Konzert der Amberger Chorgemeinschaft
Ankerplatz für die Seele

Das Konzert "Ein feste Burg", das die Amberger Chorgemeinschaft und das Sinfonieorchester der Berufsfachschule für Musik gestalten, ist ein musikalischer Höhepunkt. Mit einem Chor, der begeisternd singt, mit Musikern, die magische Momente zaubern, mit einem Dirigenten, der die musikalische Architektur einfühlsam interpretiert. Bild: Steinbacher

Kurz nach dem Reformationsjubiläum ist in Berlin vor der Marienkirche schon das metallene Luther-Denkmal abgebaut worden. Zu Inspektionszwecken wie es heißt! In Amberg errichten am Sonntag die Amberger Chorgemeinschaft und das Sinfonieorchester der Berufsfachschule für Musik dem Reformator ein musikalisches Monument.

Luthers Lied "Ein feste Burg ist unser Gott" ist das rote Band, das den Konzertabend harmonisch zusammen fügt. Die Melodie mit dem fanfarenartigen Beginn geht sofort ins Gedächtnis. Und der bildhafte Text regt die Fantasie an - auch die vieler Komponisten: Otto Nicolai, Franz Tunder, Georg Philipp Telemann und Felix Mendelssohn-Bartholdy.

Wunderbarer Chorklang

Im prächtigen, gold-funkelnden Kongregationssaal bieten Orchester und Chor mit den Werken dieser Komponisten in wechselnden Formationen und Stationen und ohne Pause eine "akustische Rauminstallation", wie im Programm zu lesen steht. Der Gedanke ist gut, die Hörqualität leider nicht so. Die seitlich ansingenden Stimmen haben wenig Chance, gegen das frontal mächtig aufspielende Orchester anzukommen.

Leichter tut sich der Chor bei den zwei Kompositionen aus der Barockzeit: Franz Tunders Choralkonzert für Chor, Streicher und Basso continuo und Telemanns Motette für Chor, Instrumente und Basso continuo. Hier, vor dem Altar, kommt der Chorklang wunderbar dicht in den Raum. Die Streicher finden schnell und harmonisch zusammen, die Orgel bringt sich wohlstrukturiert in Stellung. Innig und eindringlich gestaltet Solosopranistin Jana Müller ihre Passage. Dem positiven Grundgedanken des "Verleih uns Frieden gnädiglich" von Felix Mendelssohn-Bartholdy am Programmende wird mit starkem Ausdruck der Sänger nochmals Schub verliehen.

Souverän und sakral

Doch davor schickt Dieter Müller seine Orchestermusiker ins Rennen. Knackig akzentuiert, souverän und sakral inspiriert widmen sie sich der Reformations-Sinfonie von Mendelssohn, die dieser aus freien Stücken anlässlich der 300-Jahr-Feiern "Confessio Augustana" komponierte.

Festlich getragen beginnt das Werk und der Maestro stimmt auch so auf den geistlichen Charakter der Symphonie ein. Der erste Satz steigert sich, die Melodien grätschen ins Dramatische und Müller fordert alles von den Musikern. Es gelingt ihm, nicht nur das Jubilierende, Jubelnde dieser Symphonie herauszuarbeiten, sondern auch das Unbedingte, oftmals Herrische und unerbittlich Dramatische. Luthers Choral "Ein feste Burg" - zunächst nur von einer Flöte gespielt - schwillt letztlich zum Hauptmotiv der Sinfonie und blüht zur triumphierenden Hymne, bei der alle Instrument im Einsatz sind! Bravourös die technische Beherrschung und voll Engagement das Spiel.

Das Konzert ist musikalischer Höhepunkt und Ankerplatz für die Seele. Mit einem Chor, der begeisternd singt. Mit Musikern, die magische Momente zaubern. Mit einem Dirigenten, der die musikalische Architektur einfühlsam interpretiert. Nichts ist schrill oder unharmonisch - eine kleine Auszeit von der Welt, die vom begeisterten Publikum mit langem Beifall bedacht wird.
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