, wie die Formeln der Wissenschaft, mit denen kluge Köpfe unsere Welt erklären wollen. Aber die Struktur des Schauspiels von Nick Payne, das in der Inszenierung des Berliner Renaissance-Theaters und unter der Regie von Antoine Utdehaag im Amberger Stadttheater zeigt, ist für Hobby-Physiker insofern zugänglicher, als in der Szenenfolge mit den Möglichkeiten alternativer Handlungsstränge gespielt wird.

Multiversum dargestellt

Die Protagonisten Marianne, der Suzanne von Borsody eine Stimme gibt, und dem von Guntbert Warns dargestellten Roland, erzählen fast zwei ganze Menschenleben mit ihren biografischen Eckpunkten und Wendungen in oftmals recht kurzen Spielszenen.

Diese gehen vom einem gemeinsamen Ausgangspunkt aus, wie etwa dem Kennenlernen, der ersten Verabredung, einem Wiedersehen nach einer Scheidung oder - von Suzanne von Borsody eindringlich und mit emotionaler Wucht interpretiert - die Reaktion einer Frau auf eine erschütternde medizinische Diagnose, wird aber dann in mehreren Versionen mit unterschiedlichem Ausgang durchgespielt. Diese Montagetechnik hat neben dem sogenannten Schmetterlingseffekt eine weitere überraschende Wirkung auf das Publikum: So mancher mag schon während der Aufführung weitere mögliche Handlungsverläufe in diesem Multiversum durchgespielt haben.

Die Szene mit der Tumordiagnose erhält noch eine ganz spezielle, tief emotionale Wirkung in der Variante, in der die Krankheit Marianne die Fähigkeit zu sprechen geraubt hat. Mit Gebärdensprache, Mimik und Gestik bringen die beiden Darsteller die Tragik des Ereignisses auf die Bühne, die ihre Wirkung auf die Zuschauerinnen und Zuschauer nicht verfehlt.

Wandlungsfähigkeit gefragt

Ganz im Gegensatz dazu - und das sei hier als einziger Negativposten in der Bilanz des Schauspiels angemerkt - gerät das Fragment, in dem Roland seiner geliebten Marianne einen Heiratsantrag macht. Die Gefühle des Brautwerbers wird auf eine derart platte und überzeichnete Weise dargestellt, die haarscharf an der Grenze zum Klamauk vorbeischrammt. Einige Gäste finden die Übertreibung allerdings amüsant, denn das an humorigen Pointen ansonsten arme Stück erntet damit ein paar Lacher. Ob diese der wilden Entschlossenheit, sich zu amüsieren einiger Zuschauer geschuldet ist, oder ob es sich um eine Befreiung aus der eher düsteren Grundstimmung handelte, sei dahingestellt.

"Konstellationen" gibt keine fertigen Auflösungen für die angespielten Szenen und fordert sowohl von den Schauspielern ein hohes Maß an Wandlungsfähigkeit, als auch vom Publikum die Bereitschaft, sich auf ein experimentelles Theaterstück einzulassen. Zum Nachdenken über die möglichen Varianten des eigenen Lebens animierten diese Varianten in der Bühnenexistenz von Roland und Marianne allemal.

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